2.8 1994 bis heute – der Betrieb unter der Deutschen Bahn AG und der EUREGIO Verkehrsschienennetz GmbH (EVS)

Zum 1. Januar 1994 ging die Deutsche Bundesbahn zusammen mit der Deutschen Reichsbahn in der handelsrechtlich organisierten Kapitalgesellschaft Deutsche Bahn AG auf.

Seit dem 02. Juni 1990 hatte sich mit Unterstützung der deutschsprachigen Gemeinschaft auf dem belgischen Vennbahnabschnitt ein touristischer Bahnbetrieb entwickelt, der vom Bahnhof Raeren als Betriebsmittelpunkt aus Fahrten nach Malmedy und Trois Ponts einerseits und nach Büttgenbach andererseits anbot und damit auch in Deutschland viel Zuspruch fand. Nachdem der Aachener Zweig der Vennbahnstrecke abschnittweise bis zum 31. August 1984 stillgelegt und großenteils abgebaut worden war, blieb alleine die Strecke Stolberg – Raeren als deutscher Zugang zum belgischen Teil der Vennbahn. Wegen des touristischen Interesses an den Vennbahnfahrten wurde die beabsichtigte Stillegung des Streckenabschnitts zwischen Stolberg WA „Zur Mühlen“ und der Bundesgrenze zunächst aufgeschoben. Im Oktober 1993 schlossen die Deutsche Bundesbahn und der in Stolberg ansässige „Vennbahn e.V.“ (Stolberg) einen Überlassungsvertag für die Strecke Stolberg – Schmithof (Grenze) ab. Nach längeren Vorbereitungen konnte zum 30. April 1994 auch von deutscher Seite aus eine touristische Nutzung der Strecke Stolberg Hbf – Walheim – Raeren – Monschau in Betrieb gehen.

Feierliche Eröffnung des Fahrbetriebs des Deutschen Vennbahnvereins am 30. April 1994 auf dem Stolberger Hauptbahnhof. Weil die Aufarbeitung des vereinseigenen Schienenbusses nicht rechtzeitg abgeschlossen werden konnte, musste für den Eröffnungszug kurzfristig ein Schienenbus der Dürener Kreisbahn ausgeliehen werden.


Am späten Nachmittag des 30. April 1994 passierte der Eröffnungszug des deutschen Vennbanvereins auf seiner Rückfahrt von Monschau nach Stolberg die Falkenbachbrücke. Eine Woche später verkehrte dann der vereinseigene, aus Österreich beschaffte „Panorama-Schienenbus“.

Die Fahrten wurden mit einem blau-weiß lackierten zweimotorigen Uerdinger Schienenbus nebst Beiwagen und Steuerwagen durchgeführt, die von der Österreichischen Bundesbahn angekauft (ÖBB 5081.003 [VT] + 6581.001 [VS] + 6581.053 [VS]) und anschließend überarbeitet wurden. Für diesen tourisitischen Verkehr wurde in Breinig ein neuer Bahnsteig gegenüber des Bahnhofsgebäudes angelegt. In Walheim wurde der vorhandene Hausbahnsteig saniert. In Hahn und Schmithof gab es keine Halte.


Hier brummt der eigene  Schienenbus des Stolberger Vennbahnvereins am 17.  Juli  1994 bei Hahn bergan in Richtung Raeren (oben und unten)

Zu den herausragenden Sonderfahrten über die Strecke Stolberg – Raeren gehörte ein Sonderzug mit der Lok V 200 033 der Hammer Eisenbahnfreunde, der am 28. Mai 1994 von Raeren aus mit Unterstützung der Vennbahndampflok 50 3666 nach Sourbrodt gefahren wurde.

