Keine Besserung in Sicht…

Unter der Schlagzeile „In der Region bleiben die Züge weiterhin unpünktlich“ berichteten die regionalen Tageszeitungen am 14. Juni 2013 wieder einmal über die Probleme des öffentlichen Schienenpersonennahverkehrs in Aachen und Umgebung. In ungewohnter Offenheit hatte der Geschäftsführer des AVV (Sistenich) am Abend des 12. Juni 2013 vor Politikern der Städteregion Aachen bestätigt, dass die Gleise zwischen Aachen, Köln und Düsseldorf „eine Dauerbaustelle“ sind, auf die er ständige Zugausfälle und Verspätungen zurück führt.
Gefordert wird eine Pünktlichkeit von 95% der Züge Die vom Zweckverband Nahverkehrs Rheinland (NVV) kürzlich ermittelten Kennzahlen des Missmanagements lauten demgegenüber:

RE 1 (Aachen-Düren-Köln-Düsseldorf): Pünktlichkeit „noch nicht einmal 82 %“

RE 4 (Aachen-Geilenkirchen-Erkelenz-Düsseldorf): Pünktlichkeit 91 %

RE 9 (Aachen-Düren-Köln-Siegen): Pünktlichkeit 88 %

Und bei diesen Zahlen sind noch nicht einmal jene 4% der Zugfahrten eingeflossen, die komplett ausgefallen sind.

Nach Angaben von Sistenich habe sich die Pünktlichkeit auch im ersten Quartal 2013 „nicht verbessert“.

Die „ungewohnte Offenheit“, mit der der Geschäftsführer des AVV über die Probleme des Schienennahverkehrs spricht, kann durchaus als Zeichen der Resignation interpretiert werden. Permanente Zugverspätungen und –ausfälle sind allerdings Folgen des Zusammenwirkens einer Vielzahl von Versäumnissen.

Gleisbaustellen: Vor der Bahnreform wurden im Gleisbau meist automatisierte Gleisumbauzüge eingesetzt, mit denen bis zu 500 m Gleis in einer Stunde komplett ausgewechselt werden konnten. Heute rücken Gleisbaufirmen an, die mit kleinen Baggern jede Schwelle einzeln verlegen und für Arbeitsleistungen, die zuvor an einem Wochenende bewältigt wurden, wochenlange Bauzeiten benötigen. Alleine durch diesen massiven Rückschritt bei der Arbeitsorganisation entstanden in den letzten Jahren bspw. zwischen Eilendorf und Stolberg mehrfach wochenlange Einschränkungen, wo der Zugverkehr vorher nur ein Wochenende lang gestört wurde.

Für übervolle Regionalexpresszüge steht auch der Besteller der Verkehrsleistung in der Verantwortung. Wenn wie beim RE9 mit unzutreffend geringen Kundenzahlen kalkuliert wird und in der Ausschreibung viel zu „kleine“ Züge gefordert werden, sind die Probleme hausgemacht. Dass ein aus sechs Doppelstockwagen gebildeter Zug nicht durch einen vier- bis achtteiligen Billigtriebwagen ersetzt werden kann und chronische Überfüllung und längere Zeiten für das Aus- und Einsteigen die Folgen sind, war – zumindest aus Sicht der Bahnkunden – vorhersehbar.

Verspätungen durch Türstörungen: Obwohl die Doppelstockwaggons seit 1996 (!) im Einsatz sind, ist es bis heute immer noch nicht gelungen, die ständig auftretenden Probleme beim Schließen der Türen in den Griff zu bekommen. Jede Türstörung verursacht erfahrungsgemäß mindestens rd. 5 Minuten Verspätung.

Für Verspätungen beim RE1 sorgt außerdem der überlange störanfällige Laufweg über die großen Knotenpunkte Köln, Düsseldorf und Duisburg und viele große Ruhrgebietsstädte. Da die meisten Berufspendler aus der Region Aachen den RE1 nur bis Köln benutzen, wäre ein nur zwischen Köln und Aachen pendelnder und damit wesentlich zuverlässigerer Zug die bessere Alternative.

Nachdem die örtlichen Stellwerke abgeschafft wurden und der Bahnverkehr überwiegend von Duisburg aus ferngesteuert wird, bereitet die mangelnde Bahnaufsicht zusätzliche Probleme. Streckensperrungen durch Personen im Gleis oder Störungen durch Kabeldiebe häufen sich, weil keine Eisenbahner mehr da sind, die hier kurzfristig eingreifen könnten.

