Fundstücke (zusammengestellt im Herbst 2015)

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Das erste Bild zeigt eine undatierte Ansichtskarte aus dem Verlag des Stolberger Fotografen Lütters.  Wir sehen die heutige Salmstraße im Stadtteil Stolberg-Mühle mit Blick in Richtung Eschweilerstraße/Eisenbahnstraße. Die helle Fläche auf der Straße markiert den Mühlener Markt. Bemerkenswert an diesem Bild ist die zweigleisige Ausführung der Straßenbahnstrecke (Linie 8 von Stolberg Hbf zum Kaiserplatz und zum Stolberger Markt). Hier handelt es sich nicht um eine kurze Ausweiche, sondern tatsächlich um einen längeren zweigleisigen Streckenabschnitt. Wie der Aachener Straßenbahnexperte Reiner Bimmermann erläutert, hat die damalige Aachener Kleinbahn in Stolberg in den 20er- und 30er Jahren an verschiedenen Stellen längere zweigleisige Abschnitte gebaut, um den Betriebsablauf zu verbessern. Schließlich verkehrten die Straßenbahnen hier planmäßig im 15-Minuten-Takt in beiden Richtungen. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg hat man diese zweigleisigen Abschnitte aber wieder zurück gebaut, um das Gleismaterial an anderen Stellen zu verwenden.
Auf den meisten bekannten Fotos von der Straßenbahn in Stolberg sind nur eingleisig ausgebaute Strecken zu sehen. Falls noch andere Fotos/Ansichtskarten mit zweigleisigen Streckenabschnitten bekannt sind, wäre ich deshalb für Hinweise oder auch Kopien sehr verbunden.

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Um 1957 ist diese Luftaufnahme vom Gelände der ehemaligen „KALI-Chemie“ in Stolberg-Atsch entstanden. Im unteren Bildteil erkennt man Atsch-Dreieck und die Werkswohnungen am Schnorrenfeld. Im linken Bildteil bestimmen die Würselener Straße und die Steinbachstraße das Bild. Im oberen Bildteil sind die Gleisanlagen des Stolberger Hauptbahnhofs (Bezirk V) und die von den belgischen Streitkräften genutzte Kaserne „Camp Reine Astrid“ zu sehen. „Fundstücke (zusammengestellt im Herbst 2015)“ weiterlesen

„Zugelassen für die Steilstrecke der Höllentalbahn“

Als Eisenbahnfreund erlebt man im Laufe der Jahre viele interessante Schienenfahrzeuge. Aber manche bleiben in der Erinnerung besonders haften. Und es müssen nicht nur die großen, imposanten Lokomotiven sein. Manchesmal sind es gerade die kleinen, eher unscheinbaren Gefährte, die unvergesslich bleiben.

So traf ich am 9. April 1980 bei einem Besuch des Ausbesserungswerks Nürnberg zwischen diversen Loks der damaligen Baureihen 220 und Triebwagen der Baureihen 601, 602 und 613 auf den Kleinwagen „20-5004“.

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Seite an Seite mit einstigen Stars der Bundesbahn (bspw. dem mit Gasturbine ausgerüsteten 602 004 und dem in Regelbauart verbliebenen 601 009) gab es im Ausbesserungswerk Nürnberg eine lange Reihe von ausgemusterten Draisinen verschiedener Bauarten. Neben einer Vielzahl der meist von der Firma Beilhack gebauten Kleinwagen des Typs 11 und einigen anderen Exoten fand sich…

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… Stirn an Stirn mit der Draisine 11-4195 der Kleinwagen 20-5004, der um 1955 auf der Basis des bewährten VW-Transporters T1a entwickelt und von der Firma Beilhack gebaut worden war.

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Ungewohnte Innenansicht eines VW-Transportes T 1a …

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Seitenportrait mit „eingedötschter“ Frontpartie.

