Einst und Jetzt – Stolberg Hbf

Am 8. April 1974 war dieses Foto nur ein Notschuss – nach längerer Reifezeit ist es 35 Jahre später eine gute Vorlage für einen Vergleich „einst und jetzt“.

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An jenem 8. April 1974 rollte eine aus Richtung Aachen kommende 50er mit Kabinentender in den heimischen Stolberger Hauptbahnhof ein. 1974 war Stolberg Hbf noch ein bedeutender Rangierbahnhof in der Region Aachen und verfügte über ein eigenes Bahnbetriebswerk. Loks der Baureihe 50 gehörten zu dieser Zeit schon seit 33 Jahren zum Stolberger Betriebsalltag.

Die Hauptstrecke Köln-Aachen war dagegen gerade erst 8 Jahre mit elektrischer Fahrleitung ausgerüstet. Auch der im Vordergrund liegende ehemalige Rangierbezirk V war für die hier ankommenden und abgehenden Güterzüge elektrifiziert worden. Wie seinerzeit üblich, wurden dazu gewaltige Fahrleitungsmaste aufgestellt und mit Quertragwerken verbunden worden, an denen die Fahrleitungen für die einzelnen Gleise des Rangierbezirks aufgehängt wurden. Die Spannwerke künden davon, dass die Weichen und Signale mit mechanischer Technik bedient wurden. Nur bei den Gleissperrsignalen in der Ausfahrgruppe hatte die Lichtsignaltechnik bereits teilweise Einzug gehalten.

Das Waldgelände hinter den Bahnanlagen war 1974 noch Sperrgebiet, weil sich dort das Munitionslager “Propsteierwald“ und die als Logisitikbasis genutzte Kaserne „Camp Reine Astrid“ der belgischen Stationierungsstreitkräfte befanden, die übrigens auch einen eigenen Gleisanschluss an den Stolberger Hauptbahnhof hatten.

Mein Fotostandort befand sich nahe dem bis Mitte der 1980er Jahre vorhandenen Stellwerk „Sa“. Die höher gelegenen Gleise im Vordergrund gehören zu der sogenannten „Verbindungsbahn“, auf der einerseits die Reisezüge von Stolberg über Alsdorf nach Herzogenrath und andererseits Rangierfahrten zwischen den Rangierbezirken IV und V des Stolberger Hauptbahnhofs verkehrten. Seinerzeit war der freie Blick über den völlig leergefegten Rangierbezirk V sehr ungewöhnlich – zumeist wäre dieses Fotomotiv gescheitert, weil die Lok von aufgereihten Waggons verdeckt gewesen wäre.

Einen freien Blick über den Rangierbezirk V gibt es im Jahre 2009 ebenfalls. Und mit der vorbeikommenden Lok der Baureihe 294 gibt es wiederum eine Lok zu sehen, die sogar schon mehr als 33 Jahre lang zum Stolberger Betriebsalltag gehört:

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Und dennoch ist alles völlig verändert. Stolberg Hbf ist kein Rangierbahnhof mehr und hat auch sein Betriebswerk verloren. Die westliche (nicht im Bild sichtbare) Hälfte des seiner Oberleitungen beraubten ehemaligen Rangierbezirks V ist schon zur Hälfte als Gewerbefläche umgenutzt. Von den letzten Gleisresten werden nur noch zwei bis vier Gleise zur Bedienung des Gleisanschlusses einer Stahlhandelsfirma sowie gelegentlich als Ladegleise für Holz oder Schotter und selten zum Abstellen von Lokomotiven genutzt. Alle anderen Gleise sind vom Netz getrennt oder gesperrt. Die Verbindungsbahn ist abgebaut, das derzeit ungenutzte Streckengleis nach Alsdorf und Herzogenrath wurde nach Norden hin zur Hauptstrecke hin verschwenkt.

Mein ehemaliger Fotostandpunkt ist mit Bäumen und Büschen weitgehend zugewachsen. Das hinter den Bahnanlagen liegende Militärgelände wurde zur Konversionsfläche. Ein Bruchteil davon konnte zu einem Gewerbegebiet entwickelt werden, zu dessen Erschließung in den Jahren 2007/2008 mit öffentlichen Fördermitteln eine völlig überdimensionierte Brücke über die weitgehend stillgelegten Bahnanlagen geschlagen wurde. Auf dem Restareal vergammeln die ehemaligen militärischen Zweckbauten ohne Zukunftsperspektive.

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Eine Zukunftsperspektive hat allerdings die Bahnverbindung von Stolberg nach Alsdorf,  die möglicherweise schon im Jahre 2010 als sogenannte „Ringbahn“ innerhalb des vom Aachener Verkehrsverbund betriebenen „Euregiobahn“-Systems wieder mit Regionalbahnzügen befahren werden soll.

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