Mit der Ringbahn läuft es nicht rund…

Mit der Überschrift „Euregiobahn soll größere Kreise ziehen“ und einem Foto, das einen äußerlich ziemlich heruntergekommenen Euregiobahntriebwagen am Haltepunkt Alsdorf-Poststraße zeigt, beginnt bei „an-online“ bzw. „az-web“ ein am 15. April 2013 online gestellter Bericht über die aktuelle Situation zum „Ringschluss“ zwischen Alsdorf und Stolberg. Wie dort zu lesen ist, soll der Haltepunkt Alsdorf-Poststraße bis Dezember 2014 Endstation für die Züge der Euregiobahn sein. Der Ringschluss Richtung Stolberg soll erst danach erfolgen.

Nach Aussage von Thomas Fürpeil, Geschäftsführer der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), muss erst ein vom Zweckverband „Nahverkehr Rheinland“ (NVR) in Auftrag gegebenes Gutachten (sog. „Standardisierte Bewertung“) zur Gesamt-Elektrifizierung der Euregiobahn abgewartet werden.

Anstatt das Machbare möglich zu machen und die vorhandenen Gleise für einen Einsatz der bewährten Euregiobahn-Dieseltriebwagen zu ertüchtigen, soll nun der „große Wurf“ kommen: mit der Forderung nach einer Elektrifizierung des Streckennetzes der EVS und der damit verbundenen Beschaffung neuer Fahrzeuge, mit der Aufblähung des Investitionsvolumen und einem Mehrbedarf an Fördermitteln. Ob die hochgesteckten Ziele angesichts der bekanntermaßen leeren Kassen bei Bund und Land, anderer Kostenfresser wie „Stuttgart 21“ und gesetzlich verankerter Begrenzung der Verschuldung der öffentlichen Hand erreichbar sind, mag jeder selbst beurteilen.

Meine Meinung:
Da sich die „Wissenschafts-Region“ Aachen in jüngster Zeit verstärkt bemüht, sich im Bereich Elektromobilität zu profilieren und zu positionieren, wäre es durchaus überlegenswert, ob man anstelle der Streckenelektrifizierung nicht besser die in Deutschland nahezu ein Jahrhundert lang erprobte Idee des „Speichertriebwagens“ aufgreift. Gerade in der Euregio, wo verschiedene Stromsysteme der nationalen Bahnnetze aneinandergrenzen, könnte ein Speichertriebwagen, der für seine Fahrmotoren einerseits die elektrische Fahrleitung (zumindest eines Landes) und andererseits Strom aus Akkumulatoren nutzen kann, eine zukunftsfähige Alternative sein. Gleichzeitig könnte ein von den nationalen Stromsystemen unabhängiger Triebwagen gerade im Hinblick auf den „Euregiobahn-Gedanken“ vielleicht auch neue Impulse für einen verbesserten euregionalen Schienenverkehr bieten und sich auf Relationen wie Aachen – Lüttich,  Lüttich – Visé – Maaststricht oder Aachen – (Avantis) – Kerkrade – Heerlen etablieren. Da solch ein Triebwagen seine Akkumulatoren bei Fahrten unter der Oberleitung und bei Ausrüstung mit elektrischer Nutzbremse auf verschiedenen Streckenabschnitten selbst aufladen könnte, wäre es im Gegensatz zu den Speichertriebwagen der Deutschen Bundesbahn aus den 1950er und 1960er Jahren heutzutage möglich, durch geringere Speicherkapazitäten und die Nutzung neuer Akkumulatortechnologien wesentlich leichtere Fahrzeuge zu konstruieren. Entsprechende Entwicklungsansätze sind in den 1980er Jahren gestoppt worden und warten nur auf eine zeitgemäße Weiterentwicklung. Außerdem wären heutzutage auch Ladestationen denkbar, die mit Solarzellen oder Windrädern Ladestrom erzeugen und Akkumulatoren aus erneuerbaren Energien aufladen. Durch die Entwicklung eines leicht zu handhabenden Akkuwechselsystems sollte es zudem möglich sein, gegenüber den einstigen Speichertriebwagen die Stillstandszeiten während der Ladepausen zu verringern und die Umlaufpläne zu optimieren.

Da diese Technik universal einsetzbar wäre, könnte die Euregiobahn mit diesem Modell als Innovationsführer nicht nur Fördermitteltöpfe für die Verkehrsinfrastruktur, sondern vielleicht auch aus den Bereichen Forschung und Technologie oder EU-Mittel für grenzüberschreitende Verkehrsprojekte anzapfen.

