Der Servicepunkt am Stolberger Hauptbahnhof – vor dem Aus?

Der Servicepunkt am Stolberger Hauptbahnhof ist einer der Bausteine, die in den vergangenen Jahren der Attraktivität des Stolberger Hauptbahnhofs im Reisezugverkehr spürbar verbessert haben.

Als die „Euregio Verkehrsschienennetz GmbH“ (EVS) das von der Deutschen Bahn AG arg vernachlässigte Empfangsgebäude des Stolberger Hauptbahnhofs übernommen und zum modernen Firmensitz umgestaltet hat, unterstützte die EVS auch das Interesse an der Schaffung einer öffentlichen Toilette und an der Einrichtung einer Serviceeinrichtung für Fahrgäste und Bahnkunden. Neben den Nutzungen als Verwaltungsgebäude und zentrales elektronisches Stellwerk für das Schienennetz der EVS konnte in dem historischen Bahnhofsgebäude deshalb auch die Einrichtung des Servicepunktes realisiert werden. Ergänzend ist dort zudem eine moderne und stets gepflegte Toilettenanlage eingerichtet worden. Zusätzlich zu den Tischen innerhalb des Servicepunktes gibt es im Foyer des EVS-Gebäudes einen komfortablen Wartebereich mit bequemen Sesseln und einer Couch, der von allen Reisenden zwangslos genutzt werden kann.
Für Reisende, die am Stolberger Hauptbahnhof ankommen oder umsteigen, ist der Servicepunkt eine ansprechende Visitenkarte, die den ersten Eindruck von der Stadt Stolberg prägt und sich wohltuend von den Eindrücken abhebt, den die primitive Ausstattung der Bahnsteige, die Dauerbaustelle am Zugang zum Mittelbahnsteig und die schäbige Industriebrache an der Probsteistraße erzeugen.


Das Personal des Servicepunktes ist stets freundlich und kümmert sich mit viel Herzblut um das Wohl der Gäste. Individuell zubereitete Snacks aus frischen Zutaten, die sich wohltuend von der Massenware verschiedener Backwaren-Ketten abheben, ergänzten die diversen schmackhaften Kaffeesorten, die stets frisch zubereitet werden. Selbstverständlich wurde auch ein größeres Sortiment an Getränken und anderem Reisebedarf angeboten. Frisches Obst, Zeitschriften und Grußkarten gehörten ebenso zum Warenangebot des Servicepunktes. So ist es kein Wunder, dass der Servicepunkt für viele Berufspendler ein fester Anlaufpunkt ihres morgendlichen Weges zur Arbeit geworden ist. Auch viele Eisenbahnerinnen und Eisenbahner steuern in ihren Pausen zwischen zwei Zügen gerne den Servicepunkt an. Unter Eisenbahnfreunden hat sich der Servicepunkt als „Geheimtipp“ herumgesprochen, weil hier neben guter Bewirtung ein Logenplatz mit gutem Ausblick auf den interessanten Zugverkehr geboten wird.

Einen gewissen Kultstatus hat der Servicepunkt auch im Zusammenhang mit dem „Frühschoppen für Eisenbahnfreunde“ erlangt. Mehr als 50 x hatten Eisenbahnfreunde dabei schon Gelegenheit, im Foyer des EVS-Gebäudes und bei der guten Bewirtung durch das Team des Servicepunktes gemeinsam ihrem Hobby zu frönen.

Seit Februar 2020 ist diese vorbildliche Einrichtung nun aus wirtschaftlichen Gründen in seiner Existenz bedroht. Mit einer drastischen Kürzung der Öffnungszeiten und der Schließung am Wochenende wurde der Rückzug vom Kunden bereits eingeleitet. Der Fortbestand des Servicepunktes ist derzeit nur noch bis Ende April 2020 gesichert.
Wie es danach weitergeht, ist noch nicht geklärt.

