Straßenbahnkalender 2017 von Reiner Bimmermann

Wie schon seit vielen Jahren hat der Aachener Straßenbahnexperte Reiner Bimmermann auch dieses Jahr wieder einen Kalender über die Straßenbahn in der Aachener Region herausgebracht – nicht nur für seine Kunden……. die Kalender haben ja mittlerweile schon einen gewissen „Kultstatus“

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Der Kalender für das Jahr 2017 erinnert an die Stillegung des Brander Netzes, das von dem auf dem Titelbild zu sehenden Depot aus bedient wurde. Zum Brander Netz gehörten u.a. die Linie 25 von Brand über Büsbach nach Stolberg-Markt sowie die Linie 45 von Kornelimünster nach Breinig. Der Straßenbahnkalender ist damit im Jahre 2017 auch für Stolberg-interessierte Freunde des Schienenverkehrs sehr interessant.

Die Monatsblätter zeigen folgende Motive:
Januar: Tw mit Bw auf der Linie 25 zwischen Elgerühle und Freund 1954
Februar: Kreuzung von zwei Tw der Linie 25 in der Ausweiche Elgermühle 1956
März: Tw und Bw der Linie 25 in Büsbach Markt, 1954
April: Tw der Linie 25 am Endpunkt Stolberg Markt, 1954
Mai: Tw und Bw der Linie 15 an der Haltestelle Brand Bohlen, 1957
Juni: Kreuzung von zwei Tw der Linien B/45 an der Ausweiche Steinebrück, 1955
Juli: Tw der Linie 45 an der großen Kurve am Krebsloch nahe Kornelimünster, 1955
August: Tw der Linie B an der Haltestelle Kornelimünster Markt, 1955
September: Tw der Linie W an der Engstelle von Kornelimünster, 1959
Oktober: Tw der Linie 45 am Endpunkt Bf. Breinig, 1956
November: Tw der Linie B auf der Prämienstraße in Walheim, 1955
Dezember: Tw der Linie B am Endpunkt in Sief, 1956
Solange der Vorrat reicht, können sich Interessenten bei Herrn Bimmermann einen Kalender in der St.-Pauls-Apotheke, Jakobstraße 9 in Aachen (Nähe Weihnachtsmarkt) abholen.

Die Öffnungszeiten:

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Gibt es noch Reste der Straßenbahn in der Rhenaniastraße?

Wer als Autofahrer in den letzten Jahren auf der Rhenaniastraße zum Stolberger Hauptbahnhof gefahren ist, der musste gerade im Bereich um den Bahnübergang Probsteistraße immer wieder gewaltigen Schlaglöchern ausweichen, die selbst Busfahrer auch bei vorsichtiger Fahrweise um die Unversehrtheit ihrer Fahrzeuge fürchten ließen. Am 24. und 25. Januar 2014 wurde dieser Bereich nun gründlich und hoffentlich nachhaltig repariert.

Beim täglichen Passieren der Schlaglochpiste kam mancher Eisenbahn- und Straßenbahnfreund zuweilen ins Grübeln. Ob es auf der Rhenaniastraße wohl noch Gleisreste der einstigen Straßenbahnlinie in die Stolberger Innenstadt geben mag? Wenn man an die Galmeistraße in Büsbach denkt, wo die Staßenbahngleise seinerzeit einfach nur mit Asphalt überzogen wurden und im Laufe der letzten 45 Jahre wieder zum Vorschein gekommen sind, wäre es ja denkbar, dass im Fall der Rhenaniastraße ähnlich vorgegangen worden war. Es war ein skuriles Vergnügen, immer wieder einmal nachzusehen, ob zwischen den Schlaglöchern vielleicht schon Reste der Straßenbahnstrecke durchschimmern würden. Doch wo verliefen die Straßenbahngleise eigentlich genau? Auf dem Weg vom Hauptbahnhof bis zur Einmündung Münsterbachstraße wechselte die Straßenbahnlinie schließlich auch die Straßenseite, und der Bahnübergang Probsteistraße wurde 1985/86 einige Dutzend Meter nördlich verlegt.

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Der Aachener Straßenbahnfreund Reiner Bimmermann besitzt in seiner Sammlung dieses am 03. Oktober 1959 entstandene Foto von dieser Stelle, auf dem man gut erkennen kann, wie die Straßenbahnstrecke die Straßenseite wechselt.

