Eröffnung des Euregiobahnbetriebes am 09./10. Juni 2001


644 026 bei einer der ersten  Schnupperfahrten am 09. Juni 2001 vor dem Empfangsgebäude des Stolberger Hauptbahnhofs.

Am Wochenende 09. und 10. Juni 2001 wurde in der Region Aachen ein bedeutendes Stück Eisenbahngeschichte geschrieben. Die „Euregiobahn“ feierte die Eröffnung ihrer ersten Strecke! Mit dem Wechsel zum Sommerfahrplan verkehrte die Euregiobahn ab dem 10. Juni 2001 planmäßig von Heerlen über Herzogenrath, Kohlscheid und Aachen nach Stolberg Altstadt. Zugleich wurde damit der Streckenabschnitt von Stolberg Hbf nach Stolberg-Altstadt nach 40 Jahren wieder für den Reisezugverkehr reaktiviert.

Auf dem Weg zur Euregiobahn mussten sowohl bei der Eisenbahninfrastruktur als auch bei der Konzeption des Schienenverkehrs in der Aachener Region neue Wege beschritten werden.


Zu den „Geburtsvorbereitungen“ der Euregiobahn darf man auch diese Werbefahrt mit dem Prototyp des neu entwickelten Talent-Triebwagens zählen, die im Oktober 1996 von Stolberg Hbf zum Bahnhof  Stolberg-Hammer (heute: Stolberg-Altstadt) führte (oben und unten).

Die „Euregiobahn“ ist ein grenzüberschreitendes „euregionales“ Nahverkehrssystem, das vom Aachener Verkehrsverbund in Kooperation mit der niederländischen Region Zuid-Limburg initiiert wurde. Sie nutzt die Eisenbahninfrastruktur der DB-AG und der Nederlandse Spoorwegen sowie der EUREGIO Verkehrsschienennetz GmbH (EVS). Die EVS ist dabei das Infrastrukturunternehmen für die nicht mehr von DB Netz betriebenen Zweigstrecken. Die EVS wurde 1999 von der BSR Naturstein-Aufbereitungs-GmbH gegründet und hat ihren Sitz in Stolberg.


Ein unerkannt gebliebener Talent-Triebwagen bei einer der ersten fahrplanmäßigen Euregiobahnfahrten auf der grundsanierten Talbahnstrecke am Nachmittag des 10. Jui 2001,  fotografiert von der Brücke Schellerweg mit Blick zum neuen Haltepunkt Stolberg-Rathaus (im Hintergrund). Neu ist auch das markante,  links vom Gleis aufgestellte Einfahrvorsignal des Bahnhofs Stolberg-Altstadt.

Zur Realisierung der Euregiobahn wurde am 1. September 1999 zunächst der „Rahmenvertrag zur Sicherung von Schienenstrecken in der Region Aachen und zur Neuordnung der Regionalbahn im AVV“ abgeschlossen. Mit einem aus sieben Einzelverträgen bestehenden und am 22. September 2000 unterzeichneten Vertragwerk ist anschließend die Übernahme des Nebenstreckennetzes in der Region Aachen von der Deutschen Bahn AG, der Betrieb und die stufenweise Weiterentwicklung des Euregiobahn-Projektes geregelt worden.

Zwischen Januar und Juni 2001 wurde die Talbahn-Strecke zwischen Stolberg Hbf und dem neuen Endpunkt Stolberg-Altstadt grundsaniert. Innerhalb weniger Monate wurden die Gleise, Bahnübergänge und Signalanlagen komplett saniert und die Indebrücke im Schnorrenfeld sowie eine weitere Bachbrücke nahe der Münsterbachstraße durch einen Neubau ersetzt.


