10. Juni 2016 – offizielle Eröffnung des letzten Bauabschnittes der Strecke Stolberg – Alsdorf – Herzogenrath

2016_06_10_Stolberg_Zuglaufschild_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_x1_F
Am 10. Juni 2016 wurde der “Ringschluss” auf der traditionsreichen Strecke von Herzogenrath über Alsdorf bis nach Stolberg Hbf vollzogen. Nach langdauernden Bau- und Sanierungsarbeiten konnte das letzte Teilstück von Eschweiler-St. Jöris über Merzbrück nach Stolberg in Betrieb genommen werden. Damit kann ab dem 12. Juni 2016 wieder auf der gesamten Strecke von Stolberg Hbf über Alsdorf nach Herzogenrath, die volkstümlich mittlerweile “Ringbahn” genannt wird, der Schienenpersonenverkehr aufgenommen werden. Nachdem die Deutsche Bundesbahn auf der 1870 eröffneten Strecke am 28. Dezember 1984 den Reisezugverkehr eingestellt hatte, bekommt diese eingleisige Nebenstrecke nun ein zweites Leben geschenkt und kann sich wieder zu einem wichtigen Verkehrsträger im Nordteil der Städteregion Aachen entwickeln.

2016_06_10_bei_Stolberg_Lehmsiefen_643720_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_x1_F 643 220/720 hatte die Ehre, dieses sieben Kilometer lange Stück als Eröffnungssonderzug zu befahren. Mit der Zielanzeige “RB 20 Stolberg Hbf” passierte er hier das Trogbauwerk im Bereich Lehmsiefen, bevor er wenig später auf dem Stolberger Hauptbahnhof eintrifft.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_643720_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_bei_Ankunft_x2_FNach der Ankunft trafen sich auf dem Bahnsteig an dem speziell für die Züge in Richtung Alsdorf und Herzogenrath angelegten Gleis 44 langjährige und aktuelle Wegbegleiter aus Politik und Verbänden, aus Ministerien und Wirtschaft sowie einige Berufseisenbahner und eine Gruppe von Eisenbahnfreunden aus der Region. Auf dem Bahnhofsvorplatz, vor der Betriebszentrale der EVS im Stolberger Hauptbahnhof, war eigens für diesen Anlass ein Festzeit aufgebaut worden. Auch der Bahnsteig war für die Ankunft des Eröffnungszuges geschmückt worden (oben und unten).
2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_643720_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_mit_Festzelt_x3_F
2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_im_Festzelt_BM_Gruettemeier_x5_FDr. Tim Grüttemeier, Stolbergs Bürgermeister, beleuchtete die Schritte zum Ausbau der Euregiobahn und erinnerte an den erzwungenen Wechsel von Komplettfinanzierung auf Salami-Taktik. Er blickte aber auch in die Zukunft und den bevorstehenden Bau eines Parkhauses sowie die Aufwertung des Hauptbahnhof-Umfeldes.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_im_Festzelt_MinDir_Paulsberg_x6_FKarin Paulsmeyer, Ministerialdirigentin im NRW-Verkehrsministerium, zeigte sich beeindruckt von der Erfolgsgeschichte der “Euregiobahn” und der von der EVS geschaffenen Infrastruktur.
In der späteren Podiumsdiskussion erklärte sie, die Elektrifizierung der Euregiobahn sei im neuen ÖPNV-Bedarfsplan “indisponibel vorgesehen”. Allerdings stehe das Projekt unter einem Finanzierungsvorbehalt. Im Hinblick auf angestrebte Änderungen der Finanzverteilung für die Länder sei nun die Bundesregierung am Zuge. NRW erhofft sich davon mehr Zuschüsse, die dann auch der Euregiobahn zu Gute kommen sollen.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_im_Festzelt_Talkrunde_x7_FEVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil berichtete, die EVS habe seit Beginn 110 Millionen Euro in den Ausbau der Eisenbahn-Infrastruktur investiert, 80 Millionen davon stammen von der öffentlichen Hand.

Christian Hartrampf, bei der EVS als Geschäftsführer für die technische Seite zuständig, schilderte, dass allein für den “Betontrog” im Bereich Lehmsiefen 4500 Kubikmeter Beton und 500 Tonnen Stahl verbaut werden mussten.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_Pressefoto_x8_FDas offizielle Pressefoto mit den Menschen, die jüngst zum erfolgreichen Abschluss des letzten Bauabschnittes im Besonderen und zur Erfolgsgeschichte der Euregiobahn “im Allgemeinen” beigetragen haben.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl44_643720_EroeffnungsSz_StJoeris_Stolberg_x4_FWährend im Festzelt gefeiert wurde, sonnte sich der “Eröffnungs-Triebwagen” 643 220/720 auf Gleis 44 am geschmückten Bahnsteig (oben und unten). Mittlerweile hatten Eisenbahner die Zielanzeige in “Sonderfahrt” umgeändert.
2016_06_10_Stolberg_Hbf_Eroeffnungszug_BA9_643720_x11_F
2016_06_10_Stolberg_Hbf_643720_u_643212_x10_FNatürlich lief der Alltagsbetrieb auf dem Stolberger Hauptbahnhof weiter. So konnte bspw. die Begegnung des “Sonderfahrt-Talents” 643 220 (links) mit dem nach Düren ausfahrenden 643 212 (rechts) fotografiert werden.