V 200 033 am 28. Mai 1994 auf der Falkenbachbrücke (oben) und vor dem  Bf. Walheim (unten)


Zusammentreffen der V 200 033 mit der Vennbahn-Dampflok 50 3666 am 28. Mai 1994 auf dem Bf. Raeren

Schon im Oktober 1996 kam auf der Stolberger Talbahn erstmals ein Talent-Triebwagen zum Einsatz. Es handelte sich um eine Werbefahrt für den neuen, in Aachen bei der traditionsreichen Waggonfabrik Talbot entworfenen  Triebwagen, die von Stolberg Hbf bis zum Bf. Stolberg-Hammer und wieder zurück verlief. Die Verbindung von Stolberg nach Eupen lag zu dieser Zeit außerhalb der Denkweite…

Auch wenn eine Nutzung der Strecke Stolberg – Walheim – Raeren – Eupen für den öffentlichen Schienenpersonennahverkehr ausschied,  so wurde deren touristische Nutzung weiter ausgebaut.
Zu den spektakulären Vennbahn-Sonderfahrten  zählte am 4. Mai 1997 eine Fahrt des legendären TEE-Triebwagens der BR VT 11.5 . Auf dem Weg ins Hohe Venn benutzte der Zug am Vormittag die  Strecke Stolberg – Raeren.

601 014 und 601 019 am 04. Mai 1997 bei Hahn


Der legendäre TEE in Walheim, aufgenommen am 04. Mai 1997 am Bahnübergang Schleidener Straße und vor dem Bahnhofsgebäude

Im Jahre 1997 erreichte der touristische Verkehr einen gewissen Höhepunkt. Wie dieses Faltblatt zeigt, wurde die Strecke Stolberg – Raeren als Teil eines grenzüberschreitenden touristischen Netzwerkes präsentiert:



Dieses Netz von Touristikbahnen in der Eifel-Venn-Region sollte indes nur eine kurze Blüte erleben. Was ist davon geblieben? – heute gibt es einzig noch den Eifelbahn e.V. und dessen Eisenbahn-Verkehrsunternehmen Vulkaneifelbahn in Gerolstein. Und auch dort mussten die Aktivitäten auf andere Strecken verlegt werden, weil die Strecke Jünkerath – Losheim – Weywertz mittlerweile stillgelegt und abgebaut worden ist.

Der Zugverkehr auf der Strecke Stolberg – Raeren beschränkte sich neben den gelegentlichen Sonderfahrten auf die sonntäglichen Fahrten des Stolberger Vennbahn-Vereins von Stolberg über Raeren nach Monschau.

Der Panorama-Schienenbus verkehrte je nach Bedarf  zwei- oder dreiteilig. Hier wurde er auf der Falkenbachbrücke an einem Septemberabend 1997 auf der Rückfahrt von Monschau kommend dreiteilig festgehalten.

Zu den hoffnungsvollen Ansätzen für eine touristische Nutzung der Strecke Stolberg – Raeren zählten auchFahrten zu den Weihnachtsmärkten nach Monschau und Raeren. In diesem Rahmen bot auch die  „Dampfbahn Rur-Wurm-Inde“ mit ihrer vereinseigenen Dampflok 52 8148 Fahrten nach Raeren an, wo es die Möglichkeit gab, dort auf die Züge der belgischen Vennbahn umzusteigen.

Mit viel Dampf und Getöse setzte sich am 30. November 1997 die kohlegefeuerte  52 8148 mit einem vorweihnachtlichen Sonderzug am Einfahrsignal des Bf. Walheim wieder in Bewegung, nachdem sie dort wegen der Sicherung des Bahnübergangs Schleidener Straße kurz anhalten musste (oben). Für die weitere steigungsreiche Fahrt nach Raeren hatte der Heizer soo viel Dampf gekocht, dass sich im Bf. Walheim die Überdruckventile öffneten (unten).

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Im Laufe des Jahres 1998 legten sich dunkle Schatten auf den touristischen Fahrbetrieb über die Strecke Stolberg – Raeren…

Als die NATO ab Mitte der 1990er Jahre ihr strategisches Interesse an der Strecke Stolberg – Raeren aufgab und die Finanzierung der Streckenunterhaltung wegfiel, verschlechterte sich sehr bald der Zustand der Strecke. Im Jahre 1998 konnte der Schienenbus des Vennbahn-Vereins zwischen Walheim und Raeren über lange Strecken nur noch mit 10 km/h fahren, so dass die Fahrten nach Monschau wegen der enorm verlängerten Fahrzeiten unattraktiv wurden.
Der nachstehende Vergleich der Fahrpläne aus den Jahren 1997 und 1998 zeigt, wie sich die Fahrzeit für den 5,9 km langen Streckenabschnitt zwischen Walheim und Raeren von 22 auf 42 (!) Minuten verlängert hat.

