Frisches Kupfer für die alte Kupferstadt

Im Gegensatz zu vielen anderen Bahnhöfen und Städten der Region Aachen hat sich Stolberg noch einen relativ beachtlichen Schienengüterverkehr bewahrt. Bis heute wird beispielsweise der Gleisanschluss der Stahlhandelsfirma Kerschgens in Stolberg-Atsch, unmittelbar am Rand des Stolberger Hauptbahnhofs, regelmäßig bedient. Nahezu täglich werden dort mehrere Waggons zugestellt oder abgeholt. Auf dem Gelände des Stolberger Hauptbahnhofs betreibt außerdem die Bahnschotter-Recyclingfirma “BSR” seit 2005 ihre Recyclinganlagen und ist ebenfalls nahezu täglich Empfänger oder Versender großer Mengen von Bahnschotter. Da die Firma “BSR” sehr häufig mit sog. “Ganzzügen” umgeht, nutzt sie gleich mehrere Bahnhofsgleise. Bekannt und häufig zu sehen sind daneben die Erzzüge zum Gleisanschluss der Berzelius-Bleihütte in Binsfeldhammer. Die Erztransport werden von der Rurtalbahn gefahren und finden in einer Art Programmverkehr statt, der auch Bedienfahrten an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen vorsieht.

Obwohl sich die Stadt Stolberg nach außen gerne mit dem Titel “Kupferstadt” schmückt, sind die Kupfertransporte zur Firma Schwermetall, die von Stolberg Hbf mit Loks der BR 294 von DB Schenker bis zum Anschluss Zur Mühlen in Stolberg-Rüst gefahren werden, wenig bekannt. Vielleicht liegt es daran, dass die Übergabefahrten auf der Stolberger Talbahn meist in den frühen Morgenstunden stattfinden. Dort, auf dem Gelände des ehemaligen Kalkwerkes, werden die Kupferblöcke auf LKW umgeladen und auf der Straße über Vicht-Dreieck nach Breinigerberg transportiert. Der Eisenbahnfreund Luca Oberstaller, dem ich an dieser Stelle herzlich dafür danke, hat mir aus seiner Fotosammlung einige interessante Motive zur Verfügung gestellt, die zeigen, wie die Kupferblöcke nach Stolberg gelangen.

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Am 10. Juni 2014 wurden in dem von Köln Kalk Nord nach Stolberg verkehrenden Güterzug 54654 unter anderem 10 sechsachsige Schwerlastwaggons, die jeweils mit 3 bis 4 Kupferblöcken beladen waren, in die Kupferstadt transportiert. Diese Wagen der Gattung Samms haben ein Leergewicht von ca. 30 Tonnen. Das Ladungsgewicht der Wagen betrug pro Wagen zwischen 60 und 70 Tonnen, wodurch jeder Wagen ein Gesamtgewicht von knapp 100 Tonnen hatte. Das obere Bild zeigt die für das Fahrtziel “Stolberg Gbf” bestimmten Schwerlastwaggons noch auf dem Güterbahnhof Köln-Kalk-Nord, das untere Bild entstand bei der Ankunft der Fracht auf dem Stolberger Hauptbahnhof.
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Am 10. Juni 2014 hatte die moderne E-Lok 152 025 die Aufgabe, den Güterzug 54654 mit seiner kostbaren Fracht von Köln Kalk Nord nach Stolberg zu fahren.

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Am trüben 14. Februar 2014  musste sich die Oldtimer-Lok 140 501 plagen, sieben mit Kupferblöcken beladene Schwerlastwaggons als Zug 54650 nach Stolberg Hbf zu bringen.

