Rückblick auf das Bahnjahr 2016 aus Stolberger Sicht

Die Jahreswende 2016/2017 ist ein Anlass, inne zu halten, auf die Geschehnisse des  Jahres 2016 zurückzublicken und den Blick nach vorne zu richten. Was wird das Jahr 2017 uns bringen, was streben wir an, was wird es uns in Sachen Eisenbahn bringen?

Wer heute den Stolberger Hauptbahnhof ansteuert, wird bemerken, dass ein Teilstück der Rhenaniastraße bereits neuzeitlich gestaltet wurde und der Bau des neuen P&R-Parkhauses begonnen wurde. Für die Bahnpendler hat die EVS während der Bauzeit und dem Baustellen-bedingten Wegfall der Parkflächen auf der Trassenfläche der Verbindungsbahn an der Probsteistraße eine kundenfreundliche Übergangslösung geschaffen.
Der Servicepunkt im Stolberger Hauptbahnhof kann mit seinem vielfältigen Angebot und seinen gastronomischen Qualitäten eine beständige Kundenfrequenz verzeichnen. Auch die Besucher des mittlerweile regelmäßig stattfindenden „Frühschoppen für Eisenbahnfreunde“ lassen sich an jedem dritten Sonntag im Monat hier gerne bewirten.
Der Bau des Parkhauses soll vsl. bis Juni 2017 fertiggestellt werden. Vielleicht wird auch die DB-AG im Jahre 2017 mit der Sanierung ihrer Bahnhofsanlagen (Mittelbahnsteig und Zugang) beginnen.

Der Bahnverkehr in der Region war im Jahre 2016 glücklicherweise nicht von größeren Unfällen betroffen. Kleinere Ereignisse wie umgestürzte Bäume u.ä. konnten zumeist rasch bewältigt werden.
Für das euregionale Schienennetz der EVS hat es im Laufe des Jahres 2016 viele positive Signale gegeben, die hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lassen. So soll die Elektrifizierung der Euregiobahn im neuen ÖPNV-Bedarfsplan „indisponibel vorgesehen“ sein. Allerdings stehe das Projekt (noch) unter einem Finanzierungsvorbehalt, der im Hinblick auf angestrebte Änderungen der Finanzverteilung für die Länder überwunden werden könnte. Der Sonderverkehr zwischen Stolberg-Altstadt und Breinig wurde erstmals anläßlich der „Kupferstädter Weihnachtstage“ zusätzlich an vier Adventswochenenden durchgeführt. Auch das Projekt eines regionalen Güterverteilzentrums auf Flächen des Stolberger Hauptbahnhofs erfuhr im Laufe des Jahres mehrfach politische „good-will-Erklärungen“.

Im Bereich des Güterverkehrs hat der Stolberger Hauptbahnhof insbesondere in der zweiten Jahreshälfte ein hohes Wagenaufkommen erlebt. An einzelnen Tagen wurden über 50 Waggons gezählt, die hier als Abgang Stolberg Hbf verließen. Als positive Entwicklung im Güterverkehr ist zudem der Ersatz der Loks der BR 294 durch moderne Gravita-Loks (BR 261 und 265) zu werten.
Dennoch gibt es im Güterverkehr auch schlechte Nachrichten. So ist die Firma Steil in Eschweiler-Aue wegen Betriebsschließung in der ersten Jahreshälfte als Bahnkunde weggefallen. Im Rahmen eines Konzentrationsprozesses beabsichtigt die Güterverkehrssparte der DB-AG außerdem, die Bedienung des Gleises zum ehemaligen Bf. Aachen-Nord aufzugeben und keine Frachten mehr für die Firmen „Talbot-Services GmbH“ und „Reuschling“ zu fahren. Mit der Schließung der Firma Steil in Eschweiler-Aue hat die Region Aachen zugleich wieder den Verlust eines Werklok-Betreibers hinzunehmen.

Im regionalen Bahnverkehr waren über das gesamte Jahr 2016 hinweg vor allem bei RE1-Zügen, die von Düsseldorf und Köln kommend in Richtung Aachen verkehrten, immer noch erhebliche Verspätungen zu verzeichnen. Die vsl. im März 2017 beginnenden Ausbauarbeiten für das Rhein-Ruhr-Express-Streckennetz im Bereich von Köln lassen wenig Hoffnung auf eine Verbesserung der Pünktlichkeit im Jahre 2017 aufkeimen. Wegen der Vergabe des RRX-Verkehrs an „National Express“ und „Abellio“ werden mancherorts Sorgen um die Zukunft des DB-Regio-Werks Aachen gehegt. Welche Rolle wird der Standort Aachen beim Einsatz der vsl. 82 neu zu beschaffenden RRX-Doppelstock-Triebwagenzüge künftig (u.a. für DB-Regio) noch spielen.  Zumindest soll der Betrieb der RB 33-Züge ab 2020 weiterhin von DB-Regio durchgeführt werden.
Als Angebotsverbesserung wurden zum Fahrplanwechsel ab dem 11. Dezember 2016 durch geringfügige Fahrzeitanpassungen verbesserte Anschlüsse zwischen den Euregiobahnzügen in Stolberg Hbf erreicht, die sich insbesondere für die Fahrten von und nach Alsdorf positiv auswirken.