Aus diesem Grund verkehrte der Schienenbus nicht mehr jeden Sonntag, sondern nur noch an einzelnen Fahrtagen. Zudem versuchte man – leider mit wenig Erfolg – durch ergänzende Busreiseangebote die Mängel des Schienenweges zu kompensieren.
Der Fahrplan für das Jahr 1998 sollte dennoch der letzte sein.

Der 25. Oktober 1998 war der letzte planmäßige Betriebstag dieses touristischen Verkehrs von Stolberg über Raeren nach Monschau. (Der Verein „Vennbahn e.V.“ wurde zum 31.12.2004 aufgelöst.)


Der Panorama-Schienenbus des deutschen Vennbahn-Vereins, aufgenommen am 25. Oktober 1998 mit dem Schmuck für die letzte Fahrt.

Selbst als der regelmäßige touristische Verkehr eingestellt worden war, gaben vereinzelte Sonderzüge der Strecke Stolberg – Raeren noch ein wenig Leben. Der 23. Mai 1999  brachte gleich mehrere Sonderzüge auf die Schienen, da an diesem Tag der 10. Geburtstag des belgischen Vennbahn-Vereins mit einer Großveranstaltung auf dem Bahnhof Raeren und mehreren Sonderzugfahrten auf der Vennbahn gefeiert wurde.

Vor dem Bahnhofsgebäude von Raeren konnte man die luxemburgische Dampflok 5519 (entsprechend DR-Baureihe 42) bestaunen. Auch wenn die Vennbahn einstmals von Aachen nach Luxemburg verlief, so musste diese Lok am 23. Mai 1999 über  Gouvy und Trois Ponts anreisen.


Am Abend des 23. Mai 1999 passierte u.a. 52 8148 der „Dampfbahn Rur-Wurm-Inde“ auf ihrer Rückfahrt nach Düren und Jülich in der Abendsonne die Falkenbachbrücke.

Am 1. September 1999 wurde zwischen der Deutschen Bahn AG und der Firma „Euregio Verkehrsschienennetz GmbH“ (EVS) ein Rahmenvertrag zur Übernahme der Strecke Stolberg Hbf bis zur Netzgrenze DB/SNCB abgeschlossen. Am 1. November 2000 erfolgte die formelle Übernahme der Strecke Stolberg Hbf bis zur Grenze am Streckenkilometer 17,3 durch die EVS. Mit diesem Übergang sollte die zukünftige Nutzung der Strecke gesichert sein.


Am 17. Dezember 2000 wurde mit der Lok 50 3708, die von Eisenbahnfreunden aus Halberstadt angemietet worden war, die bis heute letzte Dampfloksonderfahrt von Stolberg über Walheim nach Raeren und zurück veranstaltet.

Zusammen mit dem AVV und der Deutschen Bahn erarbeitete die EVS das Gesamtkonzept “Euregiobahn”, ein Konzept zur Reaktivierung der Nebenstrecken in der Region Aachen, in dem auch die Strecke Stolberg – Walheim – Raeren zum Teil enthalten war. Auf dem Abschnitt zwischen Stolberg Hbf und dem Bahnhof Stolberg-Hammer, der jetzt in Stolberg-Altstadt umbenannt worden war, wurde am 10. Juni 2001 der Reisezugverkehr wieder aufgenommen.

Am 01. Juli 2001 wurde für das alljährliche  Stadtfest in Stolberg ein Sonderverkehr im Stundentakt nach Breinig eingerichtet. Dabei wurde Breinig erstmals von einem Talent-Triebwagen der Euregiobahn angefahren.

Sonderverkehr von Stolberg-Hammer nach Breinig mit einem dreiteiligen Talent-Triebwagen der BR 644  von DB-Regio am 01. Juli 2001, aufgenommen auf dem Viadukt Rüst (oben) und vor dem Breiniger Bahnhofsgebäude (unten).

In der anfänglichen Euphorie veranstaltete die EVS am 16. September 2001 eine Promotionfahrt für die Wiederaufnahme des Reisezugverkehrs von Stolberg nach Eupen. Hierzu befuhr der Talenttriebwagen 644 027  mit geladenen Gästen die Strecke von Stolberg-Hammer über Raeren nach Eupen und zurück.  Bereits am 14.  September 2001 hatte  schon eine entsprechende Probefahrt stattgefunden.

644 027 überquert am 16. September 2001 bei strömendem Regen als Sonderzug von Stolberg nach Eupen und zurück die Falkenbachbrücke.