Stolberg Hbf – St. Jöris – Alsdorf zu Bundesbahnzeiten…

Zum Fahrplanwechsel am 15. Juni 2014 wird die Euregiobahn (RB 20) über Alsdorf-Poststraße hinaus bis Eschweiler-St. Jöris verlängert. Falls der Zugbetrieb an diesem Sonntag aufgenommen werden sollte, dann wird der erste fahrplanmäßige Zug aus Alsdorf kommend um 7:36 Uhr am neuen Bahnhof in St. Jöris eintreffen und um 7:51 Uhr von dort wieder abfahren.
In St. Jöris wurde in den letzten Monaten ein zweigleisiger Ausweichbahnhof mit einem Mittelbahnsteig errichtet, der wahrscheinlich erst im Zusammenhang mit der Fertigstellung der letzten Lücke auf dem Weg nach Stolberg, d.h. der Verlängerung über Merzbrück bis zum Stolberger Hauptbahnhof, seine volle Funktion entfalten wird. Zwischen 4:51 Uhr und 23:51 Uhr werden künftig an Werktagen im Stundentakt Euregiobahn-Triebwagen über Alsdorf und Herzogenrath sowie Aachen und Stolberg bis nach Langerwehe fahren. Die sanierte Strecke und das neue Verkehrsangebot im Stundentakt sind sicherlich ein Mobilitätsgewinn und eine Bereicherung im Leben der Menschen entlang der Euregiobahn.
Dennoch lohnt es sich, bei dieser Gelegenheit einmal zurück zu blicken und den Bahnbetrieb der Deutschen Bundesbahn in den 1980er Jahren anzuschauen….

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Beginnen wir die Reise am Gleis 99 des Stolberger Hauptbahnhofs, das zu den Zeiten der Deutschen Bundesbahn das übliche Bahnsteiggleis  für Züge nach Herzogenrath war. Am 03. Juli 1981 empfing dort der Akku-Triebwagen 515 602 die Fahrgäste in Richtung St. Jöris, Hoengen-Begau, Mariadorf, Mariagrube, Alsdorf, Merkstein und Herzogenrath. Für die Deutsche Bundesbahn war Elektro-Mobilität etwas völlig alltägliches… „Stolberg Hbf – St. Jöris – Alsdorf zu Bundesbahnzeiten…“ weiterlesen

Jugenderinnerungen – Stolbergs Eisenbahn vor 40 Jahren

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Dampflokatmosphäre im Bw Stolberg! – Bei einem Besuch des Bw Stolberg am 08. April 1974 gelang mir mit gerade einmal 13 1/2 Jahren dieser Schnappschuss. 1974 waren solche Szenen leicht einzufangen. Es waren einfach Fotomotive vom alltäglichen Bahnbetrieb. Man musste sie nur mit der Kamera einfangen…

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Wenn gerade nichts anderes zur Hand war, wurden Rangierarbeiten im Bw Stolberg anno 1974 einfach mit einer der reichlich vorhandenen Loks der BR 50 erledigt. Hier zieht 051 530 (rechts) die kalte 052 549 aus dem Lokschuppen.

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Nah bei der Lokleitung stehend, wurde dieses Foto aufgenommen. Rechts steht 051 530. Weil es so vieles zu sehen gab, wurde die Nummer der Lok auf der Drehscheibe nicht aufgeschrieben.

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Den bei einem Bombenangriff zerstörten  und nicht wiederaufgebauten Teil des Ringlokschuppens mit 6 offenen Lokständen nannten die Stolberger Eisenbahner betriebsintern “Freiheit”.

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1974 wurden im Bw Stolberg neben den Rangierloks der Baureihen 260 und 261 regelmäßig auch Loks der BR 215 abgestellt. Der Kontrast zwischen moderner Diesellok und nostalgischer Dampflok war aber kein sehr beliebtes Fotomotiv. Am liebsten wurde “Dampflok pur” fotografiert.

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Szene vom Betriebsalltag – der Blick geht von der Freiheit in Richtung Lokleitung. Im Hintergrund ist außerdem ein Abdrücksignal des Ablaufberges im Rangierbezirk IV zu sehen.

