Einst und jetzt am Beispiel Alsdorf

Es gibt Orte, die einen nicht mehr loslassen. Für viele Eisenbahnfreunde dürfte der Bereich um das alte Stellwerk und den Güterschuppen am Bahnhof Alsdorf solch ein Ort sein. Wo sich heute der sterile Bahnhof Alsdorf-Annapark befindet, gab es bis 1992 eine Kombination von Eisenbahn und Bergbau mit Gänsehaut-Feeling…

Am 5. Februar 2017 war ich dort wieder einmal vorbeigekommen und fotografierte den von Herzogenrath nach Stolberg Hbf fahrenden Euregiobahn-Triebwagen 643 222 (oben). In der Erinnerung verbindet sich dieser Anblick gerne mit jenem Nachmittag am 22. März 1978, als ich dort vor der Kulisse der „dampfenden Anna“ einen rasant vorbeiknatternden Schienenbus aufgenommen hatte (unten).

Ein beliebter Platz war seinerzeit auch der Güterschuppen mit seiner Verladerampe, die einen guten Blick über die Anlagen des Grubenbahnhofs geboten hatte. Heute eine verkommene Gegend mit einem Blick auf klägliche Reste des einstigen pulsierenden Herzes der Stadt Alsdorf (oben). Am 15. September 1988 entstand wenige Meter links von dieser Stelle das Foto der Diesellok 290 392 vor den gewaltigen Dampfwolken, die etwa alle 10 Minuten durch das Kokslöschen  erzeugt wurden (unten).
Am 2. Mai 1980 konnte der Eisenbahnfreund dort die Grubenbahnlok „Anna 8“ und die Bundesbahnlok 290 306 antreffen, die sich beide vor schweren Zügen abplagen mussten.

Vom 6. Mai 1980 stammt die Aufnahme dieser Betriebsszene mit der Diesellok 290 164, dem nach Herzogenrath sausenden Akkutriebwagen 515 578 und den beiden Grubenbahnloks „Anna 2“ (links) und „Anna 8“ (rechts).

Man kann die Erinnerung bewahren und durch Fotos wachhalten. Aber man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Wie es einmal war, so wird es nicht wieder sein. So kann man es auch verschmerzen, wenn mit dem Abtransport der Lok „Anna 9“ wieder ein Stück Alsdorfer Kulturgut verschwindet oder im fluffigen Energeticon die Grubenbahnlok „Anna 8“ mehr schlecht als recht die Zeit überdauert und sich die Räder plattsteht. Sie sind ohnehin nur noch Aschereste einer verloschenen Zeit. Fossile einer abgeschlossenen industriellen Epoche, die gar nicht mehr widerspiegeln können, was einmal ihre Arbeitswelt war. Die Stätten, an denen Generationen von Menschen tausendfach schwer geschuftet haben und durch die die Stadt groß geworden ist, waren es nicht wert, erhalten zu werden. Sie fanden zuletzt kaum mehr Wertschätzung. Ein Trend, der bis heute anhält. Kohlekraftwerke und Kohlebergbau ganz allgemein sind heute schon regelrecht verpönt und in der Politik „Schmuddelkinder“, mit denen keiner mehr spielen will….

10. Juni 2016 – offizielle Eröffnung des letzten Bauabschnittes der Strecke Stolberg – Alsdorf – Herzogenrath

2016_06_10_Stolberg_Zuglaufschild_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_x1_F
Am 10. Juni 2016 wurde der „Ringschluss“ auf der traditionsreichen Strecke von Herzogenrath über Alsdorf bis nach Stolberg Hbf vollzogen. Nach langdauernden Bau- und Sanierungsarbeiten konnte das letzte Teilstück von Eschweiler-St. Jöris über Merzbrück nach Stolberg in Betrieb genommen werden. Damit kann ab dem 12. Juni 2016 wieder auf der gesamten Strecke von Stolberg Hbf über Alsdorf nach Herzogenrath, die volkstümlich mittlerweile „Ringbahn“ genannt wird, der Schienenpersonenverkehr aufgenommen werden. Nachdem die Deutsche Bundesbahn auf der 1870 eröffneten Strecke am 28. Dezember 1984 den Reisezugverkehr eingestellt hatte, bekommt diese eingleisige Nebenstrecke nun ein zweites Leben geschenkt und kann sich wieder zu einem wichtigen Verkehrsträger im Nordteil der Städteregion Aachen entwickeln.