Eigens für diese beiden Talent-Sonderfahrten zwischen Stolberg und Eupen wurde von der EVS am Bahnhof Walheim beim Bahnübergang Schleidener Straße im September 2001 noch dieser Bahnsteig angelegt.


644 027 am 16. September 2001 am Posten 14 in Walheim


Begegnung des ASEAG-Busses Nr. 760 auf der Linie 41 von Sief nach Aachen mit 644 027 in Schmithof – Ein Bild mit „Symbolcharakter“: Während der örtliche Verkehr zwischen den Stationen der Vennbahn und Aachen heute noch fest in der Hand des Busverkehrs ist, kündigt sich am Horizont – kaum erkennbar – eine Wiederkehr des Schienenpersonennahverkehrs an….


Einfahrt des von Stolberg nach Eupen fahrenden Talent-Triebwagens 644 027 in den Bf. Raeren am 16. September 2001


Freudige Begrüßung unter Eisenbahnern – nach langer Zeit kam man hier noch einmal auf Schienen über die Grenze…


Noch ein symbolträchtiges Bild: Die hoffnungsvolle Promotionfahrt von Stolberg nach Eupen neben der touristischen Vennbahn – beide Züge blieben  ohne Zukunft…

Leider blieb die Fahrt des 644 027 von Stolberg nach Eupen und zurück am 16. September 2001 bis heute die letzte durchgehende Zugfahrt auf der Strecke von Stolberg nach Raeren.

Ausfahrt des 644 027 nach Eupen:

Auch für den Güterverkehr besteht weiterhin ein Interesse am Erhalt. Die EVS erwog zeitweise, einen Steinbruch bei Breinig per Bahn zu bedienen. Zudem könnten Güterzüge auf dem Weg über Stolberg – Raeren – Eupen – Welkenraedt den Knoten Aachen umfahren. Da insbesondere in Breinig und Walheim die Wohnbebauung seit Mitte der 1990er Jahre aber immer dichter an die Strecke herangerückt ist, lösen Überlegungen zur Aufnahme eines Güterverkehrs  bei den Anwohnern regelmäßig Ablehnung und Proteste gegen solche Projekte aus. Wegen des dichten Euregiobahnverkehrs auf dem Streckenabschnitt zwischen Stolberg Hbf und dem Bf. Stolberg-Altstadt werden sich für einen Güterverkehr auf der eingleisigen Strecke ohne weitere Konflikte auszulösen kaum Fahrplantrassen finden lassen.
Die Reaktivierung der Trasse zwischen Stolberg-Altstadt und Eupen sollte geschätzte Kosten von bis zu 30 Mio. Euro verursachen. Besonders die Sanierungen der Falkenbachbrücke und des Rüst-Viaduktes wurden als große Kostenfaktoren genannt. Drastische Kürzungen der Gelder für den öffentlichen Personennahverkehr durch die Bundesregierung und das Land NRW vereitelten jedoch schon bald die optimistischen Pläne zur Reaktivierung der Strecke. Kurz nach der Werbefahrt vom 16. September 2001 ist die Falkenbachbrücke für den Zugverkehr gesperrt worden.  Dadurch wurde faktisch die Strecke zwischen Breinig und der Bundesgrenze für den Zugverkehr gesperrt.

Ende Dezember 2001 endete auch auf dem belgischen Teil der Vennbahn der touristische Verkehr. Der belgische Betreiber „Vennbahn V.o.E.“ musste wegen des schlechten Zustandes der Strecke und finanzieller Schwierigkeiten sein Angebot einstellen. Der Fahrzeugpark wurde in alle Winde zerstreut. Das einstige Prunkstück des belgischen Vennbahnvereins, die ölgefeuerte Dampflok 50 3666, fand bei der niederländischen Museumseisenbahn Veluwsche Stoomtrein Maatschappij (VSM) in Beekbergen bei Apeldoorn eine neue Heimat, wo sie heute unter der Loknummer 50 0073 im Einsatz steht. Bis heute ist die Homepage des Vennbahnvereins VoE online und gibt dem Interessierten Auskunft zu den vergangenen Aktivitäten und aktuellen Veränderungen.

Wo zuletzt die Züge der touristischen Vennbahn VoE  verkehrten, bot sich am 03. Oktober 2009 dieser Anblick.