Selbst bei Zugfahrten, die in Aachen beginnen, sind in letzter Zeit häufiger Verspätungen zu beobachten, die bereits bei der Abfahrt vom Ausgangsbahnhof dann schon 15 bis 20 Minuten betragen. Solche Fälle lassen auf unzureichende Rüstzeiten oder schlechte Vorarbeiten bei der Bereitstellung von Zügen schließen.

Dass nach Angaben des AVV-Geschäftsführers vor 2015 keine Besserung der Verhältnisse zu erwarten ist, passt in das Bild, dass der Bahnkunde mittlerweile von der Börsenbahn gewonnen hat…

5 Gedanken zu „Keine Besserung in Sicht…“

  1. Als ich den Bericht gelesen habe-konnte ich mir einen Kommentar nicht ersparen
    siehe hier-und dieses Vorkommniss ist nur eines von Vielen-ich bin in den letzten
    Wochen viel unterwegs gewesen-da könnte ich ein Erlebniss-Buch schreiben:
    Hier mein Kommentar:
    Wie Kommt der plötzliche Sinneswandel-immer wurde uns gesagt wie
    pünktlich der Zugverkehr in der Region ist.
    Das typische Beispiel soll die RB 20 sein-ich kann da nur Lachen.
    In den ersten Monaten des Jahres wo ich auf dieser Strecke unterwegs war
    sind sehr viele Züge unpünktlich(alle was mehr als 2min).
    Meist zwischen Langerwehe und Alsdorf.
    Aber der größte Fehler passierte das beim Haltepunkt Kellersberg über
    Lautsprecher durchgesagt wurde das auf dieser Strecke kein Zugverkehr
    stattfinde(techn. probleme) 5min vor der Durchsage fuhr ein Zug in
    Richtung Poststr.-Als ich dann zu Fuß(Bus war schon längst abgefahren)
    zum Annapark ging , sah ich von Weitem die RB 20 von Poststr. kommend
    am Annapark einfahren.
    “ Was das denn-weis die Rechte nicht was die Linke tut“
    Das kostete einigen Bahnkunden Verspätungen-vor allen Dingen die über
    Herzogenrath oder Aachen weiter mussten,
    Das zu Thema “ Pünktlichkeit-und Verlässlichkeit-“
    Ich hoffe das der Nachfolger von Herrn Sistenich-diese hausgemachten
    Probleme in den Griff bekommt.

    Übrigens gab es bis jetzt jede Menge Kommentare dazu.
    Grüße
    Manni

  2. Hallo,
    an den Linien RE1 und RB33 sollte man unbedingt was machen. Aber kurz mal zur Euregiobahn: Diese ist recht pünktlich, wenn die mal zwei Minuten Verspätung hat, dann ist das einfach keine Verspätung. Sie haben halt nur Probleme nach Heerlen. Kommt der Zug aus Heerlen zu spät, muss der nach Heerlen auf der freien Strecke bleiben. Wenn dann noch die RB33 hinterherschleicht, dann haben alle plus! Deswegen wird gerne die RB20 von Heerlen gerne ausfallen gelassen… Nun zum RE1: Wir wissen alle was er hat, Verspätung und Dauerüberfüllung. Man sollte diesen Zug nicht immer zur Seite für einen Teils unwichtigeren ICE. Der RE1 MUSS Sonderstatus bekommen, sonst bleibt das mit der Verspätung. Man sollte auch die Entlastungszüge von Aachen nach Köln öfters fahren lassen, kann man ja mit Fahrzeugen der Baureihe 425 abwickeln, die durch den 442 abgelöst wurden. Wenn man diese Fahrzeuge mit vernünftigen Sitzen ausstattet und sie zwischen RE1-RE9 pendeln lässt, dann hätte man entlastet und neben RE9 auch einen pünktlichen Zug. Die RB33 hat das Problem, das sie halt öfters hinter die Euregiobahn muss… Wenn sie durch Kohlscheid fliegt, müsste sie immer noch an der RB20 vorbei…
    MfG Daniel

  3. Hallo zusammen,

    jede Minute wo ein Zug nicht pünktlich ist, ist sicherlich nicht schön.

    Mal eine Frage in die Runde!???

    Ab wann hat denn eine RB 20 Verspätung nach den Vorgaben des AVV??

    Antwort bei 5.59!!!!

    Solange ist der Zug noch plan. Kann man jetzt sehen wie man will aber es ist ebenso.

    MFG

    Michael

    1. Hallo Michael,

      ich finde auch, dass Verspätungen von wenigen Minuten kaum der Rede wert sind. Auf der Straße kann man auch nie vor Überraschungen sicher sein.