Bei den Reparaturarbeiten wurde am 24. Januar 2014 der zerstörte Aspahltbelag in diesem Bereich nun vollständig entfernt. Die Rhenaniastraße zeigt dort für eine kurze Zeitspanne ihr ursprüngliches Antlitz.

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Auch wenn ein Mitarbeiter der dort tätigen Straßenbaufirma Kutsch energisch und selbst unter Androhung einer (lächerlichen) polizeilichen Anzeige dagegen protestierte, mussten ein paar Fotos von dieser einmaligen Gelegenheit sein: Am rechten Straßenrand kann man anhand des etwas holprig verlegten Kopfsteinpflasters erkennen, dass man in Anbetracht der Asphaltierung der Rhenaniastraße die Straßenbahngleise entfernt hatte und den Gleiskörper bzw. künftigen Straßenuntergrund zwar bedarfsgerecht, aber nicht mehr sehr sorgfältig ausgebessert hatte…. (oben und unten).
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Seit dem Mittag des 25. Januar 2014 verbirgt die Rhenaniastraße wieder ihre Straßenbahngeheimnisse…

Aachen entscheidet sich gegen eine moderne Stadtbahn

In Aachen wurde am 10. März 2013 mit Hilfe eines Ratsbürgerentscheides über den Wiedereinstieg in einen schienengebundenen öffentlichen Nahverkehr entschieden. Unter dem Produktnamen „Campusbahn“ sollte eine mit Strom aus Fahrleitungen und Batterien betriebene Straßenbahn auf den Weg gebracht werden. Mit einem Investitionsvolumen von 240 Millionen Euro wäre die Campusbahn das bisher größte Projekt der Stadt Aachen gewesen. „Aachen entscheidet sich gegen eine moderne Stadtbahn“ weiterlesen

Erhaltene Fahrzeuge der Aachener Straßenbahn in der Umgebung von Stolberg

Von den Fahrzeugen der Aachener Straßenbahn ist in der Region Aachen nur wenig erhalten geblieben. Das heute überhaupt noch ehemalige ASEAG-Straßenbahnfahrzeuge im Original erhalten sind, ist im Wesentlichen ein Verdienst des „Förderkreises für historische Aachener Technik e.V.“ , der sich der Bewahrung der Aachener Straßenbahngeschichte verschrieben hat.

Im Betriebshof der ASEAG an der Neuköllner Straße ist im Freien der ehemalige Triebwagen 1016 aufgestellt worden. Nachdem sein planmäßiger Einsatz bei der ASEAG 1973 endete, wurde er an die Mainzer Straßenbahn verkauft. Am 17.  Dezember 1993 wurde er vom „Förderkreis für historische Aachener Technik e.V.“ nach Aachen zurückgeholt.

Im Jahre 2005 war der an der Außenseite des Betriebshofes an der Neuköllner Straße in Aachen-Hüls im Freien aufgestellte Triebwagen 1016 ein Blickfang.
Ein Bild des Triebwagens im Zustand vom 12. Juni 2005 gibt es auch  hier bei wikipedia zusehen.

Der vom „Förderkreis für historische Aachener Technik e.V.“ sichergestellte und restaurierte, im Jahre 1957 von der Aachener Firma Talbot eigens für die Aachener Straßenbahn gebaute Großraumwagen Nr. 1006 konnte in Aachen keine Heimat finden und wird deshalb im Straßenbahnmuseum Lüttich ausgestellt.
Daneben befindet sich dort auch der ehemalige ASEAG-Triebwagen 2603. Auch von ihm wird hier bei wikipedia ein Bild gezeigt.

Auch in Stolberg ist ein ehemaliges Fahrzeug der Aachener Straßenbahn zu finden. Hier gehört der einstmals von der Aachener Straßenbahn zur Unkrautvernichtung eingesetzte ehemalige Sprengwagen als Leihgabe des vom „Förderkreises für historische Aachener Technik e.V.“ zum Bestand des Industriemuseums „Zinkhütter Hof“. Allerdings ist der Waggon am Rand des Museumsgeländes nahe der Parkplatzeinfahrt an der Cockerillstraße im Freien aufgestellt und dem Vandalismus ausgesetzt. Am 27. April 2010 präsentierte das Museum „Zinkhütter Hof“ seinen Besuchern das Fahrzeug in diesem Zustand:

Eine andere Art, Fahrzeuge der Aachener Straßenbahn für die Nachwelt zu erhalten, bietet der Modellbau.