In der modernen Lokhalle der Vennbahn ist die Firma „Rails & Traction manufacturer und after sale“ eingezogen, die das Streckengleis nach Eupen gelegentlich zur An- oder Ablieferung von Lokomotiven nutzt. Um die Halle herum hat sich ein kleiner Abstellplatz für Lokomotiven entwickelt.

Nicht alle der hier abgestellten Loks werden wieder aufgearbeitet. Für diese beiden E-Loks der SNCB-Reihe 18 scheint der Stern verloschen zu sein (Fotos vom 03. Oktober 2009).

Im Gegensatz dazu hat sich im Dunstkreis von Stolberg der Güterverkehr positiv verändert. Seit Jahren wünschte hier  die Firma „Schwermetall“ einen eigenen Gleisanschluß an die Strecke Stolberg – Raeren. Bislang erfolgte die Verladung auf Lkw in Aachen West. Seit Januar 2000  ist nun dank BSR/EVS der Bahntransport der  Kupfer-Walzplatten aus Hamburg per Bahn zumindest bis zur Rüst möglich. Seitdem erfolgt die Belieferung der Firma ‚Schwermetall‘ in Breinigerberg per Bahn bis zum Anschluß ‚Zur Mühlen‘ in der Rüst südlich von Stolberg-Altstadt, wo für die letzten Kilometer auf Lkws umgeladen wird.

Von 1979 bis Mitte 2005 verkehrten darüber hinaus werktags täglich mehrere Schotterzüge von Stolberg Hbf  bis zum Anschluss ‚Zur Mühlen‘. Hier reinigte und recycelte die Firma BSR Naturstein GmbH Altschotter, welcher anschließend in großen Mengen wieder auf die Bahn verladen wurde. Mitte 2005 endete dieser Schotterverkehr, weil die Reinigung und weitere Bearbeitung des Altschotters seitdem auf verschiedenen ungenutzten Schienenverkehrsflächen des Stolberger Hauptbahnhofs erfolgt.

Zwischen Stolberg und Breinig fand seit 2001 regelmäßig mindestens einmal jährlich  ein Sonderreiseverkehr  statt. So wurde in den vergangenen Jahren bei dem im September stattfindenden Stolberger Stadtfest stets ein zwei Tage währender Personenverkehr im Stundentakt mit Talent-Triebwagen der Euregiobahn angeboten.

Eine mögliche Verlängerung der Euregiobahn zumindest bis Breinig hat der Aachener Verkehrsverbund (AVV) allerdings unter Hinweis auf die angeblich fehlende Nachfrage und die hohen Betriebskosten bislang stets  ausgeschlossen.

Nachdem der Vennbahnradweg von Eilendorf über Brand nach Kornelimünster großen Anklang in der Bevölkerung gefunden hatte, sollte eine Verlängerung des Radweges auf der alten Vennbahntrasse von Kornelimünser nach Walheim folgen. Aus naturschutzrechtlichen Gründen gab es aber längere Verzögerungen, so dass der Weg erst um 2005 fertiggestellt werden konnte. Im Bereich von Hahn, bei der Brücke Am Knipp, kreuzt der Radweg mit einem Bahnübergang das Streckengleis von Stolberg nach Walheim und verläuft von dort aus südlich dieses Gleises bis Walheim.

Als dieses Bild am 18. April 2005 aufgenommen wurde, gab es nur die beiden Steingewölbebrücken für die Strecke Stolberg-Walheim. Wenig später wurde für den Radweg auf den Widerlagern der Eisenbahnbrücke für das Gleis nach Kornelimünster wieder eine Blechträgerbrücke errichtet.


Am 03. Juni 2005 wurde der neue Abschnitt des Vennbahnradweges von Kornelimünster nach Walheim feierlich eingeweiht. Das Foto entstand etwa am Ort des ehemaligen Haltepunktes Hahn.

In den  Jahren von 2002 bis 2008 eroberte sich die Natur das Streckenstück von Breinig bis Raeren zurück. Rasch entwickelten sich größere Büsche und dann auch einzelne Bäume auf dem Gleisbett.