2016_06_10_bei_Stolberg_Lehmsiefen_643720_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_x1_F 643 220/720 hatte die Ehre, dieses sieben Kilometer lange Stück als Eröffnungssonderzug zu befahren. Mit der Zielanzeige „RB 20 Stolberg Hbf“ passierte er hier das Trogbauwerk im Bereich Lehmsiefen, bevor er wenig später auf dem Stolberger Hauptbahnhof eintrifft.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_643720_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_bei_Ankunft_x2_FNach der Ankunft trafen sich auf dem Bahnsteig an dem speziell für die Züge in Richtung Alsdorf und Herzogenrath angelegten Gleis 44 langjährige und aktuelle Wegbegleiter aus Politik und Verbänden, aus Ministerien und Wirtschaft sowie einige Berufseisenbahner und eine Gruppe von Eisenbahnfreunden aus der Region. Auf dem Bahnhofsvorplatz, vor der Betriebszentrale der EVS im Stolberger Hauptbahnhof, war eigens für diesen Anlass ein Festzeit aufgebaut worden. Auch der Bahnsteig war für die Ankunft des Eröffnungszuges geschmückt worden (oben und unten).
2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_643720_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_mit_Festzelt_x3_F
2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_im_Festzelt_BM_Gruettemeier_x5_FDr. Tim Grüttemeier, Stolbergs Bürgermeister, beleuchtete die Schritte zum Ausbau der Euregiobahn und erinnerte an den erzwungenen Wechsel von Komplettfinanzierung auf Salami-Taktik. Er blickte aber auch in die Zukunft und den bevorstehenden Bau eines Parkhauses sowie die Aufwertung des Hauptbahnhof-Umfeldes.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_im_Festzelt_MinDir_Paulsberg_x6_FKarin Paulsmeyer, Ministerialdirigentin im NRW-Verkehrsministerium, zeigte sich beeindruckt von der Erfolgsgeschichte der „Euregiobahn“ und der von der EVS geschaffenen Infrastruktur.
In der späteren Podiumsdiskussion erklärte sie, die Elektrifizierung der Euregiobahn sei im neuen ÖPNV-Bedarfsplan „indisponibel vorgesehen“. Allerdings stehe das Projekt unter einem Finanzierungsvorbehalt. Im Hinblick auf angestrebte Änderungen der Finanzverteilung für die Länder sei nun die Bundesregierung am Zuge. NRW erhofft sich davon mehr Zuschüsse, die dann auch der Euregiobahn zu Gute kommen sollen.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_im_Festzelt_Talkrunde_x7_FEVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil berichtete, die EVS habe seit Beginn 110 Millionen Euro in den Ausbau der Eisenbahn-Infrastruktur investiert, 80 Millionen davon stammen von der öffentlichen Hand.

Christian Hartrampf, bei der EVS als Geschäftsführer für die technische Seite zuständig, schilderte, dass allein für den „Betontrog“ im Bereich Lehmsiefen 4500 Kubikmeter Beton und 500 Tonnen Stahl verbaut werden mussten.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_Pressefoto_x8_FDas offizielle Pressefoto mit den Menschen, die jüngst zum erfolgreichen Abschluss des letzten Bauabschnittes im Besonderen und zur Erfolgsgeschichte der Euregiobahn „im Allgemeinen“ beigetragen haben.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_643720_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_x4_FWährend im Festzelt gefeiert wurde, sonnte sich der „Eröffnungs-Triebwagen“ 643 220/720 auf Gleis 44 am geschmückten Bahnsteig (oben und unten). Mittlerweile hatten Eisenbahner die Zielanzeige in „Sonderfahrt“ umgeändert.
2016_06_10_Stolberg_Hbf_Eroeffnungszug_BA9_643720_x11_F
2016_06_10_Stolberg_Hbf_643720_u_643212_x10_FNatürlich lief der Alltagsbetrieb auf dem Stolberger Hauptbahnhof weiter. So konnte bspw. die Begegnung des „Sonderfahrt-Talents“ 643 220 (links) mit dem nach Düren ausfahrenden 643 212 (rechts) fotografiert werden.