Mit der Euregiobahn erlebte auch der „Mühlener Bahnhof“  in zeitgemäßer Form eine Wiedergeburt.  Zwar ist er nur ein Haltepunkt, gleichzeitig wurde dort aber ein Rendezvouspunkt für den Busverkehr angelegt. So wurde der geschichtsträchtige Ort zum zentralen Verkehrsknotenpunkt des öffentlichen Personennahverkehrs in Stolberg. Am 21. September 2001, als der Euregiobahnbetrieb schon alltäglich war, entstand dieses Foto mit einem Talent-Triebwagen der BR 644.

Entlang der Talbahnstrecken wurden in einem einheitlichen Standard die neuen Haltepunkte Stolberg-Schneidmühle, Stolberg-Mühlener Bahnhof und Stolberg-Rathaus errichtet, die allesamt über hochliegende, überdachte Bahnsteige mit behindertengerechten Zugängen und Fahrkartenautomaten verfügen. Mit der Wiederaufnahme des Reisezugverkehrs auf der Stolberger Talbahn erhielt der Bahnhof Stolberg-Hammer den neuen Namen Stolberg-Altstadt. Der neue Bahnsteig wurde dort wegen der verkehrsgünstigeren und stadtnäheren Lage auf der Ostseite, also gegenüber des 1979 abgerissenen Empfangsgebäudes errichtet.


Nur 20 Tage nach der Eröffnung des Euregiobahnbetriebs startete bereits der erste Talent-Triebwagen zu Sonderfahrten nach Breinig. Anläßlich der Stolberger Stadtkirmes wurde am 30. Juni und 01. Juli 2001 zwei Tage lang ein Pendelverkehr im Stundentakt zwischen den Bahnhöfen Stolberg-Altstadt und Breinig eingerichtet. Hier wartete 644 024 vor der Kulisse der Kirmesfahrgeschäfte auf den Abfahrtsauftrag.

Die Euregiobahn wurde von den Fahrgästen angenommen und zeigte ein stetiges Wachstum. Das Konzept erwies sich als Erfolgsgeschichte. Als zweite Ausbaustufe ging am 10. September 2004 die Eschweiler Talbahn von Stolberg Hauptbahnhof über die neugebauten Haltepunkte Eschweiler-West, Eschweiler Talbahnhof/Raiffeisen-Platz, Eschweiler-Nothberg bis Eschweiler-Weisweiler in Betrieb. Schon am 11. Dezember 2004 folgte die Erweiterung von Herzogenrath über Herzogenrath Alt-Merkstein bis Herzogenrath August-Schmidt-Platz. Im Dezember 2005 wurde dieser Streckenast über Alsdorf-Busch bis Alsdorf-Annapark verlängert. Sogar eine Neubaustrecke gibt es: am 14. Juni 2009 wurde die neue EVS-Strecke Eschweiler-Weisweiler–Langerwehe eröffnet und in das Euregiobahnnetz integriert. Seit Dezember 2009 erreichen die Euregiobahnzüge auch den Dürener Hbf und haben Anschluss an die S-Bahn nach Köln.


Einer der vier für den Euregiobahneinsatz mit Klebefolien ins Euregiobahn-Design versetzten dreiteiligen Talent-Triebwagen am Vormittag der 09. Juni 2001 bei der Ausfahrt aus dem Stolberger Hauptbahnhof in Richtung Stolberg-Altstadt.

Zur Durchführung des Fahrbetriebes entschied man sich für Fahrzeuge aus der Produktion der Aachener Firma Talbot (die zwischenzeitlich allerdings von der Firma Bombardier Transportation übernommen worden war). Dort hatte man schon 1996 den neuen Leichtbautriebwagen Talent (= „TAlbot LEichter Nahverkehrs [auch: Niederflur] Triebzug“) entwickelt, der von der Deutschen Bahn AG bereits erfolgreich in der Region Köln eingesetzt wurde.