Zugewachsenes Streckengleis in Hahn nahe der Straßenbrücke am „Knipp“, aufgenommen am 27. September 2008. Hier, wo sich bis etwa 1961 der Haltepunkt Hahn befand, erreicht der von Brand und Kornelimünster kommende Vennbahnradweg die Trasse und verläuft auf dem Planum des einst dreigleisigen Streckenabschnittes parallel bis zum Bahnhof Walheim.


Das verwilderte Gleis am Einfahrsignal des Bahnhofs Walheim am 27. September 2008. Auf Initiative der Eisenbahnfreunde Grenzland kam hier bis zum Bahnübergang Hahnerstraße im Jahre 2008 erstmals wieder ein Unkrautvernichtungszug (Zwei-Wege-Unimog) zum Einsatz.

Dennoch ist die Idee einer Wiederinbetriebnahme noch nicht endgültig gestorben. Trotz erheblicher Rückbauten des Bahnhofs Raeren hat die belgische Staatsbahn SNCB zwischen Oktober 2008  und März 2009 ihr Gleis bis zur Landesgrenze saniert.

Das von der SNCB bis zur belgisch-deutschen Grenze sanierte Streckengleis, am 03. Oktober 2009 an der östlichen Einfahrt des Bahnhofs Raeren aufgenommen.

Auf deutscher Seite bemüht sich seit 2008 der Verein „Eisenbahnfreunde Grenzland e.V.“ (EFG) um eine Wiederaufnahme des Schienenverkehrs.

Zum Beginn ihrer Aktivitäten hatten die „Eisenbahnfreunde Grenzland“ zunächst den Bahnhof Walheim freigeschnitten und von einem Urwald wieder zu einer ansehnlich Bahnanlage zurückverwandelt. Am 27. September 2008 bot sich dem Besucher bereits wieder dieser Anblick (oben). Östlich des Bahnübergangs Schleidener Straße dämmerte der von der EVS im Jahre 2001 angelegte Bahnsteig still vor sich hin. Der öffentliche Nahverkehr ist weiterhin ein Busverkehr… (unten)

Zwischen der Landesgrenze und dem Bahnhof Walheim hat der Verein die Strecke im Jahre 2009 bereits wieder freigeschnitten. In mühevoller Kleinarbeit haben die EFG bis zum Oktober 2009 auch das Walheimer Fahrdienstleiterstellwerk „Wf“ (ein mechanisches Stellwerk der Bauart Jüdel) schon wieder ein gutes Stück weit instand gesetzt.

Am 03. Oktober 2009 veranstalteten die EFG erstmals ein Bahnhofsfest und präsentierten der interessierten Öffentlichkeit ihr Vorhaben (oben und unten).


Schnappschuss auf dem Stellwerk „Wf“ – die Beschriftung eines Signalstellhebels am 03. Oktober 2009. Dass jemals wieder Züge nach Aachen-Rothe Erde fahren werden, ist nicht mehr zu erwarten. Aber auf das Ziel eines touristischen Zugverkehrs in Richtung Stolberg (und Raeren) arbeiten die Eisenbahnfreunde Grenzland beharrlich hin…

Schon ein Jahr später, beim zweiten Bahnhofsfest der EFG, konnte der Besucher am 10. Juli 2010 einige neue vereinseigene Fahrzeuge besichtigen.

Blickfang waren dabei gewiss der rote Klv 20 – 5010 (oben) und die Henschel-Diesellok DH 240 (Fabr.-Nr.  29197) nebst des Umbauwagens B3yg – 89 531


Zudem war das Stellwerk „Wf“ mittlerweile wieder voll funktionsfähig hergestellt worden. Neben der mechanischen Signal- und Weichenstelltechnik waren selbst die alten Telefonanlagen des Walheimer Fahrdienstleiters wieder instandgesetzt worden.

Im Jahre 2010 wurde schließlich auch der Streckenabschnitt zwischen Walheim und Breinig wieder weitgehend freigeschnitten.
Über die Wiedergeburt der Strecke zwischen Raeren und Walheim gibt es auf der Homepage der Eisenbahnfreunde Grenzland e.V. umfangreiches Material zu sehen.

