Bf. Stolberg-Velau (KPEV / von 1884 bis etwa 1890)

Als die Bergisch-Märkische Eisenbahn (BME) im Jahre 1873 ihre von Rheydt über Jülich nach Eschweiler führende Eisenbahnstrecke erbaute, wurde aus Gründen des Konkurrenzschutzes keine Bahnverbindung zwischen dem Bahnhof Eschweiler-Aue der BME und dem Bahnhof Stolberg-Velau der RhB geschaffen. Ebenso unterblieb der Bau einer Gleisverbindung zwischen Eschweiler-Aue und dem ersten Stolberger Bahnhof der Rheinischen Eisenbahn. Hätte eine dieser beiden Eisenbahngesellschaften eine unmittelbare Schienenverbindung geschaffen, so hätte sie ihrer Konkurrentin einen Netzzugang gewähren müssen. Diese Konkurrenzsituation wurde erst mit der Verstaatlichung der Rheinischen Eisenbahn (zum 01. Januar 1880) und der Bergisch-Märkischen Eisenbahn (zum 01. Januar 1882) durch den preußischen Staat aufgelöst. Der preußische Staat ging unmittelbar nach der Verstaatlichung daran, diese Lücke im Schienennetz unter dem Dach der Königlich preußischen Eisenbahnverwaltung (KPEV) zu beseitigen. Die weitergehenden Pläne der preußischen Staatsbahn zu einem umfassenden Umbau der Stolberger Bahnanlagen und die Rücksichtnahme auf die bereits bestehenden Verhältnisse führten dazu, dass 1881 zunächst die Gleisverbindung von Eschweiler-Aue nach dem Bahnhof Stolberg-Velau geschaffen wurde. Gleichzeitig wurde 1881 auch eine neue Strecke zur Zinkhütte Birkengang verlegt, die aus dem Indetal heraus mit Hilfe von zwei Spitzkehren die auf dem Donnerberg liegende Zinkhütte („Friedrich-Wilhelms-Hütte“) an das Eisenbahnnetz anband.

Da man von Eschweiler-Aue aus zusätzlich Personenverkehr nach Stolberg-Velau weiterführen wollte, musste im Gebiet Velau eine eigene Personenzugstation geschaffen werden. Die preußische Staatsbahn legte deshalb im Bereich der heutigen Münsterbachstraße einen neuen Kopfbahnhof an und erbaute dort ein Stationsgebäude für den Personenverkehr sowie eine Ladestraße zur Güterverladung.


Dieses aus dem Stadtarchiv Stolberg stammende Foto ist mit 1890 datiert und zeigt die Einmündung der heutigen Münsterbachstraße in die heutige Eschweilerstraße. Im Vordergrund ist eine Mautstation zu erkennen. Rechts am Bildrand sind Anlagen des KPEV-Bahnhofs Stolberg-Velau zu erkennen. In der Bildmitte ist daneben das Anschlussgleis zur Zinkhütte auf dem Donnerberg und – links von dem Haus – deren Brücke über die Inde zu erkennen.


Fünf Jahre später soll dieses Foto entstanden sein. Auch hier sind verschiedene Bahnbauten zu erkennen, die wahrscheinlich aber schon zum Bahnbetriebswerk gehörten, das auf dem Gelände des Bf. Stolberg-Velau ab etwa 1891  errichtet wurde (oben). Eine Vergrößerung aus diesem Bild zeigt das untere  Bild.

Im Hinblick auf den Bau des neuen Stolberger Zentralbahnhofes handelt es sich bei dem Stationsgebäude wahrscheinlich nur um ein bescheidenes Gebäude. Die preußische Staatsbahn eröffnete die fehlende, 2,2 km lange Strecke zwischen Eschweiler-Aue und dem neu angelegten Bahnhof Stolberg-Velau am 15. Oktober 1884. Soweit bekannt ist, trug dieser von der preußischen Staatsbahn (KPEV) angelegte Bahnhof wie schon der von der Rheinischen Eisenbahn geschaffene Bahnhof ebenfalls den Namen „Stolberg-Velau“. Da die KPEV aber schon drei Jahre zuvor, im Jahre 1881, die fehlende Verbindung zwischen dem Bahnhof Eschweiler-Aue der Bergisch-Märkischen Eisenbahn und den Anlagen der Rheinischen Eisenbahn geschaffen hatte, wäre es denkbar, das der von der Rheinischen Eisenbahn betriebene Bahnhof Stolberg-Velau nach 1881 in den Anlagen des Bahnhofs „Stolberg“ der Rheinischen Eisenbahn (des späteren Stolberger Hauptbahnhofs, der von der KPEV zunächst noch als Bahnhof „Stolberg Rheinisch“ bezeichnet worden war) aufgegangen war und der Bahnhofsname „Stolberg-Velau“ damit zur neuerlichen Verwendung freigeworden war.


Dieser im Jahre 1891 gezeichnete Entwurf eines nicht realisierten Gebäudes für das neue Bahnbetriebswerk belegt die Schreibweise für den Velauer Bahnhof der preußischen Staatsbahn.

Dessen ungeachtet verwirklichte die preußische Staatsbahn ab 1886 ihre Pläne zum Bau eines Stolberger Zentralbahnhofs, bei dem die Anlagen des Personenverkehrs rund um ein neu zu errichtendes, zentral gelegenes Empfangsgebäude zusammengefasst werden sollten. Dieses neue Bahnhofsgebäude wurde 1888 fertiggestellt, so dass für den von der preußischen Staatsbahn gebauten Bahnhof Stolberg-Velau anschließend im Reisezugverkehr kein Bedarf mehr bestand.