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Immer wieder schön – Drehscheibe, Ringlokschuppen, die strahlenförmig angeordneten Lokstände und reichlich Betrieb im Bw…

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Die Eisenbahner im Bahnbetriebswerk waren von angenehmer Wesensart. Sie ließen auch den jungen Eisenbahnfreund gewähren, beantworteten geduldig viele Fragen, gewährten gerne interessante Einblicke in die Bahntechnik und freuten sich, wenn man Interesse an ihrer Tätigkeit hatte…

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Nicht selten bot sich auch Gelegenheit, auf einer rangierenden V60 mitzufahren. Besonders am Bahnübergang Steinbachstraße ergab sich leicht eine Gelegenheit, sein Ansinnen an den Lokführer heranzutragen. Bei einer solchen Tour entstand im Rangierbezirk V auch dieses Erinnerungsfoto vom jugendlichen Treiben. Die Deutsche Bundesbahn der 70er Jahre war ausgesprochen jugendfreundlich!

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Von der Rangierlok aus konnte man natürlich auch Fotomotive aufnehmen, die sonst nicht erreichbar waren. Nahe des Stellwerks “Sif” wurde so die Stolberger 051 302 eingefangen.

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Dampfloks konnte man 1974 auch auf allen Strecken rund um Stolberg fotografieren. Bei einer Fahrradtour in den Würselener Stadtwald entstand am 04. Mai 1974 das Foto der aus Richtung Alsdorf kommenden Stolberger 051 530, die am Bahnübergang Trockenbuschweg dem jugendlichen Fotografen begegnete.

Fundstücke aus Stolberger Fotoalben: Einst am Bahnhof Stolberg-Hammer

In so manchem Fotoalbum finden sich Fotos, die das unmittelbare Wohnumfeld von Stolbergern zeigen. Häufig wurden solche Fotos zunächst nur aufgenommen, um einen Regenbogen, den ersten Schnee oder andere bemerkenswerte Abwechslungen im Alltagsleben im Bild festzuhalten. Manch einer wollte auch nur noch rasch einen Film füllen, den man nach einer Urlaubsreise oder nach einer Familienfeier schnell zur Entwicklung bringen wollte. Mitunter können solche scheinbar belanglosen Fotos Jahrzehnte später aber höchst interessant sein.

So oder ähnlich könnte es gewesen sein, als jemand, der in der Brauereistraße wohnte, aus seinem Wohnungsfenster heraus den Bahnhof Stolberg-Hammer fotografierte:

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Das dabei entstandene Foto von der Straßenseite des einstigen Bahnhofsgebäudes zeigt eine nur selten zu sehende Perspektive mit wenig bekannten Details und lädt zum ausgiebigen Betrachten ein.

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Aber auch der Blick auf die nördliche Bahnhofsausfahrt und das Gelände der Ketschenburg-Brauerei ist nicht minder interessant.

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Leider ist nicht überliefert, wann die Fotos aufgenommen worden sind. Der Bergfried der Stolberger Burg erhielt seine Turmhaube um 1955, so dass das Foto schon vorher aufgenommen worden sein muss. Markant ist auch der Turm der Pfarrkirche St. Luzia, der noch nicht seine “Zwiebelform” hat. Aber wann wurde das Kirchturmdach umgebaut? Markante Details im Bild sind auch die “Schlagkarren” vor dem Haus an der Mauer der Ketschenburg-Brauerei und der scheinbar bereits luftbereifte LKW-Anhänger auf der Ladestraße (rechts am Bildrand). Vielleicht gelingt es mit Ihrer Hilfe, die Entstehungszeit der beiden Fotos herauszufinden…

Ich bin für alle Hinweise dankbar => mail@eisenbahn-stolberg.de

Zwischenzeitlich erhielt ich unter Bezug aus diese Quelle: http://www.stolbergtouristik.de/city_info/webaccessibility/index.cfm?region_id=363&waid=134&item_id=857592&oldrecord=84280&oldmodul=5&olddesign=0&oldkeyword=0&oldeps=20&oldaz=all&oldcat=0&fsize=1&contrast=0  den Hinweis, dass das Dach des Kirchturms von St. Luzia in den frühen 1950er Jahren umgebaut wurde und seine heutige Form erhielt.