Beim Ausklang der Festveranstaltung hatte man für die Abreise der Gäste drei Fahrten von Stolberg Hbf über Eschweiler-St. Jöris nach Herzogenrath vorgesehen. So verließ 643 220 den Stolberger Hauptbahnhof als erster dieser Zusatzzüge (mit dem Ziel Aachen Hbf) und wurde durch das Gespann aus 643 209 und 643 216 ersetzt, das von Gleis 44 aus das zweite Angebot für die Rückfahrt bildete.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl43_u_44_643709_u_643_li_u_643_re_x15_FVor der Abfahrt ergab sich eine Begegnung von 643 209 und 643 216 mit 261 025, die den Anschluss der Firma Kerschgens bedient hatte.

2016_06_10_Mitfahrt_in_643716_Stolberg_Hbf_Gl44_Ausfahrt_Hp1_x18_FAuch für Eisenbahnfreunde ergab sich die Gelegenheit, bei dieser wenig ausgelasteten Fahrt die neue Strecke erstmalig zu befahren. Beim Blick über die Schulter der Lokführers hinweg ergab sich die Möglichkeit, auch einmal die Sicht der Lokführer im Bild festzuhalten. Hier zunächst „freie Fahrt“ für den neuen Streckenabschnitt…

2016_06_10_Mitfahrt_in_643716_bei_Stolberg_Lehmsiefen_x19_F… die trockene Durchfahrung des Feuchtgebietes am Lehmsiefen und die aufwendige Unterquerung der Strecke Köln – Aachen …

2016_06_10_Mitfahrt_in_643716_ehem_Abzw_Quinx_x19_F… an der ehemaligen Abzweigung Quinx. Die Grünfläche links vom Gleis ist die Trasse der Strecke nach Würselen und Kohlscheid …

2016_06_10_Mitfahrt_in_643716_Merzbrueck_x20_F… die Passage am Flugplatz Merzbrück mit dem Bahnübergang der Bundesstraße 264. Eine elektrische Fahrleitung würde hier den Flugbetrieb beeinträchtigen, die Silos und Lagergebäude der Landwarenhandelsfirma offenbar jedoch nicht …

2016_06_10_Mitfahrt_in_643709_bei_Stolberg_Lehmsiefen_x21_F… und in der Gegenrichtung nochmals das Trogbauwerk an der Unterquerung der Strecke Köln – Aachen …

2016_06_10_Mitfahrt_in_643709_Einfahrt_Stolberg_Hbf_Gl44_x22_F.. schließlich noch die Einfahrt in den Stolberger Hauptbahnhof zum Bahnsteiggleis 44.

Es hat Freude gemacht, die offizielle Inbetriebnahme des Streckenabschnittes von Eschweiler-St. Jöris nach Stolberg Hbf mitzuerleben. Eine Strecke, die für die Eisenbahn in Stolberg die Anbindung an die Städte im Nordteil der Städteregion deutlich verbessert, ist in zeitgemäßer Form wiederbelebt worden.
Der Euregioverkehrsschienennetz GmbH (EVS) gebührt Anerkennung für das geschaffene Werk und Dank für die gelungene Festveranstaltung. Möge die neue Verbindung viele Bahnkunden zum Mitfahren anregen und lebhafte Nachfrage finden!

Auch wenn es „Jammern auf hohem Niveau“ ist, sei aus Sicht des geschichtsbewussten Eisenbahnfreundes und langjährigen Eisenbahnfotografen ein kleiner Kritikpunkt angemerkt: Da erst die offizielle Inbetriebnahme des 9. Bauabschnittes auch die Nutzung der Gesamtstrecke ermöglicht und sie gleichzeitig auch erhebliche Auswirkungen auf den Gesamtbetrieb und das Fahrplangefüge der Euregiobahn hat, hätte dem offiziellen Eröffnungssonderzug ein Hinweisschild auf die Bedeutung dieses Ereignisses und ein wenig Schmuck gut zu Gesicht gestanden. Der „Lückenschluss“ auf der Ringbahnstrecke hat gewiss eine andere Bedeutung und Außenwirkung als etwa die Inbetriebnahme des Abschnittes von Alsdorf-Poststraße nach Eschweiler-St. Jöris. Bei späterer Betrachtung der Bilder von diesem denkwürdigen Tag sieht man eigentlich nur einen x-beliebigen Euregiobahn-Triebwagen.
Nachdem man schon die prächtigen Zuglaufschilder aus Blech aufgelegt hatte, wäre es doch sicher ein Leichtes gewesen, eine „Folienversion“ davon auch am Sonderzug anzubringen...