Beim Ausklang der Festveranstaltung hatte man für die Abreise der Gäste drei Fahrten von Stolberg Hbf über Eschweiler-St. Jöris nach Herzogenrath vorgesehen. So verließ 643 220 den Stolberger Hauptbahnhof als erster dieser Zusatzzüge (mit dem Ziel Aachen Hbf) und wurde durch das Gespann aus 643 209 und 643 216 ersetzt, das von Gleis 44 aus das zweite Angebot für die Rückfahrt bildete.

2016_06_10_Stolberg_Hbf_Gl43_u_44_643709_u_643_li_u_643_re_x15_FVor der Abfahrt ergab sich eine Begegnung von 643 209 und 643 216 mit 261 025, die den Anschluss der Firma Kerschgens bedient hatte.

2016_06_10_Mitfahrt_in_643716_Stolberg_Hbf_Gl44_Ausfahrt_Hp1_x18_FAuch für Eisenbahnfreunde ergab sich die Gelegenheit, bei dieser wenig ausgelasteten Fahrt die neue Strecke erstmalig zu befahren. Beim Blick über die Schulter der Lokführers hinweg ergab sich die Möglichkeit, auch einmal die Sicht der Lokführer im Bild festzuhalten. Hier zunächst “freie Fahrt” für den neuen Streckenabschnitt…

2016_06_10_Mitfahrt_in_643716_bei_Stolberg_Lehmsiefen_x19_F… die trockene Durchfahrung des Feuchtgebietes am Lehmsiefen und die aufwendige Unterquerung der Strecke Köln – Aachen …

2016_06_10_Mitfahrt_in_643716_ehem_Abzw_Quinx_x19_F… an der ehemaligen Abzweigung Quinx. Die Grünfläche links vom Gleis ist die Trasse der Strecke nach Würselen und Kohlscheid …

2016_06_10_Mitfahrt_in_643716_Merzbrueck_x20_F… die Passage am Flugplatz Merzbrück mit dem Bahnübergang der Bundesstraße 264. Eine elektrische Fahrleitung würde hier den Flugbetrieb beeinträchtigen, die Silos und Lagergebäude der Landwarenhandelsfirma offenbar jedoch nicht …

2016_06_10_Mitfahrt_in_643709_bei_Stolberg_Lehmsiefen_x21_F… und in der Gegenrichtung nochmals das Trogbauwerk an der Unterquerung der Strecke Köln – Aachen …

2016_06_10_Mitfahrt_in_643709_Einfahrt_Stolberg_Hbf_Gl44_x22_F.. schließlich noch die Einfahrt in den Stolberger Hauptbahnhof zum Bahnsteiggleis 44.

Es hat Freude gemacht, die offizielle Inbetriebnahme des Streckenabschnittes von Eschweiler-St. Jöris nach Stolberg Hbf mitzuerleben. Eine Strecke, die für die Eisenbahn in Stolberg die Anbindung an die Städte im Nordteil der Städteregion deutlich verbessert, ist in zeitgemäßer Form wiederbelebt worden.
Der Euregioverkehrsschienennetz GmbH (EVS) gebührt Anerkennung für das geschaffene Werk und Dank für die gelungene Festveranstaltung. Möge die neue Verbindung viele Bahnkunden zum Mitfahren anregen und lebhafte Nachfrage finden!

Auch wenn es “Jammern auf hohem Niveau” ist, sei aus Sicht des geschichtsbewussten Eisenbahnfreundes und langjährigen Eisenbahnfotografen ein kleiner Kritikpunkt angemerkt: Da erst die offizielle Inbetriebnahme des 9. Bauabschnittes auch die Nutzung der Gesamtstrecke ermöglicht und sie gleichzeitig auch erhebliche Auswirkungen auf den Gesamtbetrieb und das Fahrplangefüge der Euregiobahn hat, hätte dem offiziellen Eröffnungssonderzug ein Hinweisschild auf die Bedeutung dieses Ereignisses und ein wenig Schmuck gut zu Gesicht gestanden. Der “Lückenschluss” auf der Ringbahnstrecke hat gewiss eine andere Bedeutung und Außenwirkung als etwa die Inbetriebnahme des Abschnittes von Alsdorf-Poststraße nach Eschweiler-St. Jöris. Bei späterer Betrachtung der Bilder von diesem denkwürdigen Tag sieht man eigentlich nur einen x-beliebigen Euregiobahn-Triebwagen.
Nachdem man schon die prächtigen Zuglaufschilder aus Blech aufgelegt hatte, wäre es doch sicher ein Leichtes gewesen, eine “Folienversion” davon auch am Sonderzug anzubringen...