Bemerkenswert sind auch die beiden Ausfahrsignale bei der Ketschenburg-Brauerei. Das rechte der beiden Signale, das Gruppenausfahrsignal, zeigt die Bauform der preußischen Staatsbahn mit im Signalflügel liegender Blende für das rote oder grüne Licht. Der Gittermast des Signal scheint außerdem noch kein rot-weißes Mastschild zu besitzen. Das linke Signal entspricht demgegenüber der Ausführung der Deutschen Reichsbahn, wie sie ab Mitte der 1920er Jahre verwendet wurde.

Die Eisenbahn in Stolberg vor 40 Jahren – Erinnerungen an den Anfang des Jahr 1974

1974 war die Güterzugstrecke von Stolberg Hbf zum Bahnhof Münsterbusch noch in Betrieb. Zum Bahnbetrieb der Deutschen Bundesbahn gehörte damals wie selbstverständlich die Instandhaltung der Bahnanlagen sowieder Wege und Gräben neben den Bahnstrecken. So war es am 08. Januar 1974 eine von der Bahnmeisterei Stolberg eingelegte Zugfahrt, die ich als eines der ersten Motive mit meinem ersten eigenen Fotoapparat aufnahm…

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Der Lokführer der 052 692 hüllte seine Lok in Dampfschwaden, um dem Fotografen ein interessantes Motiv zu bieten. Heute würde sich der Lokführer vermutlich hinter Dampfschwaden verstecken, um der Kamera des Eisenbahnfreundes zu entgehen.

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Mithilfe eines Baggers, den man auf einen Niederbordwagen verladen hatte, wurde nahe des Bahnübergangs Buschstraße vom Zug aus Schottermaterial zur Ausbesserung des neben der Bahnstrecke verlaufenden Weges verteilt.

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Im Jahre 1974 war die hohe Schwermetallbelastung von großen Teilen des Stolberger Stadtgebietes ein viel diskutiertes, brisantes Thema. Als einer der ersten Schritte auf dem Weg zur Sanierung der von der Heinrichshütte hinterlassenen Schlackenhalden waren die Haldenflächen im Kohlbusch Mitte Februar 1974 mit Stacheldraht hermetisch eingezäunt worden. Beim Bahnübergang Buschstraße bot sich am 12. Februar 1974 dieser Blick vom Kohlbusch in Richtung Atsch mit den Gleisen der ansteigenden Güterzugstrecke.

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Auf der 1:40-Steigung von der Spitzkehre zum Bahnhof Münsterbusch wurden die Güterzüge bergauf gedrückt. Am 12. Februar 1974 faszinierte mich dort das lautstarke Spektakel der schwer arbeitenden Stolberger Dampflok 051 791 und spornte zu einem Foto an.

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Während einer Rangierpause auf dem Bahnhof Münsterbusch glänzte die 051 791 im hellen Licht der tiefstehenden Nachmittagssonne. Selbst mit einem Schwarzweißfilm ließ sich die Stimmung und der Zauber dieses Moments gut einfangen.

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Am nächsten Tag war ich mit meinem Fotoapparat wieder dabei, als der Güterzug nach Münsterbusch in den dortigen Bahnhof gedrückt wurde. Am 13. Februar 1974 war dabei die Stolberger Dampflok 050 806 im Einsatz.

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Am Nachmittag des 09. März 1974 war ich mit meinem Fotoapparat zum Bahnhof Stolberg-Hammer gegangen. Neben dem dortigen Bahnhofsgebäude stehend fotografierte ich hinüber zum Gleisanschluss der Firma Mäurer&Wirtz, wo seinerzeit noch firmeneigene Kesselwaggons zu sehen waren.

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Mit einem weiteren Bild hielt ich den Blick auf die südliche Bahnhofsausfahrt in Richtung Walheim fest. 1974 gab es dort u.a. noch das kurze Ladegleis zum ehemaligen Güter- und Expressgutschuppen des Bf. Stolberg-Hammer. Im Hintergrund kann man rechts in der Böschung zudem das Stellwerk „Shs“  schwach erkennen.