Zum Betriebsstart der Euregiobahn wurden von der DB Regio Rheinland Standort Köln die vier Triebfahrzeuge 644 016, 024, 027, 044 ausgeliehen, die für ihren Einsatz auf der Euregiobahn eigens mit Klebefolien im blau-weiß-roten Euregiobahn-Design beklebt wurden. Als Ersatz für den in einen Unfall verwickelten 644 024 kam zeitweise auch 644 058 – ohne Euregiobahndesign, aber mit VRS-Logo – zum Einsatz. Bei den Talenten der BR 644 handelt es sich um die dreiteilige, diesel-elektrische und 120 km/h schnelle Fahrzeugversion.


Euregiobahn-Kreuzung im Stolberger Hauptbahnhof,
aufgenommen im Juli 2001

Die Euregiobahnzüge verkehrten anfangs zwischen Stolberg-Altstadt und Aachen Hbf im 30-Minuten-Takt und im 60-Minuten-Takt nach Heerlen.

Seit April 2003 verfügte die Euregiobahn über eigene, neugebaute zweiteilige Talent-Fahrzeuge der Baureihe 643.2, die eher dem Bedarf des Aachener Netzes entsprechen. Sie sind mit auch in den Niederlanden nutzbarer Technik versehen. Für die Euregiobahn wurden bislang die 26 Fahrzeuge 643 201 bis 226 ausgeliefert. Sie haben einen diesel-mechanischen Antrieb, verfügen über 96 Sitzplätze ( davon 18 Klappsitze) und 110 Stehplätze. Ihre Höchstgeschwindigkeit beträgt 110 km/h.

Die euregiobahn-typische Flügelung in Stolberg Hbf wurde erst mit der zweiten Stufe des Euregiobahnsystems ab dem 10. September 2004 eingeführt. Dabei werden in Stolberg Hbf die beiden Triebfahrzeuge für die Fahrten nach Stolberg-Altstadt bzw. Weisweiler getrennt bzw. zusammengekuppelt.


Als es auf dem Stolberger Hauptbahnhof noch eine Dieseltankstelle gab, waren dort auch immer wieder Talent-Triebwagen der Euregiobahn zu beobachten. Am 30. August 2001 wurde dort 644 044 im Bild festgehalten.

Die Eröffnung des Euregiobahnbetriebes wurde am Wochenende 09./10. Juni 2001 mit einem großen Eisenbahnfest gefeiert. Für die Bevölkerung fanden am 09. Juni 2001 Schnupperfahrten mit den dreiteiligen Talent-Triebwagen statt, bei denen man kostenlos die Gesamtstrecke befahren und das neue Nahverkehrsangebot kennen lernen konnte.


Am 26. Juli 2001  sauste  der blitzblank-glänzende 644 044 durch das eher triste, von Industrie und Arbeitersiedlung geprägte  Schnorrenfeld in Stolberg.

Weitere Informationen rund um die Euregiobahn und ihre Erfolgsgeschichte gibt es hier zu sehen:

Link: http://www.euregiobahn-aachen.de/ (private seite)

Link: http://www.dieeuregiobahn.de (offizielle Seite)



10 Jahre später:
Die zweiteiligen Talent-Triebwagen der BR 643.2 haben sich im Alltagsbetrieb bewährt und sichern einen zuverlässigen Fahrbetrieb der Euregiobahn in der gesamten Euregio. Der Stolberger Hauptbahnhof entwickelt sich dank der Euregiobahn wieder zu einem Knotenpunkt des Reisezugverkehrs. Links vom abgebildeten Triebwagen kann man den 2009 neu errichteten Bahnsteig an Gleis 27 erkennen. Mittlerweile hat die EVS auch das Stolberger Bahnhofsgebäude erworben und saniert es, um dort die künftige Betriebsleitstelle für die gesamte Region Aachen einzurichten (Foto vom 12. Juni 2011).