Auch wenn der Servicepunkt nicht in der Stolberger Altstadt liegt und kein Touristenmagnet ist, so ist er doch einer der Stolberger Orte, die eher unscheinbar zum positiven Bild der Stadt beitragen. Die Stadt Stolberg wandelt sich von einer Industriestadt zum attraktiven Wohnstandort am Rand von Aachen. Der Stolberger Hauptbahnhof erfreut sich als Verknüpfungspunkt zum umweltfreundlichen öffentlichen Nahverkehr beständig wachsender Nachfrage. Die lebhafte Nutzung des neuen Parkhauses bestätigt dies täglich aufs Neue. Der Servicepunkt bietet sich als Treffpunkt für Gruppen an, um vom Stolberger Hauptbahnhof aus eine Reise anzutreten oder eine Fahrradtour auf einer der Stolberger Fahrradrouten zu beginnen oder zu beenden. Hier kann man fühlen, dass Stolberg eine Stadt mit einer modernen, aufstrebenden und in die Zukunft gewandten Eisenbahninfrastruktur ist. Hier wird bewiesen, dass es in Stolberg fahrgastfreundliche Einrichtungen  gibt, die sich wohltuend vom üblichen mangelhaften Erscheinungsbild der Deutschen Bahn AG abheben, das bspw. immer noch die heute eigentlich selbstverständliche Barrierefreiheit am Zugang zum Mittelbahnsteig vermissen lässt. Hier war der Servicepunkt bisher eine Visitenkarte, die zeigte, dass man in Stolberg wusste, wie man es besser machen kann.

Wärmstens empfehlen konnte man einen Besuch des Servicepunktes auch Menschen, die sich für die Eisenbahn begeistern und Interesse am Bahnbetrieb haben. Es gibt kaum einen besseren Ort in Stolberg, um in angenehmer Umgebung intensiven Bahnbetrieb zu erleben.

 

Kann man etwas Gutes wie den Servicepunkt noch verbessern?
Nun ja, da gibt es Ideen….

– Man kann den Servicepunkt bspw. auch im Rahmen des Fahrradtourismus stärker bewerben und in entsprechenden Medien als Start- oder Zielpunkt für Fahrradtouren präsentieren. Ganz besonders könnte man den Servicepunkt für Fahrradtouren unter Einbeziehung des „Stolberger Vennbahnradweg“ oder entlang der Euregiobahnstrecken oder auf ehemaligen Straßenbahntrassen rund um Stolberg etablieren. Die Stadt Stolberg bzw. die Städte Region haben das Potenzial dieses Servicepunktes vielleicht noch nicht wirklich erfasst.

– Im Rahmen des Stadtmarketings könnte der Servicepunkt als Eingangs- oder Ausgangstor der Stadt ein Ort sein, an dem Stolberger Geschäftsleute regionale Produkte anbieten und für einen Besuch ihrer Geschäfte im Stadtgebiet werben. Wenn diese Produkte vom Servicepunkt in Kommission verkauft würden, könnte damit der Aufwand für den Servicepunkt vielleicht in vertretbaren Grenzen gehalten werden.

– Vielleicht könnte eine am EVS-Gebäude angebrachte Leuchtwerbung, auch wenn sie mit Rücksicht auf das Denkmal ausgewogen proportioniert wäre, dem Servicepunkt gut tun. Ergänzend könnte man die Werbung für den Servicepunkt auch im Bereich des P&R-Parkhauses und am Zugang zu der Fußgängerbrücke optimieren.

– Wenn die „Pergola“ am Gleis 43 ein lichtdurchlässiges Dach bekommen und ein kleiner Teil des Hausbahnsteigs dezent eingefasst würde, wäre eine kleine, aber feine Außengastronomie denkbar. Die Fahrgeschwindigkeiten auf den Gleisen des Stolberger Hauptbahnhofs haben sich – gegenüber den Zeiten, als die Bedachung noch vorhanden war – nicht geändert und werden sich vsl. auch in absehbarer Zeit nicht ändern. (Vorbilder für eine „Gleis-nahe“ Außengastronomie gibt es bei anderen Bahnhöfen…).

– Das Erfolgsmodell des „Frühschoppen für Eisenbahnfreunde“ könnte Ansporn sein, die Räumlichkeiten auch für andere kulturelle Veranstaltungen zu nutzen. Wer weiß, was das Team des Servicepunktes und die EVS als Hausherrin hier evtl. mittragen würden?

– Im Foyer des EVS-Gebäudes oder im Bereich das Bahnsteiges am Gleis 43 könnte man einen öffentlichen Bücherschrank aufstellen, der dazu einlädt, im Bereich des Servicepunktes bei einer Tasse Kaffee o.ä. in der angebotenen Literatur zu schmökern. Auch Berufspendler könnten hier evtl. Lesestoff für ihre Fahrten finden. Als „spezielle Note“ könnte solch ein Bücherschrank bei der besonderen Standortgunst evtl. auch einen Bereich mit Literatur für Eisenbahnfreunde aufweisen. Auch dies könnte ein Anreiz zur Steigerung der Kundenfrequenz sein…

– Möglicherweise könnte sich die Stadt Stolberg auch überzeugen lassen, den Servicepunkt bzw. seinen Betreiber mit öffentlichen Zuschüssen zu unterstützen, weil der Servicepunkt an prominenter Stelle zum positiven Image der Stadt beiträgt.