      Bei Verspätungen ab 10 Minuten kann man dann aber schon – wie bei mir häufig – um Anschlusszüge bangen.
      Und es ist häufig auch so, dass die Berufspendler als Bahnkunden das „Wegerisiko“ tragen und die Verspätungen mit Fehlzeiten auf ihrem Gleitzeitkonto bezahlen müssen. Aus einem durch 15 Minuten Verspätung verpassten Anschluss in Köln können dann bis zur Ankunft an der Arbeitsstelle leicht einmal 30 bis 50 Minuten Verspätung an der Arbeitsstelle werden. Und da hört – für mich jedenfalls – das Verständnis langsam auf. Wenn man dann noch die Lässigkeit erlebt, wie manche Eisenbahner mit solchen Problemen umgehen („in einer Stunde kommt ja der nächste Zug…“), kommt Frust auf. Und es passiert ja nicht nur selten. Gerade beim RE1 bedeutet eine Pünktlichkeit von ~ 82 Prozent ja, dass jeder fünfte Zug unpünktlich ist!

      Ich bin übrigens schon seit Mitte der 80er Jahre als Berufspendler unterwegs und sage aus eigener Erfahrung (auch wörtlich gemeint), dass die Bahn im Laufe der Jahre immer unzuverlässiger geworden ist. Damit einhergehend sind die Schadensersatzleistungen für die gebeutelten Kunden zunehmend zurückgefahren worden.

      Es gibt übrigens auch Verkehrsbetriebe, bei denen die Messlatte für Verspätungen bei weniger als 6 Minuten liegt…

      Viele Grüße

      Roland

  4. Hallo Herr Keller,

    ich kann ihren Frust ja verstehen! Ich selber bin Lokführer und bekomme ja hautnah mit was los ist. Sicher Verspätungen sind für uns sowie für die Fahrgäste nicht schön. Problem ist aber, dass es eben Abstufungen gibt in Zugbetrieb…man wird also nie erleben, das ein RE oder eine RB vor einem ICE rausgeht.

    Das viele Lokführer einen gewissen schwarzen „Humor“ haben kann ich bedingt verstehen. Wir kriegen es oft genug ab und das soll keine Entschuldigung sein, aber was will man machen…entscheiden tuen andere wie ein Transportleitung und Co.

    Ob die Eisenbahn besser oder schlechter geworden ist, dass ist sicherlich eine persönliche Empfindung. Fakt ist, dass alles nix mehr Kosten darf!!!! Geiz ist geil!!! Sehen Sie das kommt dabei raus, wenn man die Bahn privatisiert, Volkvermögen wird veräußert und dann kommt am Ende das bei raus. Die Fahrzeuge die heute angeschafft werden, müßen den Vorgaben der Verkehrsverbünde entsprechen, es geht ja jetzt schon in die Richtung, dass diese selber Fahrzeuge anschaffen. Da man natürlich aufs Geld schaut, kommt dann sowas wie ein Talent 2 dabei raus. Dazu werden heute Bahnlinien ausgeschrieben. Herr Keller verabschieden wir uns von Leistungsgedanken…..denn der billigste Anbieter gewinnt und nicht der, der vielleicht 10 Jahre einen Topjob gemacht hat, wo wir wieder beim geiz wären.

    Ich will nicht wissen, was auf der RB 48 und dem R7 los ist…die Bahn hat die Ausschreibung verloren, sprich wo bitte soll denn da noch Arbeitseinsatz bei den Personalen vorhanden sein????

    Die böse deutsche Bahn!!! Wenn ich das höre, ich habe Privatbahnen durch und die Fahrgäste sind da mal richtig entnervt. Beispiel RE13 Gladbach – Venlo…wenn der ausfällt und das kommt mal öfters vor, dann heißt es Schienenersatzverkehr. Soll alles keine Entschuldigung sein. Was ich damit sagen will: Erst schimpft man über die Deutsche Bundesbahn (Beamtenbahn) da kommt bei vielen Deutschen der Sozialneid hoch…denn bekommen wir eine Privatisierung..so unter dem Motto: Jetzt geht es den Beamten an den Kragen und alles wird besser! Ergebnis: Eine Menge EVUs sind unterwegs, denen man besser eine Märklinbahn gegeben hätte zum spielen. Jetzt haben wir die Deutsche Bahn mit zig Geschäftsbereichen, die Geld verdienen sollen/müssen, dazu einen beispiellosen Rückbau der Infrastruktur noch in den 80er Jahren. Um hier mal in der Region die Strecke Rothe Erde -Brand- Walheim zu benennen. Die Summe von allem führt zu dem was wir als Arbeitnehmer und sie als unsere Kunden geboten bekommen. Ich weiß, dass es auch bei den Lokführer schwarze Schafe gibt aber die meisten machen ihren Job 1a.

    MFG Michael

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