 

Eisenbahnfotos eines jungen Berufspendlers aus dem August 1980

Zum 1. August 1980 begann mein Berufsleben mit einem Ausbildungsplatz in Köln. Für den täglichen Weg zur Arbeit vertraute ich mich der Deutschen Bundesbahn an – der Beginn einer langen Beziehung als Berufspendler, die bis 1994 von Zuverlässigkeit, Reisekultur und zahlreichen angenehmen Erlebnissen geprägt war. „Früher war alles besser“ – ein Satz, dem ich in Bezug auf die Deutsche Bundesbahn uneingeschränkt zustimme. Gewiss hat die Bundesbahn auch ihre Schattenseiten gehabt. Umfangreiche Stillegungen von Nebenstrecken und eine Stagnation im Angebot der Fahrzeuge für den Nahverkehr gehörten in der Region Aachen und auf der Strecke Köln – Aachen lange Jahre zum Alltag. Aber selbst die damals weit verbreiteten „Silberlinge“, die heute noch als Waggons der Bauart „n“ im Einsatz sind, boten bspw. in Bezug auf die Beinfreiheit, die Gepäckablagemöglichkeiten, die Zuverlässigkeit von Türmechanismen oder der Möglichkeit zur pragmatischen „Klimatisierung“ (einfach das Fenster öffnen!) mehr Fahrkomfort als der Fahrzeugpark, mit dem heutzutage Menschen transportiert werden. Und es gab einfach mehr Eisenbahner, die sich an ihren jeweiligen Dienstposten mit ihrem umfassenden Verständnis vom System Eisenbahn, mit Kompetenz und Engagement um den störungsfreien und flüssigen Betriebsablauf und den zuverlässigen Service für die Fahrgäste gekümmert haben. Vergangene Zeiten…..

Hier zeige ich einmal einige meiner ersten Fotos, die ich Mitte August 1980 als Berufspendler während meiner Wege zur Arbeit aufgenommen hatte:

1980_08_11_StolbergHbf_112496_x26F3_F
Am 11. August 1980, irgendwann zwischen 6 und 7 Uhr am Morgen, rollt 112 496 mit einem Eilzug aus Aachen in Stolberg Hbf ein. Der Zug wird mich an diesem Tag bis nach Köln-Deutz bringen.

1980_08_11_Bf_Dueren_111128_x2F3_F
Aus dem geöffneten Abteilfenster heraus entstand in Düren das Foto der noch recht neuen 111 128, die für den künftigen Einsatz auf der S-Bahn Rhein-Ruhr in den damaligen Produktfarben ausgeliefert worden war. Weil viele Loks der BR 111 zum Start des S-Bahn-Betriebes aber nicht direkt benötigt wurden, setzte man sie vorübergehend im gewöhnlichen Reisezugverkehr ein.
111 128 steht hier auf den Mittelgleisen des Bf. Düren vor einem Nahverkehrszug in Richtung Köln. Vor der Aufnahme des S-Bahn-Betriebes zwischen Köln und Düren ergänzten solche Zusatzzüge das Zugangebot zwischen Köln und Aachen.

1980_08_11_Bf_Dueren_515xxx_u_815xxx_x3F4_F
Ebenfalls aus dem Zug heraus entstand im Bf. Düren das Foto eines aus Jülich kommenden Akkutriebwagenverbandes. Der im Hintergrund sichtbare Waggon gehörte heute zum Fahrzeugbestand der Eisenbahnfreunde Grenzland e.V. .

1980_08_11_Bf_Dueren_515544_imHg_110316_x4F3_F
Auf der Heimfahrt hatte ich am 11. August 1980 den Zug in Düren verlassen, um das dortige Geschehen näher zu erkunden. Hier wurden 515 544 und 110 316 auf der Nordseite des Bf. Düren im Bild festgehalten. Während 515 544 aus Jülich kommend am Hausbahnsteig anhält, ist 110 316 mit einem Leerzug abgestellt.

1980_08_11_Bf_Dueren_Ladestation_815734_u_515562_x5F3_F
Der Bf. Düren war 1980 ein Schwerpunkt im Einsatz der Akkutriebwagen des Bw Düren. So gab es auf dem Bahnhofsgelände mehrere Ladestationen, an denen die Batterien der Triebwagen in Pausenzeiten nachgeladen werden konnten. Der hier fotografierte Zug aus 815 734 und 515 562 steht zwar vor einer Ladestation. Die geschlossenen Batterieklappen im Bodenbereich lassen aber erkennen, dass dieser Triebwagen hier lediglich von Eisenbahnern des Bw Düren neben der Ladestation bereitgestellt und im Bild gerade vom Zugpersonal für den nächsten Einsatz übernommen wurde.