Und in der Zwischenzeit könnte man die Ringbahnlücke mit den bewährten Talent-Triebwagen befahren….

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Noch vor 30 Jahren setzte die Deutsche Bundesbahn auf den Nebenstrecken in der Region Aachen, die heute zum EVS-Netz gehören, Speichertriebwagen ein.
Auf dem Foto vom 21. August 1980 begegnete ein mit Speichertriebwagen gebildeter Zug von Aachen über Jülich nach Mönchengladbach dem auf der Strecke Stolberg – Alsdorf – Herzogenrath pendelnden Speichertriebwagen.

3 Gedanken zu „Mit der Ringbahn läuft es nicht rund…“

  1. Gedankengang Roland Kellers:

    Hallo,

    dein Wort in Gottes Ohr (Wiedereinführung der ETAs) , aber auch nur da. Denn woanders verhallt das ungehört, weil die Oberen (Partei & Industrie) nur noch auf Prestige setzen und wenns ernst wird sich hinter dem Schuldenberg verstecken.

    Man sollte erst einmal sehen, was man noch hat (Schieneninfrastruktur) und daraus das Beste machen (Reaktivierungen Ringbahn, Baal – Ratheim, Bördebahn, Stolberg – Eupen), dann kann man über ein Ausbau des Netzes (Linnich – Baal) nachdenken.

    Die Elektrifizierung sollte am Schluß stehen. Men denke einerseits daran, daß alle Nebenstrecken der Region Aachen nie Oberleitungen hatten (Lindern – Heinsberg) , weil sie nicht gebraucht wurden, berücksichtigt man andererseits die zukünftige Erdölkrise (Oil Peak), so ist dein Gedankengang mit dem ETAs nachvollziehbar, aber wegen der Autolobby nicht machbar (Stichwort: LKWs mit Oberleitung statt Transrapid). Bleibt nur auf Asien zu hoffen, da wird zur Zeit an einem Benzinersatz und anderen Dingen getüftelt. Hier ist alles erstarrt und mit Verteilungskämpfen beschäftigt. Darum dauert das mit den Reaktivierungen in der Region so lange.

    Übrigens: Ist dir aufgefallen, daß die Reaktivierungszeit von Bahnstrecken heute länger dauert als die Bauzeit von einzelnen Bahnstrecken um 18xx oder 19xx?

    Gruß

    Markus

  2. Das Thema “ Euregiobahn-Ringschluß“ hält jetzt schon seit einigen Jahren die
    Eisenbahnfreunde und vor allen dingen “ ÖPNV-Benutzer“ in Atem.
    Immer wieder was Neues-jetzt merken die das die Unterführung unter der
    Hauptstrecke Aachen Köln zu niedrig ist und ich vermute das evtl. dort ein
    sumpfiger Untergrund ist.
    Nun frage ich mich-wie planen die überhaupt.Man sollte bei Beginn der Planung
    erst mal mit “ Was haben wir“ anfangen. Ich werde den Eindruck nicht los, das da
    keine richtigen Fachleute am Werk waren.

    Eigentlich wollte ich mich an dieser unendlichen Geschichte nicht mehr beteiligen
    aber das regt mich auf diese “ Unfähigkeit“
    Ich glaube erst an einen Lückenschluß wenn die Züge rollen, vielleicht am
    sankt Nimmerleinstag 201…..

  3. Wieder einmal war heute die Euregiobahn Thema in der Aachener Zeitung. Diesmal ging es um die Reaktivierung der Strecke von Herzogenrath in Richtung Alsdorf. Es könnte sein, daß im Bahnhofsbereich Herzogenrath eine Überführung gebaut wird, die die Hauptstrecke Aachen – Mönchengladbach überspannen soll, um den Verkehr auf der Hauptstrecke nicht zu stören. Lt. Aussage von Politikern (!) wäre dies wohl von der Trassierung möglich. Ich persönlich halte diese Aussage für fragwürdig, da zum einen keine extrem hohe Zugfolge in Herzogenrath herrscht, so daß es genug Lücken für die Euregiobahn geben müßte, zum anderen finde ich, daß es doch einige Probleme mit den durch die Rampe entstehenden Maximalsteigungen geben könnte. Aber lassen wir uns überraschen was die Zeit bringt. Die Wiedereröffnung der Strecke soll im Jahr 2003 erfolgen.

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