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Doch der Knaller war das  Zusatzschild mit der Aufschrift „Zugelassen für die Steilstrecke der Höllentalbahn“. 😉

Seinerzeit war es mir nicht mehr möglich, diesen „Schienen-Bulli“ im Betrieb zu erleben. Aber die Eisenbahnfreunde Grenzland e.V. besitzen das Schwesterfahrzeug Klv 20-5010 und können heutzutage dieses Erlebnis bieten….

Übrigens gab es auch in Stolberg einstmals ein solches Fahrzeug: der Bahnmeisterei Stolberg war nämlich der beim Bw Düren stationierte Klv 20-5006 (Fa. Beilhack, Fabr.-Nr. 2642, Bj. 1955) zugeteilt. Der Klv 20-5006 wurde am 17. Juni 1970 ausgemustert und ist verschrottet worden.

Der von mir vor nunmehr 35 Jahren im AW Nürnberg angetroffene Klv 20-5004 ist dagegen glücklicherweise erhalten geblieben. Er befindet sich heute in der „Sammlung Eisenbahn Nebenfahrzeuge“ (SEN) in Erlensee bei Hanau.

Erinnerungen an die DDR

Am 3. Oktober 2015 ist es 25 Jahre her, dass die Deutsche Wiedervereinigung stattfand. Die DDR verschwand von der politischen Landkarte. Ein Staat, der noch heute zwiespältige Gefühle auslösen kann. In den Augen vieler Menschen ist es nur ein Unrechtsstaat gewesen. Doch wer Reisen in die DDR unternahm, konnte auch ein Land mit freundlichen Menschen erleben, das dem Besucher vieles bot, was in der Bundesrepublik schon lange verloren gegangen war. Für den Eisenbahnfreund bot die DDR bis 1988 vor allem einen eindrucksvollen Dampflokbetrieb. Vieles, was die „Spätgeborenen“ bei der Deutschen Bundesbahn nicht mehr erleben konnten, ließ sich an den Schienen der Deutschen Reichsbahn nachholen. Im Gegensatz zur Deutschen Bundesbahn, die mit einem stetigen Rückgang des Güterverkehrsaufkommens zu kämpfen hatte, bescherte die staatliche Lenkung in der sozialistischen Planwirtschaft einen Güterverkehr, der mancherorts kaum zu bewältigen war.

Im Sommer 1981 unternahm ich eine zweiwöchige Urlaubsreise ins „Reichsbahnland“. Relativ mühelos konnte ich dabei Loks der Baureihen 01, 01.5, 41, 44, 50, 50.35, 52.80, 58.30, 86, 94.5, 95, 99.15 (sächs. IV K), 99.17 (sächs. „VII K“) sowie die Loks 99 5904 und 99 6001, d.h. insgesamt 15 verschiedene Dampflokbaureihen, im Einsatz begegnen. Eine weitere Baureihe ( 57) stand kalt abgestellt gut sichtbar in einem Bahnhof, eine ausgemusterte Reko-Lok der BR 03 stand auf einem Abstellgleis. Und das Erlebnis einer weiteren Baureihe, die der ölgefeuerte 1´E 1´-Schmalspurloks der BR 99.02 der Harzer Schmalspurbahn, scheiterte alleine an der begrenzten Zeit. Blicken wir einmal zurück in diese erlebnisreiche Zeit….

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Am 20. Mai 1981 rangierte die 750mm-Schmalspurlok 99 1785 im sächsischen Bf. Cranzahl zur Rollbockgrube, um einen Güterzug für die Strecke nach Oberwiesenthal zusammenzustellen.

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Als Kontrast zur beschaulichen Schmalspurbahn gab es auf dem thüringischen Eisenbahnknotenpunkt Saalfeld die elegante ölgefeuerte Schnellzuglok 01 0522 mit ihren großen Antriebsrädern zu sehen. Vom Bahnsteig aus konnte man bei Wassernehmen zuschauen. „Erinnerungen an die DDR“ weiterlesen