1980_08_11_Bf_Dueren_110272_Schaustellerwagen_imHg_x6F3_F
Aus Richtung Köln kommend wurde 110 272 am Nachmittag des 11. August 1980 vor einem Zug nach Aachen fotografiert. Zu Zeiten des Berufsverkehrs konnten die Züge auf der damaligen Kursbuchstrecke 440 durchaus 6 bis 8 Silberlinge aufweisen. Der im Hintergrund sichtbare Güterzug ist mit der Ausrüstung von Schaustellern beladen, die wahrscheinlich nach dem Ende der Annakirmes gerade wieder Düren verlassen.

1980_08_11_Bf_Dueren_211052_li_u_211085_re_x7F3_F
Auf der Strecke von Düren über Bedburg und Neuss nach Düsseldorf wurden die Reisezüge ebenfalls überwiegend aus „Silberlingen“ gebildet und mit einer Lok der BR V 100 bespannt. Am Nachmittag des 11. August 1980 hatte ich das Glück, vor einem solchen Zug die beiden Loks 211 052 (links) und  211 085 fotografieren zu können.

1980_08_12_StolbergHbf_150137_u_140646_x1F3_F
Loks der BR 150 waren in Stolberg Hbf  selten anzutreffen. Als ich am 12. August 1980 aus Köln nach Hause gekommen war, stand in der E-Lok-Abstellgruppe jedoch die 150 137. Zusammen mit 140 646 wurde sie natürlich sofort abgelichtet (oben und unten).
1980_08_12_StolbergHbf_150137_u_140646_x2F3_F

1980_08_15_StolbergHbf_StwSt_110157_x1F3_F
Wenn ich auf dem Weg zur Ausbildungsstelle den Fotoapparat mitgenommen hatte, fuhr ich an manchen Tagen nach der Rückkehr aus Köln nicht gleich nach Hause, sondern verweilte noch einige Zeit auf dem Stolberger Hauptbahnhof. Am 15. August 1980 entstand dabei das Foto von 110 157, die mit einem Zug nach Aachen durch Stolberg Hbf kam. Damals ein völlig alltägliches Eisenbahnfoto….

 

Gleisbauarbeiten im Jahre 1980

Seit je her ist die Unterhaltung des Fahrweges für den Eisenbahnbetrieb von großer Bedeutung. So gehörten auch die Bahnmeistereien bis zur Bahnreform im Jahre 1994 zu den traditionsreichsten Dienststellen im Organisationsgefüge der staatlichen deutschen Bahnen. Die Mitarbeiter der Bahnmeistereien waren mit den Eigenheiten der Bahnstrecken in ihrem Zuständigkeitsbereich bestens vertraut und konnten anstehende Baumaßnahmen sorgfältig und vorausschauend planen. Für größere Baumaßnahmen konnten sie auf die Dienste verschiedener spezialisierter Baudienststellen (Gleisbauhöfe, Eisenbahnkräne, Gleisbauzüge und Spezialmaschinen) zurückgreifen.

Im Jahre 1980 fanden zwischen Eschweiler Hbf und dem Bf. Langerwehe umfangreiche Gleiserneuerungsarbeiten statt, die ich fotografiert habe. Ein großer Teil der Arbeiten wurde zwar auch nachts durchgeführt und war damit fotografisch für mich nicht abbildbar. Tagsüber habe ich den Bauarbeiten aber mehrmals zugesehen.  Wie es damals dort zuging, mögen die nachstehenden Fotos beschreiben:

1980_08_23_Nothberg_211088Bauzugeinsatz_x5F3_F
Bei Hücheln war am 23. August 1980 die seinerzeit im Bw Düren stationierte 211 088 vor einem Schotterzug im Einsatz. (Zwischen den Griffstangen erkennt man an der rechten Lokseite im Hintergrund den Turm der Nothberger Kirche.)

1980_08_23_Nothberg_211088Bauzugeinsatz_110354Falschfahrt_x6F3_F
Da während der Gleisbauarbeiten ein eingleisiger Fahrbetrieb auf der Hauptstrecke Köln – Aachen aufrecht erhalten wurde, konnte man mit den im Bauzugdienst eingesetzten Loks Szenen wie diese Begegnung mit der als Falschfahrt in Richtung Köln vorbeikommenden 110 354 aufnehmen.