 

Als besondere Attraktion wurden bei dem Eisenbahnfest am 09. und 10. Juni 2001  Dampfloksonderfahrten angeboten. Dabei verkehrte die seinerzeit zum Eisenbahnmuseum im oberbergischen Dieringhausen gehörende Lok 50 3610 mit einem aus vierachsigen Umbauwaggons gebildeten Zug von Stolberg über Aachen nach Herzogenrath. Auf der Talbahnstrecke pendelte außerdem die seinerzeit vom Eifelbahn e.V. eingesetzte Lok 94 1538 mit einem aus drei Silberlingen gebildeten Zug zwischen den Bahnhöfen Stolberg-Altstadt und Weisweiler. Da man die Euregiobahn-Züge fortan täglich beobachten konnte, widmete sich der Eisenbahnfreund natürlich vorrangig den Dampfloksonderfahrten…..


94 1538 mit ihrem Talbahn-Pendelzug von Weisweiler nach Stolberg-Altstadt am Vormittag des 09. Juni 2001 auf dem Stolberger Hauptbahnhof


Am Vormittag des 09. Juni 2001 dampft 94 1538 mit dem Talbahn-Pendelzug von Stolberg Hbf nach Stolberg-Altstadt und passiert jene Stelle, an der 1867 der erste Bauabschnitt der Stolberger Talbahn endete.


94 1538 rangiert am 09. Juni 2001 beim Fahrtrichtungswechsel auf dem Bahnhof Stolberg-Altstadt über den Bahnübergang Aachener Straße.


Am 10. Juni 2001 rollte 94 1538 zwischen den Haltepunkten Stolberg-Rathaus und Stolberg-Mühlener Bahnhof über die grundinstandgesetzte Stolberger Talbahn (oben und unten).


Auf Gleis 43 des Stolberger Hauptbahnhofs startete am 09. Juni 2001 die Schlepptenderlok 50 3610 zu einer Pendelfahrt nach Herzogenrath (oben und unten).  Die Lok steht hier „rückwärts“, um eine günstigere Position für die Bewältigung der Steilrampe zwischen Herzogenrath und Kohlscheid zu haben.

Wer zu den Zeiten des regulären planmäßigen Bundesbahn- Dampflokeinsatzes in der Region Aachen nicht erleben konnte, wie es war, wenn die Dampfloks die steile Strecke zwischen den Bahnhöfen Herzogenrath und Kohlscheid erklommen hatten, der konnte das am 09. und 10. Juni 2001 mehrfach nacherleben. Wenn 50 3610 die Steigung anging, stellte sich Gänsehaut-Feeling ein:


Volle Kraft voraus, volles Rohr, Volldampf – Assoziationen, die unweigerlich aufkamen, wenn man 50 3610 wie hier am 10. Juni 2001 „am Berg“ erlebte…

5 Gedanken zu „Eröffnung des Euregiobahnbetriebes am 09./10. Juni 2001“

  1. wie doch die Jahre ins Land gehen….ich weiß noch gut, wie das alles anfing! Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich 10 Jahre später auf einem Talent durch das Netz der euregiobahn fahren werde. Potenzial hat das Konzept…es liegt an der Politik etwas daraus zu machen!

  2. Beste website,

    DAMIAN: ik weet dat die 644’jes van 2001 t/m 2004 rijden. Als de avv en DB AG een joint-venture willen oprichten voor de grensoverschrijdende trajecten NL-D, wordt het Euregiobahn Heerlen-Aachen GmbH.(Nederlands: Euregiobahn Heerlen-Aken BV.) Het kan nog wel heel lang duren…

    Groet Yvonne en Damian

    PS: de volgende lijnen voor het netwerk zijn:

    EB1: Heerlen – Heimbach an der Eifel
    EB2: Sittard – Linnich SIG Combibloc
    EB3: Herzogenrath – Merkstein
    EB4: Ringlinie: Stolberg Altstadt – Stolberg Altstadt – Stolberg Hammer
    En:
    EB5: Langerwehe – Aachen City

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