Außerdem wurde zum 07. November 1890 mit der sog. „Verbindungsbahn“ eine rd. 1,35 km lange Direktverbindung zwischen dem Bezirk IV des neuen Zentralbahnhofs, der aus dem von der Rheinischen Eisenbahn angelegten Bahnhof „Stolberg-Velau“ hervorgegangenen war, und dem ehemaligen Bahnhof „Stolberg-Atsch (AI)“, dessen Anlagen im neuen Bahnhofsbezirk V aufgingen, geschaffen. Da um 1890 zudem die Güterverkehrsanlagen des neuen Zentralbahnhofs im Bereich der heutigen Probsteistraße fertiggestellt waren, konnte der 1884 von der KPEV eröffnete Bahnhof Stolberg-Velau aufgegeben werden. Damit endet um das Jahr 1890 die Geschichte der beiden vormaligen Bahnhöfe in der Velau.

Der von der Rheinischen Eisenbahn angelegte Bahnhof Stolberg-Velau ging in den Bezirken III und IV des neuen Zentralbahnhofs auf, während auf dem von der preußischen Staatsbahn angelegten Bahnhof Stolberg-Velau das neue Bahnbetriebswerk Stolberg errichtet wurde. Im Zuge des Ausbaus des Zentralbahnhofs wurde im Bereich des Personenbahnhofs Stolberg-Velau zudem ein neuer Ablaufberg für den Bezirk IV angelegt und das neue Stellwerk „Sl“ gebaut. Das Anschlussgleis zur „Friedrich-Wilhelms-Hütte“ wurde bis zur Schließung dieser Zinkhütte im Jahre 1926 betrieben.


Wie der Kartenausschnitt aus dem Jahre 1923 (oben) und der Ausschnittaus einem Luftbild von 1931 (unten) zeigen, waren Reste des Bf. Stolberg-Velau westlich des Bahnbetriebswerks noch längere Zeit erhalten geblieben.



Selbst auf diesem im Jahre 1948 angefertigten Plan des Stolberger Hauptbahnhofs sind Reste der Ladestraße des preußischen Bahnhofs Stolberg-Velau eingezeichnet.

2 Gedanken zu „Bf. Stolberg-Velau (KPEV / von 1884 bis etwa 1890)“

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    seit 1951-68 auf Steinfurt 65 wohnhaft, möchte ich zu diesem Bereicht ein paar Anmerkungen machen. Ich weiß nicht, ob Sie mit dem ‚Bahnhof-Velau‘ etwa die kleine Fachwerkhütte auf den beiden Fotos (siehe auch Ausschnittsvergrößerung) meinen. An der Stelle befand sich, wie ich mich noch sehr gut erinnern kann und was auch deutlich zu sehen ist: eine „Wasserstation“ zur Befüllung der Dampflokomotiven. Ich kann mich noch an das schwenkbare Rohr dieser Anlage erinnern, das ein wenig mehr in Richtung des großen Lokschuppens stand und auf den Fotos leider nicht zu sehen ist. Wohl aber ein großer Tank, worin sich dieses Wasser wahrscheinlich befand. Wir sind auf dem Fußweg von Steinfurt zur Herrmanschule etc. täglich dort vorbeigelaufen. Viel interessanter finde ich die ominösen Kommentare zur ‚Zinkhütte Steinfurt‘ bei Wikipedia, auf welche ich nun unseren T. Dörflinger einmal aufmerksam gemacht habe.

    Mit freundlichen Grüßen
    W. Lennartz

    1. Hallo Herr Lennartz,

      vielen Dank für Ihre Informationen zu diesem Bereich. Wenn Sie von 1951 bis 1968 an der Steinfurt gewohnt haben, dann wird Ihnen vor allem das große Bahnbetriebswerk mit dem Ringlokschuppen und den diversen Einrichtung für die Versorgung und Wartung der Dampfloks bekannt sein. Dieses Bahnbetriebswerk ist ab etwa 1890 mit dem Umbau und Ausbau des heutigen Stolberger Hauptbahnhofs gewachsen. Vorher gab es dort aber bereits einen kleinen Bahnhof, den die Bergisch-Märkische Eisenbahn (BME) als Endstation ihrer Bahnstrecke von Hochneukirch (bei Mönchengladbach) über Jülich und Eschweiler (Talbahn) gebaut hatte. Von diesem Endbahnhof hätte die BME dem Laufe der Vicht folgend auch eine Verlängerung in Richtung Oberstolberg und Walheim bauen können. Dazu ist es aber nie gekommen. Bereits nach wenigen Jahren wurde die BME verstaatlicht. Und der preußische Staat hatte die Bahnhöfe der vorherigen Privatbahnen zusammengelegt. So wurde auch der Bahnhof in der Velau überflüssig und auf seiner Fläche ist Stück für Stück das Bahnbetriebswerk errichtet worden. Das historische Foto zeigt einen Teil der Anlagen dieses kleinen Bahnhofs der BME in der Velau. Leider habe ich aber von diesem Bahnhof weder Gleispläne, Skizzen oder Fotos finden können.
      Dass der Wasserturm für die Wasserversorgung der Dampfloks gebaut worden war, dürfte klar sein. Welche Funktion der kleine Fachwerkschuppen aber gehabt hat (Güterschuppen, Lokschuppen, Werkstatt o.ä.), vermag ich nicht zu sagen. Ob man beim Bahnbetriebswerk verschiedene Gebäude des BME-Bahnhofs weitergenutzt hat, liegt ebenfalls im Dunkel der Eisenbahngeschichte. Aber wer weiß, vielleicht lässt sich das irgendwann auch noch einmal aufklären.

      Ich kenne das Bahnbetriebswerk erst ab Anfang der 1970er Jahre. Zu jener Zeit gab es im Bereich zur Münsterbachstraße hin keine Gebäude mehr.

      Viele Grüße

      Roland Keller

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.