Es wäre sehr bedauerlich, wenn es in Stolberg nicht gelingen sollte, eine für die Stadt und ihre Bürger so vorteilhafte Einrichtung wie den Servicepunkt dauerhaft zu erhalten…

Wie dieser Auszug aus einem Bericht der Stolberger Nachrichten vom 03. November 2012 zeigt, war die Einrichtung des Servicepunktes mit großen Erwartungen an eine Steigerung der Attraktivität des Stolberger Hauptbahnhofs verbunden worden….

Einer guten Entwicklung des Servicepunktes wurden dann jedoch sehr viele Steine in den Weg gelegt. Mit einer Vielzahl von langwierigen Baustellen, so bspw. zum Ausbau der Rhenaniastraße und des Bahnhofsvorplatzes in mehreren Schritten, zum Bau des P&R-Parkhauses und zur Umgestaltung des heute faktisch unkomfortabler gewordenen Zugangs zum Mittelbahnsteig, bei der fast zwei Jahre lang eine Behelfsbrücke den Zugang weit abseits des Servicepunktes erzwang, wurde dem Servicepunkt die Möglichkeit zur Entfaltung seines Potenzials vorenthalten. Die Durststrecken waren dabei unverhältnismäßig länger als die Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Erholung…

Jugenderlebnisse bei der jungen Deutschen Bundesbahn

Durch einen Zufall hat sich vor einiger Zeit die Gelegenheit ergeben, in die Fotosammlung eines Eisenbahnfreundes zu schauen, der in den 1950er Jahren vom Bahnvirus angesteckt wurde und mit den bescheidenen Möglichkeiten der damaligen Zeit die Deutsche Bundesbahn erkundete.

Dem Eisenbahnfreund standen in den 50er Jahren nur sehr wenige Informationen zum Einsatz oder zur Stationierung von Loks und Wagen zur Verfügung. Das seinerzeit zweimal jährlich erscheinende Kursbuch der Deutschen Bundesbahn galt als „Bibel“ des Bahnbetriebs. Man konnte sich damit stundenlang die Zeit vertreiben und Reisen planen oder Zugverbindungen nachverfolgen.

Die Deutsche Bundesbahn war seinerzeit der öffentlichen Daseinsvorsorge verpflichtet und hatte den Ehrgeiz, ein zuverlässiges Verkehrsunternehmen zu sein. Baumaßnahmen wurden zumeist „unter dem rollenden Rad“ durchgeführt.

Eisenbahnliteratur war dünn gesät und oft nicht besonders aktuell. Die hier abgebildete Streckenkarte ist einem Informationsheftchen der „Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands“ (GdED) aus dem Jahre 1954 entnommen. Bei näherem Hinsehen kann man am Beispiel von Stolberg und Umgebung sehen, dass auch „halbamtliche“ Informationen mitunter fehlerhaft sein konnten.

Dem Eisenbahnfreund blieb meist nichts anderes übrig, als sich selbst auf die Reise zu begeben und eigene Eindrücke zu sammeln. Im Mai 1958 wurden von solch einer Erkundungsfahrt verschiedene Fotos von der Eifelstrecke Köln – Jünkerath – Trier mitgebracht. Die obere Aufnahme zeigt einen nach Trier fahrenden Reisezug kurz vor dem Scheitelpunkt beim Bf. Schmitheim, links neben den Bäumen lugt das Empfangsgebäude hervor. Die untere Aufnahme wurde wahrscheinlich auf dem Streckenabschnitt zwischen Schmitheim und Jünkerath aufgenommen.

Das Foto der Wannentenderlok 38 2759 wurde ebenfalls im Mai 1958 aufgenommen und entstand vermutlich im Laufe einer Fahrt auf der Moselstrecke von Koblenz über Cochem nach Trier und zurück.

Die zeitgenössische Werbung der Deutschen Bundesbahn war von den „Schienenstars“ der Wirtschaftswunderzeit wie bspw. der dieselhydraulischen V 200 und dem im internationalen Fernverkehr eingesetzten Trans-Europ-Express-Triebwagen der BR VT 11.5 geprägt (oben und unten).