So hat der im „Förderkreis für historische Aachener Technik e.V.“ engagierte Aachener Heinz-Peter Walther in liebe- und mühevoller Arbeit aus Messing ein detailgetreues Modell des ehemaligen ASEAG-Triebwagens 6219 erschaffen, der in den 1950er Jahren auch in Stolberg auf der Linie 8 eingesetzt wurde.


In der Sammlung des Aachener Straßenbahnexperten Reiner Bimmermann  gibt es u.a. das Modell des ASEAG-Triebwagens 7105. Das Original dieses Straßenbahntriebwagens verkehrte u.a. auf der Linie 12 von Eilendorf-Markt nach Vaals und dürfte so manchen Stolberger befördert haben, der mit einem zweiachsigen Triebwagen der Linie 22 bis nach Eilendorf gefahren war und dort in einen moderneren Gelenkwagen der Linie 12 umsteigen musste.

Das ehemalige Straßenbahnnetz von Stolberg

(Bei dieser Betrachtung lasse ich die Gebietsentwicklung der Stadt Stolberg und kommunale Neugliederungen außer Acht und betrachte der Einfachheit halber das heutige Stadtgebiet. Die Bewohner der einstmals eigenständigen Ortsteile mögen es mir bitte nachsehen.)

In Stolberg hatte das Straßenbahnnetz noch Mitte der 1950er Jahre diese Ausdehnung:

Die Linienführung der auf diesen Strecken verkehrenden Straßenbahnen wechselte allerdings im Laufe der Zeit mehrfach.

1891 wurde die Strecke Stolberg Rheinischer Bahnhof – Stolberg Post – Stolberg Hammer unter der Linienbezeichnung „G“ betrieben


Aus der Zeit kurz nach der Jahrhundertwende stammt diese Postkarte, die die heutige Salmstraße in Stolberg-Mühle zeigt. Die seinerzeit hochmoderne Tram musste natürlich mit ins Bild genommen werden.

1905 wurden im sog. „Landnetz“ folgende Stolberger Linien bedient:
„G“ – Stolberg Hbf – Stolberg Markt – Vicht
„L“ – Elisenbrunnen – Eilendorf – Atsch Dreieck
„M“ – Atsch Dreieck – Eschweiler Rathaus – Nothberg – Hamich

Für den Stichtag 16. Juli 1933 werden in Stolberg folgende Linien verzeichnet:
„8“ – Stolberg Hbf – Atsch Dreieck – Stolberg Markt
„10“ – Dürwiß – Eschweiler – Nothberg – Hamich – Gressenich – Mausbach
– Vicht Dreieck (zeitweise auch als Linie 20 bezeichnet)
„15“ – Ronheide – Theater – Kaiserplatz – Eilendorf – Atsch Dreieck – Eschweiler
– Weisweiler
„18“ – Stolberg Hbf – Atsch Dreieck – Stolberg Markt – Vicht Dreieck – Zweifall
„25“ – Ronheide – Theater – Kaiserplatz – Brand – Büsbach – Stolberg Markt
„45“ – Kornelimünster – Breinig

Innerhalb des Stadtgebietes hatten die einzelnen Straßenbahnlinien in den 1950er Jahren folgenden Verlauf:

Linie 8:
Hauptbahnhof – Rhenaniastraße – Atsch-Dreieck – Eisenbahnstraße – Salmstraße – Rathausstraße – Steinweg – Burgstraße – Oberstolberg-Markt – Zweifaller Straße – Vicht-Dreieck – eigener Bahnkörper entlang der „Vicht“ bis in die Ortschaft Vicht – Eifelstraße – zwischen Vicht und Zweifall tlw. eigene Trasse, die die Straße „Münsterau“ kreuzte – in Zweifall Endhaltestelle am Ortseingang im Kreuzungsbereich Münsterau/Frackersberg/Jägersfahrt.

Die Straßenbahnlinie 8 wurde am 05. Oktober 1959 stillgelegt.


Mitte der 1950er Jahre wurde der ASEAG-Tw 6219 in Stolberg-Mühle auf der Salmstraße fotografiert.


Auch auf der Rathausstraße verliefen Straßenbahngleise. Dieses Foto entstand Mitte der 1950er Jahre an der Einmündung Rathausstraße / Schellerweg.

Linie 22:
Zwischen Bayerhaus und Atsch-Friedhof eigener Bahnkörper mit Bahnübergang im Bereich der ehem. Sandgrube, am Friedhof eigener Bahnkörper parallel und südlich zur Hammstraße – im Bereich Spinnereistraße ein rd. 300 m langer Abschnitt auf der Nordseite – nahe der Einmündung Hammstraße/Pastor-Keller-Straße erneute Überquerung der Hammstraße und eigener Bahnkörper bis Atsch-Dreieck – Rhenaniastraße – Münsterbachstraße – Eschweilerstraße.