 

Der Ring schließt sich…. – ab 12. Juni 2016 wieder regelmäßiger Reisezugverkehr von Stolberg über Alsdorf nach Herzogenrath

2016_06_05_RB20_Streckenplan_x1F2_F
Ab Sonntag, dem 12. Juni 2016, gibt es wieder Schienenpersonenverkehr auf dem direkten Weg von Stolberg Hbf über Alsdorf nach Herzogenrath. Es fahren wieder Euregiobahnzüge durch den Propsteierwald und Merzbrück von Stolberg aus in den Nordkreis!

1984_12_28_Stolberg_Hbf_515564_N79761797_xF3_FAm 28. Dezember 1984 stellte die Deutsche Bundesbahn ihren Personenverkehr von Stolberg über Alsdorf nach Herzogenrath ein. Die letzte Nebenstrecke der Region Aachen verlor ihren Reisezugverkehr. Der Akkutriebwagen 515 564 hatte die zweifelhafte Ehre, die letzte Zugleistung zu fahren.

1978_04_21_Stolberg_Hbf_Gl99_795617_u_995457_x1F4_FVon 1954 bis 1978 prägte der Schienenbus (Baureihe VT 95 bzw. 795) das Bild des Personenverkehrs zwischen Stolberg und Herzogenrath. Der einmotorige, 150 PS starke zweiachsige Triebwagen bekam hier den liebevollen Beinamen “Kumpelexpress”.  Am 21. April 1978 standen 795 617 und 995 457 am legendären Gleis 99 des Stolberger Hauptbahnhofs zur Fahrt ins Aachener Bergbaurevier bereit.

1978_Stolberg_Hbf_Gl99_515626_x1F3_FNach dem Schienenbus wurde der Akkutriebwagen (hier 515 626) bis 1984 auf der Strecke eingesetzt.

1980_08_21_StolbergHbf_vl515577u815784u515563_x1F5_FUmweltfreundlichen Bahnbetrieb mit Akkutriebwagen gab es seit 1960 auf den Nebenstrecken rund um Aachen. Hier begegnen sich am 21. August 1980 die “Akkublitze” 515 577 und 815 784 auf dem Weg von Aachen Hbf nach Jülich und 515 563 als “Kumpelexpress” nach Herzogenrath auf dem Stolberger Hauptbahnhof. Wenige Monate zuvor fuhren die Akkutriebwagen von Jülich noch weiter über Hochneukirch bis nach Mönchengladbach. Über den asphaltierten Weg für den Expressgutverkehr gab es damals auch einen unkomplizierten behindertengerechten Bahnsteigzugang, auf dem örtliche Bahnmitarbeiter bei Bedarf Rollstuhlfahrern auf dem Weg zum Bahnsteig halfen.
1983_08_03_beiMerzbrueck_215113_215116_KohlenzugnStolberg_x2F4_FDie eingleisige Strecke von Stolberg Hbf über Alsdorf nach Herzogenrath diente neben dem Personenverkehr vor allem auch der Abfuhr von Kohle aus dem Aachener Bergbaurevier. In Alsdorf befand sich zudem in den 60er Jahren die größte Kokerei Deutschlands. Täglich wurden von Alsdorf aus zwischen 400 und 450 beladene Waggons versandt. Und die leeren Waggons mussten dorthin ja auch bereitgestellt werden. Höchstleistungen auf der eingleisigen Strecke!
Oben schleppen 215 113 und 215 116 bei Merzbrück einen Kohlezug nach Stolberg Hbf, unten befördert 290 306 bei St. Jöris einen Güterzug nach Alsdorf.
1982_04_16_beiHpStJoeris290306mitUebnachAlsdorf_x1F4_F
1975_06_13_Stolberg_Hbf_052916_x1F3_FBis Anfang 1976 konnte man im Kohlenverkehr auch noch Dampfloks des Bw Stolberg erleben, hier war es 052 916, die am 13. Juni 1975 mit einem Kohlenzug aus Alsdorf die Hauptstrecke Köln-Aachen unterquerte (oben). An gleicher Stelle wurde am 27. Februar 1979 515 673 auf der Hauptstrecke Köln-Aachen abgelichtet (unten).
1979_02_27_beiStolbergHbf_515673_x1aF3_F
1978_05_27_Hp_Mariagrube_Blick_aus_795240_auf_Alsdorf_grau_x1F7best_FBlick aus dem Schienenbus auf die Silhouette von Alsdorf, aufgenommen am 27. Mai 1978 beim Haltepunkt Mariagrube.
Die Zeiten haben sich geändert – aber die Personenzüge rollen wieder!

1979_01_04_HpStJoeris_515518_x1F2_FAlle reden vom Wetter – wir nicht! Das konnten auch die Bundesbahner unterschreiben, die am bitterkalten 4. Januar 1979 bei eisigem Wind am Haltepunkt St. Jöris mit ihrem Akkutriebwagen unterwegs waren.

Wünschen wir der Euregiobahn auf der Ringbahn allzeit gute und freie Fahrt!

_