1980_08_23_bei_Nothberg_110147_Gleisbauarbeiten_x33a_F4_F
In Höhe des Nothberger Friedhofes wurde die von Köln in Richtung Aachen fahrende 110 147 beim Passieren der Baustelle aufgenommen.

1980_08_23_bei_Nothberg_140_ExprG_Gleisbauarbeiten_x32_F3_F
Am östlichen Ortsrand von Nothberg stehend gelang mir dieses Bild mit einem von einer Lok der BR 140 geführten Expreßgutzug, der die Gleisbaustelle passiert.

1980_08_23_Nothberg_Posten16_Ausschnitt1_x4F7_F
Bei Hücheln gab es 1980 noch den Schrankenwärterposten 16. Dort entstand am 23. August 1980 dieses Foto.
Zu diesem Foto hatte ich gefragt, ob ein Leser weiß, welche Arbeiten hier gerade ausgeführt wurden bzw. welche Maschine hier im Einsatz war. Marco Blaumann hat dazu weiterhelfen können und die Erklärung gefunden: mit diesem Gerät kann die Lage von neu verlegten Gleisen ausgerichtet werden. Dieses  Gerät kann die Stempel nach unten herausfahren und hebt somit das  gesamte Gleis mit Schwellen an und kann anschließend die Stempel  horizontal (also zur Seite) bewegen, um so das Gleis nach rechts oder  links zu verschieben. Eine detaillierte Beschreibung des Gerätes ist auf dieser Homepage zu finden: http://www.altenbekener-eisenbahnfreunde.de/Eggetunnel/Gleisbau/gleisbau.html .
Ich bedanke mich für die kompetente Hilfe und Aufklärung zu diesem Foto!

1980_08_23_zw_Nothberg_u_Weisweiler_Gleisbauarbeiten_x29_F4_F
Aus einem anderen Blickwinkel entstand am Posten 16 dieses Foto. Wegen des eingleisigen Fahrbetriebes ist selbstverständlich auch ein Sicherungsposten im Einsatz. Und die Kinder aus der Umgebung beobachten die Bauarbeiten natürlich mit großem Interesse. Ob eines von ihnen später wohl im Gleisbau tätig geworden ist?

1980_08_23_Nothberg_Posten16_x4F9_F
Baustellenatmosphäre am Posten 16 bei Hücheln, ebenfalls am 23. August 1980 im Bild festgehalten (oben und unten).
1980_08_23_Nothberg_Posten16_x3F4_F

Am 7. September 1980 war ich wieder mit dem Fotoapparat an der Gleisbaustelle zwischen Nothberg und Langerwehe:

1980_09_07_bei_Nothberg_Bettungsreinigungsmaschine_imHg_290164_Bauzug_x2F5_F
Mit Hilfe dieser Maschine wurde das Schotterbett durchgearbeitet. Der an den Gleisen angeschüttete neue Gleisschotter wurde in das Gleisbett eingebaut, während gleichzeitig der alte Schotter gereinigt wurde. Das aussortierte Material wurde neben dem Gleis abgelegt, wo es später aufgenommen und abtransportiert wurde.

1980_09_07_bei_Nothberg_Bettungsreinigungsmaschine_x3F3_F
Die Arbeitsweise der Gleisbaumaschine musste natürlich auch im Detail abgelichtet werden (oben und unten).
1980_09_07_bei_Nothberg_Bettungsreinigungsmaschine_x4F3_F

1980_09_07_bei_Nothberg_Bettungsreinigungsmaschine_x5F4_F
Mit dem Einverständnis der Gleisbauarbeiter konnte die Schotterreinigung auch einmal von dieser Perspektive aus fotografiert werden.

1980_09_07_bei_Nothberg_Bettungsreinigungsmaschine_imHg_290164_Bauzug_x2F4_F
Hinter der Bettungsreinigungsmaschine folgte auf dem Baugleis die vom Bw Düren für die Bauarbeiten bereitgestellte 290 164 mit einem Schotterzug (oben und unten).
1980_09_07_bei_Nothberg_290164_Bauzug_x1F3_F

1980_09_07_bei_Nothberg_Bettungsreinigungsmaschine_290164_110366_x6F4_F
Auch am 7. September 1980 bot sich bei dem selbstverständlich aufrechterhaltenen eingleisigen Fahrbetrieb wieder die Möglichkeit, interessante Begegnungen festzuhalten. Mit einem Zug in Richtung Aachen wurde bspw. die formschöne 110 366 fotografiert.