Seit 2008 hat auf der Vennbahnstrecke südlich von Raeren der Rückbau der Gleisanlagen große Fortschritte gemacht. Im Herbst 2010 fand am Bf. Roetgen der offizielle erste Spatenstich für den Bau des Radweges von Aachen nach Luxemburg statt.
Ergänzend dazu hat auch die Stadt Stolberg im Herbst 2010 die Absicht verkündet, einen Radweganschluss von Stolberg in Richtung Walheim zu schaffen. Allerdings sollen dieser Radwegverbindung die Gleisanlagen zwischen Binsfeldhammer und Hahn nicht zum Opfer fallen. Um Baukosten zu sparen, wird diese Ergänzungsroute auf parallelen Feldwegen und Straßen angelegt werden.

Zwischen November 2010 und Februar 2011 wurde ein Pfeiler des Viadukts „Rüst“ saniert und erhielt dabei eine Umfassung („Kragen“) aus Beton.

Am 04. Mai 2011 fuhr erstmals seit langer Zeit wieder ein Schienenfahrzeug von Walheim über Hahn hinaus bis zum Falkenbachviadukt. Es handelte sich dabei um den im Auftrag der Firma „EVS“ eingesetzten Zweiwegeunimog der Firma Lauff, mit dem die Strecke gespritzt wurde. Zuvor hatten die „Eisenbahnfreunde Grenzland e.V.“ zwischen Breinig und Hahn das letzte Streckenstück vom üppigen Bewuchs freigeschnitten. Mit dem Einsatz des „Unkrautvernichtungszuges“ wurde ein nachhaltiger Beitrag im Kampf gegen das Zuwachsen der Strecke geleistet.


Am 04. Juni 2011 wurde der Bf. Raeren von einer Abschieds-Sonderfahrt für die blauen SNCB-Loks der Reihe 55 angefahren. Der mit den beiden Loks 5515 und 5540 bespannte Sonderzug brachte nochmals eine große Zahl von Eisenbahnfreunden nach Raeren.


Instandsetzungsarbeiten am Schrankenwärterposten 14, fotografiert am 03. Juli 2011. Beim Bahnübergang Scheidener Straße künden die rostigen Schranken allerdings davon, dass hier schon lange kein Zug mehr gefahren ist (oben und unten).

Am Wochenende vom 02. und 03. Juli veranstalteten die Eisenbahnfreunde Grenzland auf dem Bf. Walheim ihr drittes Bahnhofsfest – dieses Mal mit Fahrten für das Publikum im Bahnhofsbereich.

Reger Andrang herrschte beim vereinseigenen Skl 53 0091 der Eisenbahnfreunde Grenzland, mit dem am 02. und 03. Juli 2011 auf einem Gleis des Bf. Walheim Pendelfahrten durchgeführt wurden (oben und unten).

Eine originelle Idee für ein Fahrtenangebot der Eisenbahnfreunde Grenzland könnten auch Draisinenfahrten mit einer Bahnamts-Draisine auf der Basis des bekannten VW-Busses sein. Diese Fahrzeuge fanden beim dritten Bahnhofsfest jedenfalls großen Anklang, auch wenn sie leider noch nicht im Fahrbetrieb eingesetzt werden konnten.

Am 02. Juli 2011 konnten im Bf. Walheim die Draisinen Klv 50 2011 (links, mit DB-Emblem) und Klv 50-2010 (rechts) besichtigt werden.

Einspuren des Klv 50-2010, der den Eisenbahnfreunden Grenzland gehört.

Der im Vordergrund stehende Klv 50-2011 gehört den hessischen Eisenbahnfreunden aus Bad Nauheim, die mit ihm bereits Charterfahrten durchführen.

Am 10. Juli 2011 meldet die online-Ausgabe der Aachener Zeitung (az-web), dass zwischen Raeren und Walheim auf dem Trassenteil des ehemaligen zweiten Gleises ein rund vier Kilometer langer und 2,50 Meter breiter Fahrradweg angelegt werden soll. Der Ausbau soll im Herbst beginnen und etwa zehn Monate dauern.  Für den Fahrradweg sollen rd. 900.000 € verbaut werden. In den Kosten ist auch die Anlage eines Rastplatzes enthalten, der an der Kreuzung Schmithofer Straße/Ardennenstraße entstehen soll.