Im Verlauf der Münsterbachstraße überquerte die Straßenbahnlinie 22 die Gleise der Strecken von StolbergHbf nach Walheim und Münsterbusch. Dieses Foto des Kreuzungspunktes entstand im September 1961.

Der Straßenbahnbetrieb auf der Linie 22 wurde als letzte Überlandstrecken der ASEAG am 6. Oktober 1969 eingestellt.

Linie 25:
Von Brand kommend entlang der Freunder Landstraße und Aachener Straße bis zum Gedautal bzw. Elgermühle, dort Abzweigung auf die Obersteinstraße bis Büsbach-Kirche, von dort aus Konrad-Adenauer-Straße bis Galmeistraße, dieser folgend bis Lehmkaulweg, diesem folgend über Finkensiefstraße – Zweifaller Straße bis Oberstolberg-Markt.

Die letzte Straßenbahn auf der Linie 25 zwischen Brand und Oberstolberg-Markt verkehrte am 08. Januar 1967


Oberstolberg-Markt war Treffpunkt der Linien 8 von Stolberg Hbf nach Zweifall und 25 von hier nach Brand. Obwohl es hier nur ein Ausweichgleis gab, herrschte – wie auf diesem Bild festgehalten – zeitweise lebhafter Betrieb.

Linie 18:
Vicht-Dreieck und von dort aus im Wesentlichen der Kurt-Schumacher-Straße und Gressenicher Straße folgend durch Mausbach und Gressenich, dort entlang der Straßen Auf der Eiche, Am Pannes und Römerstraße in Richtung Eschweiler.

Nachdem der Straßenbahnbetrieb auf dem Eschweiler Teil der Linie 18  (Eschweiler – Nothberg – Bergrath – Scherpenseel – Gressenich) schon am 22. Mai 1954 endete, fuhren die letzten Straßenbahnen auf der Stolberger Seite am 05. August 1958.

Linie 45:
Von Kornelimünster-Markt kommend fuhren die Straßenbahnen der Linie 45 durch die Korneliusstraße, vorbei am Kapellchen bis zum „Iternberg“, kurz danach abzweigend in den Venwegener Straße und dieser folgend, parallel bis zur Falkenbachbrücke bei Schlausermühle, von dort zunächst in die Straße Am Braunebusch und von dort aus auf eigenem Bahnkörper annähernd der DB-Strecke folgend bis zum Ortseingang Breinig, dort über die Stockemer Straße hinweg in den Kastanienweg, diesem entlang bis zum Bahnhof Breinig. Die Endghaltestelle der Linie 45 lag zwischen dem Bahnhofsgebäude und der Raiffeisenstraße bzw. „Auf der Heide“.

Zu einer Verlängerung dieser Straßenbahnstrecke nach Büsbach oder Vicht-Dreieck ist es nie gekommen.
Die letzte Straßenbahn zwischen Kornelimünster und Breinig verkehrte am 02.11.1957

Der Niedergang des Stolberger Straßenbahnnetzes verlief in mehreren Schritten:

22.05.1954 Linie 18    Eschweiler – Nothberg – Bergrath – Scherpenseel – Gressenich
02.11.1957
Linie 45    Kornelimünster – Breinig

05.08.1958 Linie 18   Vicht, Dreieck – Mausbach – Gressenich
05.10.1959 Linie 8     Stolberg Hbf – Atsch – Mühle – Rosental – Stolberg, Markt
05.10.1961 Linie 8      Finkensief – Binsfeldhammer – Derichsberg – Vicht Dreieck
– Junkershammer – Zweifall
08.01.1967 Linie 25   Brand – Elgermühle – Büsbach – Finkensief – Stolberg Markt
06.10.1969 Linie 22   Eilendorf, Markt – Bayerhaus – Buschmühle – Atsch – Velau
– Aue – Eschweiler, Bushof

Als eine kompakte Darstellung des Straßenbahnverkehrs in Stolberg ist dieses kleine, im Jahre 1997 erschienene Büchlein zu empfehlen:

Peter Philipp, Reiner Bimmermann,
„Mit der Elektrischen durch Stolberg“
Zur 100jährigen Geschichte des Stolberger Straßenbahnnetzes 1897 – 1997

ISBN 3-932964-05-6