1980_09_07_bei_Nothberg_290164_Bauzug_110114_x7F2_F
Hier war es 110 114, die mit einem Zug in Richtung Köln die Gleisbaustelle passierte.

1980_09_07_bei_Nothberg_Gleisbauarbeiter_BR110_x5F3_F
Unbeeindruckt von der vorbeifahrenden E-Lok der BR 110 gingen diese Bahnmitarbeiter ihren Kontroll- und Vermessungsarbeiten am neuverlegten und eingeschotterten Gleis nach.

Wie Gleisbauarbeiten heutzutage durchgeführt werden, kann der interessierte Leser derzeit zwischen Aachen und Düren an mehreren Stellen beobachten, so etwa im Bereich des Bf. Aachen-Rothe Erde, zwischen Stolberg Hbf und Eschweiler Hbf sowie westlich von Düren. Im Jahre 2015 wurde die einstmals wichtige Strecke zwischen Köln und Aachen wegen der Bauarbeiten allerdings aber sechs Wochen lang vollständig gesperrt, so dass Zugbegegnungen wie 1980 nicht mehr zu fotografieren sind.

 

Schienenersatzverkehr wegen Gleiserneuerungsarbeiten – ein Erfahrungsbericht

Am 3.7.2015 habe ich den Weg von Stolberg Hbf nach Düren mit dem „Schienenersatzverkehr wegen Gleiserneuerungsarbeiten“ (SEV) einmal ausprobiert. Üblicherweise benutze ich als Berufspendler den RE 10111, der Stolberg Hbf von Gleis 2 aus um 6:00 Uhr in Richtung Köln und Hamm verlässt und den Bf. Düren um 6:17 Uhr erreicht. Köln Hbf erreicht der RE 10111 gewöhnlich zwischen 6:42 und 6:48 Uhr.

Die Bahnfahrt am 3.7.2015 war demgegenüber „sonderfahrplanmäßig“. Auf dem Bahnsteig am Gleis 43 des Stolberger Hauptbahnhofs traf man nur rd. 10 Fahrgäste an. Die meisten der sonst rd. 40 auf den RE 10111 wartenden bekannten Gesichter fehlten.

2015_07_03_StolbergHbf_643204_x1_F
Um 6:57 Uhr rollte 643 204 auf dem Bahnsteiggleis 43 in den Stolberger Hauptbahnhof ein. Wegen des richtig eingeschätzten geringen Fahrgastaufkommens sollte ein Talent-Triebwagen für diese Fahrt vollkommen ausreichend sein.

Die schwach besetzte Euregiobahn RB 29007 aus Aachen, die nur aus einem Triebwagen der BR 643.2 bestand, traf pünktlich am Gleis 43 in Stolberg Hbf ein, fuhr um 5:59 Uhr ab nach Langerwehe und traf störungsfrei um 6:13 Uhr am Bf. Eschweiler-Weisweiler ein, wo fast zeitgleich auch die aus zwei Triebwagen gebildete RB 29000 nach Aachen Hbf kreuzte. An den Zwischenstationen war nur sehr geringes Fahrgastaufkommen gewesen, so dass die Euregiobahn insgesamt nur zur Hälfte besetzt war. Am Bf. Eschweiler-Weisweiler standen für die wenigen Fahrgäste mit Zielen in Richtung Düren und Köln schon zwei Gelenkbusse der SEV-Linie B nach Düren bereit, von denen aber nur einer gebraucht wurde – und auch der war nur halb voll.

2015_07_03_BfEschweiler_Weisweiler_643204_SEVBusse_x2_F
Eschweiler-Weisweiler als temporärer Umsteigebahnhof: Hier mussten die Fahrgäste auf dem Weg nach Düren in einen der beiden bereitstehenden Gelenkbusse der SEV-Linie B umsteigen.