Auch auf dem Sektor des musealen bzw. touristischen Verkehrs gab es 2016 Licht und Schatten. So sah sich die Stadt Alsdorf gezwungen, die im dortigen Tierpark stehende „Spielplatzlok“ Anna 9 von ihrem Standort zu verbannen und einem Verkauf in entfernte Gefilde zuzustimmen. Bei den „Eisenbahnfreunde Grenzland e.V.“ ist man insbesondere durch die Beschaffung von 4 „Umbau-Dreiachsern“ und einem historischen Dieseltriebwagen auf dem Weg zu einem touristischen Bahnbetrieb ein gutes Stück vorwärts gekommen. Diese Fahrzeuge müssen zwar allesamt noch mühevoll aufgearbeitet werden, aber auch dafür konnte man bei den EFG die Bedingungen spürbar verbessern.

Das Jahr 2016 konnte mit einigen denkwürdigen Jubiläen und Geburtstagen aufwarten. Herausragendes Ereignis war dabei das 175-jährige Bestehen des Schienenweges von Köln nach Aachen, das von den Medien, vielen Kommunen, Geschichtsvereinen und Verbänden gewürdigt worden ist. Bedauerlicherweise fand es bei der Deutschen Bahn AG jedoch keinen Widerhall. Diesbezügliche Bahnhofsfeste oder Sonderfahrten der DB-AG: Fehlanzeige! Als Wermutstropfen für die Jubiläumsstrecke wurde beim Beschluss des Bundesverkehrswegeplan 2030 der Bau des dritten Gleises zwischen Düren und Aachen herausgestrichen. Zum Fahrplanwechsel wurde ab dem 11. Dezember 2016 immerhin die Zahl der zwischen Frankfurt/M. und Brüssel verkehrenden ICE-Zugpaare von vier auf sechs erhöht.

Die „Euregiobahn“ konnte auf 15 erfolgreiche Betriebsjahre zurückblicken. Als “Geburtstagsgeschenk“ wurde dazu am 10. Juni 2016 der „Ringschluss“ auf der traditionsreichen Strecke von Herzogenrath über Alsdorf bis nach Stolberg Hbf offiziell vollzogen. Nach langdauernden Bau- und Sanierungsarbeiten konnte das letzte Teilstück von Eschweiler-St. Jöris über Merzbrück nach Stolberg Hbf in Betrieb genommen werden. Ab dem 12. Juni 2016 kann nun wieder die gesamten Strecke von Stolberg Hbf über Alsdorf nach Herzogenrath, die volkstümlich mittlerweile „Ringbahn“ genannt wird, im Schienenpersonenverkehr befahren werden und Fahrgästen aus Alsdorf auf kürzerem Weg im Stundentakt ein Anschluss an die RE1-Züge in Richtung Köln angeboten werden. Ein passenderes Geburtstagsgeschenk ist kaum denkbar.

Mit „großem Bahnhof“ feierte auch der Eisenbahn-Amateur-Klub Jülich (EAKJ) am Sonntag, dem 17. April 2016, im (Kultur-)Bahnhof Jülich sein 40-jähriges Bestehen. Bei einem „Tag der offenen Tür“ bot der u.a. für seine vorbildliche Jugendarbeit bekannte Verein in der ehemaligen Wartehalle und in seinen an der Gleisseite gelegenen Clubräumen viele Attraktionen.

Das Dampflokabschiedsfest der Bundesbahndirektion Köln, das am 3. und 4. April 1976 in Stolberg veranstaltet wurde und als eine der größten Veranstaltungen dieser Art seinerzeit rd. 80.000 Besucher anlockte, wurde im Rahmen eines „Frühschoppens für Eisenbahnfreunde“ nach 40 Jahren noch einmal in Erinnerung gerufen.

Was das Jahr 2017 „eisenbahnmäßig“ bringt? – Lassen wir uns überraschen…

 

 

 

 

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