 

 

Nachsatz

Die Strecke zwischen Stolberg und Raeren kann mit ihren skurillen behelfsmäßig befahrbar gemachten Viadukten, der heute noch vielerorts ablesbaren Folge von mehrgleisigem Ausbau und politisch verordnetem Rückbau, der Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg und der Überquerung der deutsch-belgischen Staatsgrenze sowie der Kreuzung des Westwalls ein großes Spektrum der Zeitgeschichte zwischen dem deutschen Kaiserreich, zwei Weltkriegen, Gebietsverlusten, Nachkriegs-Notjahren, Wirtschaftswunder, Kaltem Krieg und dem Weg zur europäischen Vereinigung widerspiegeln.

In den wilden Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg spielten die grenznahen Bahnstationen in Walheim und Schmithof auch für den berühmt-berüchtigten Kaffeeschmuggel eine nicht unbedeutende Rolle, die den hier einstmals verkehrenden Personenzügen den Spitznamen „Mokka-Express“ einbrachte.

Aus heutiger Sicht hätte die Strecke bei ihrer Lage zu den historischen Ortskernen der Stolberger Altstadt und der Orte Breinig und Kornelimünster, den Zeugnissen der früheren Kalkindustrie und der Nähe zum dem entstehenden Vennbahn-Radweg von Aachen nach Luxemburg durchaus ein touristisches Potential. Die erhalten gebliebenen Behelfskonstruktionen an den beiden Viadukten und die deutlich sichtbare Überquerung des Westwalls sind auf dem heutigen Schienennetz einzigartig.
Leider liegt das Mittelstück der Bahnstrecke aber brach. Nur zwischen Stolberg und Breinig sowie von Eupen über Raeren bis zur Landesgrenze und wohl auch bis Walheim ist sie noch oder wieder befahrbar.

Ein großes Hemmnis für eine Wiederinbetriebnahme der Gesamtstrecke stellt der bauliche Zustand des Falkenbachviadukts dar. Aber während aus EU-Mitteln eine Millionen-schwere Förderung möglich ist, um die Reste der Vennbahn südlich von Raeren zu beseitigen und dort einen Radweg anzulegen, gibt es für die Sanierung der kurzen historisch wertvollen Gleisstrecke – und sei es nur für einen bescheidenen touristischen Verkehr – offenbar kein Geld.

Hier könnte Geschichte im Wortsinne erfahrbar gemacht werden. Noch liegen hier die historischen Gleise…..


Quo vadis Vennbahn?
(Einfahrsignal des Bf. Raeren für die Züge aus Richtung Walheim, aufgenommen am 09. März 2011)

2 Gedanken zu „2.8 1994 bis heute – der Betrieb unter der Deutschen Bahn AG und der EUREGIO Verkehrsschienennetz GmbH (EVS)“

  1. Habe mehrfach an Fahrten auf der Vennbahn (z.B mit VT 601;TEE und 50 3666)mit-
    gemacht und finde es schade,daß angeblich aus Kostengründen die „Rückbauer“
    die Oberhand behalten.Ein Fotohalt zur Narzissenblüte im Venn ist ein einmaliges
    Erlebnis.Wir sollten nicht aus „Geldnot“ abbauen was sicher ganz oder in Teilen
    erhaltenswert ist.Hier kann man mit relativ kleinen Mitteln vielen eine Freude
    bereiten.Solange es ums Militär ging war kein Gleis zu teuer-wohl aber für die
    friedliche Nutzung und zur Freude für viele.

  2. Ich finde die Idee von einer weiteren Nutzung der
    Vennbahn ganz toll! Man sollte die unglaubliche Schönheit
    der vorbeirollenden Natur, die sich mindestens unter
    anderen Museumsbahnen wie die „Millionenlinie“ beachten,
    für die ein auch grosser Aufwand getrieben wurde,
    Züge wieder fahren zu lassen.
    Leider sind die Schienen bis Kalterherberg nun endgültig
    abgebaut, aber der noch erhaltene Rest Stolberg- Breinig-Wahlheim-Raeren
    unbedingt wieder genutzt werden sollte. Für einen
    Amerikaner beispielsweise ist Monschau DAS deutsche
    Örtchen. Dieser hätte nun zumindest eine weniger komplizierte
    Anbindung an das internationale Schienennetz für seinen
    Besuch in Monschau.
    Ich wohne selbst in Roetgen und bin zutiefst von der Vennbahn
    schon als kleiner Junge von der Vennbahn fasziniert.
    Für mich wäre eine Wiederinbetriebnahme Stolberg-Raeren bzw. Eupen
    etwas ganz und gar Unglaubliches!

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