Von Eschweiler-Weisweiler aus begann die Busfahrt um 6:21 Uhr (planmäßig war die Abfahrt für 6:18 Uhr vorgesehen). Sie führte dann dem umständlichen Verlauf der Umgehungsstraße folgend am Kraftwerk Weisweiler vorbei zur Autobahnauffahrt Weisweiler. Ältere Fahrgäste wissen noch, dass man in Weisweiler vom Frankenplatz aus auf ausgesprochen kurzem Weg zur Autobahnauffahrt gelangen konnte. Der Linienbus fuhr in gemächlichem Tempo vorschriftsmäßig auf der Autobahn bis zur Abfahrt Düren und von dort über die B 56 nach Düren und zum Dürener Busbahnhof, wo die Busfahrt gegen 6:38 Uhr endete. Der dortige kostenpflichtige Pendlerparkplatz auf der Nordseite des Bahnhofs hatte übrigens zu dieser Zeit auch noch etwa 10 freie Plätze zu bieten. Der SEV-Bus aus Weisweiler traf damit passend für die Weiterfahrt mit dem RE9 (10951) mit der Abfahrt 6:45 Uhr nach Köln und Hennef ein, auch das Umsteigen klappte gut. Am gleichen Bahnsteig stand außerdem noch einer der „Verstärker-RE1-Züge“ mit den alten Waggons aus den 60er Jahren, der als RE 10171 um 6:59 Uhr mit Fahrtziel Köln und Düsseldorf abfuhr. Insgesamt hat es also rd. 20 Minuten länger gedauert, um von Stolberg nach Düren zu gelangen. Dies heißt gleichzeitig aber auch: man benötigt mehr als die doppelte Fahrzeit als normalerweise üblich. Durch die Pufferzeiten für den Anschlusszug erfordert der Ersatzverkehr für Reisende in Richtung Köln faktisch sogar rd. 30 Minuten mehr Fahrzeit. Bei regulärem Fahrbetrieb dauert eine Fahrt zwischen Stolberg und Köln demgegenüber nur rd. 42 bis 45 Minuten.

2015_07_03_beiDueren_BABAusfahrt_Mitfahrt_im_SEVBus_x5_F
Blick aus einem nur schwach besetzten SEV-Bus auf die Autobahnausfahrt Düren. Der mit höchstens 80 km/h fahrende Bus wurde zwar von allen PKWs und LKWs überholt, aber die Fahrt verlief zügig und sicher. Fahrten mit einem Linienbus über die Autobahn gibt es soo häufig auch nicht zu erleben…

Für Notfälle ist der Schienenersatzverkehr wegen Gleiserneuerungsarbeiten  möglicherweise annehmbar. Für den täglichen Weg nach Köln zur Arbeit, zur Schule oder zur Universität ist er jedoch kaum vertretbar.

Als leidgeplagter Bahnpendler zwischen Stolberg und Bonn hat der Autor es vorgezogen, sich für die Zeit der Bauarbeiten als zuverlässige Alternative eine Fahrgemeinschaft zu suchen. So konnten die Wege zur Arbeit und zurück bereits vier mal staufrei, wesentlich komfortabler als in den engen Regionalzügen und in einer wesentlich kürzeren Fahrzeit (nur ~60 Minuten auf der Straße gegenüber rd. 90 Minuten auf der Schiene) zurückgelegt werden.

Fazit: Mit der Sperrung der Strecke zwischen Aachen und Düren bietet die Deutsche Bahn AG zwangsläufig Gelegenheit, Alternativen zum öffentlichen Personennahverkehr zu suchen und im Alltagsbetrieb auszuprobieren. Als Berufspendler erhält man reale Vergleichsmöglichkeiten und kann für sich selbst entscheiden, ob man der Bahn treu bleiben möchte.

Die Fahrgemeinschaft als baustellenbedingte Ausweichmöglichkeit hat sich für mich insgesamt – und nicht nur von den Zeiten her – als eindeutig vorteilhafter erwiesen. Für die Nutzung der Bahn auf dem Weg zur Arbeit spricht somit eigentlich nur noch der günstigere Fahrpreis.

Die Bahnkunden hatten im Jahre 2015 durch mehrere Streikaktionen, die völlig überraschende Betriebseinstellung wegen eines Unwettters und die jetzige Streckensperrung mehrfach Gelegenheit zu lernen: die Bahn ist längst kein zuverlässiges Verkehrsmittel mehr und es gibt Alternativen zur Bahn!

Eigentlich muss man sich die hinter den Erwartungen zurückbleibenden Leistungen von DB-Regio NRW zwischen Aachen und Köln nicht mehr antun…