Auch in den Jahren des „Wirtschaftswunders“ zeigte die Deutsche Bundesbahn dagegen vielerorts noch ein anderes Bild, bei dem die Dampftraktion im alltäglichen Erscheinungsbild prägend war. Das Bild der Schnellzuglok 01 004, die von der Hohenzollernbrücke kommend den Bf. Köln-Deutz durchfährt, stammt aus der Zeit um 1958.

Auf der Rückseite dieses Fotos fand sich lediglich der Hinweis „D 368 Munster – München“ und die Ortsangabe „zwischen Bonn und Bad Godesberg“. Die fehlende elektrische Fahrleitung macht diese Aufnahme einer unerkannt gebliebenen Schnellzuglok der BR 01 aber ebenfalls zu einem Zeitdokument der 50er Jahre.

Aus dem amtlichen Taschenfahrplan der Bundesbahndirektion Kassel für den Winter 1965/66 wurde diese bemerkenswerte Netzkarte entnommen. Aus der Sicht der BD Kassel erschienen einige bedeutende Fernstreckenabschnitte wie bspw. Würzburg – Aschaffenburg – Frankfurt/M. oder Osnabrück – Bremen – Hamburg entbehrlich zu sein. Ebenso hat man in der „Sowjet-Zone“ auf die Darstellung von Berlin verzichtet.

Der junge Eisenbahnfreund hatte auch Fernreisen unternommen. Das Foto zeigt die Abfahrt eines D-Zuges von Bonn Hbf in Richtung Köln. Das Stellwerk „Bnf“ befand sich einstmal auf dem nördlichen Teil des Bahnsteigs am Gleis 1 .

Ob man diesen gut Rat für Bahnreisende damals wohl berücksichtigt hatte?

Von einer Fahrt nach Berlin wurde diese Ansichtskarte des nächtlichen Kurfürstendamms mitgebracht. Wer mag damals wohl mit der BMW-Isetta ins Berliner Nachtleben aufgebrochen sein…

„Mitten ins Herz der Städte“ zu fahren, ist bis heute ein großer Vorteil der Eisenbahn geblieben. 1965/66 wurde dabei noch der VT 08 als Werbeträger verwendet.

Das Zusammentreffen mit einem der beiden Leichtmetallgliederzüge musste unbedingt im Bild festgehalten werden. Leider sind weder Ort noch Zeitpunkt dieser Begegnung auf dem Bild vermerkt worden. Da solche Momente aber vermutlich unvergesslich sind, wird hier wohl aus Sicht des Eisenbahnfreundes keine Notiz erforderlich gewesen sein.

Auch auf die „Eierköpfe“ war die junge Bundesbahn einstmal so stolz, dass sie als Werbeträger eingesetzt wurden. Die eher spartanische Innenausstattung der Ruhrgebiets-Triebwagen der BR ET 30 stand jedoch in spürbarem Kontrast zur Ausstattung der BR VT 08.

Bei einer Reise nach Süddeutschland war das Zusammentreffen mit einer E-Lok der BR E 18 ein Foto wert. Das Foto zeigt vermutlich Ulm Hbf und bietet gute Möglichkeiten, das zeitgenössische Bahnhofsleben zu studieren. Interessant auch das Schild rechts am Bildrand, wo das Überschreiten der Gleise zuoberst in der Sprache der damaligen Besatzer verboten wird.

Offensichtlich hatte das freundliche Personal der beim Bw Kempten stationierten 64 435 dem Eisenbahnfreund den Besuch des Führerstandes ermöglicht. Das Foto könnte irgendwo in der Region Kempten – Immenstadt – Oberstdorf aufgenommen worden sein.

Wenn die Witterung es zuließ und keine Proteste von Mitreisenden laut wurden, dann bevorzugten Eisenbahnfreunde die Zugfahrt am geöffneten Fenster. Der Erlebniswert war ungleich höher als der des Reisens in Großraumwaggons mit zugeklebten Fenstern und entlang von Lärmschutzwällen und farbbeschmierten Lärmschutzwänden…..

… they never come back …

 

Fotokalender 2020 zur Eisenbahn rund um Stolberg

Bevor das Jahr 2019 ganz zu Ende gegangen ist, hat es doch noch geklappt, den fast schon traditionellen Fotokalender zur Eisenbahn rund um Stolberg fertigzustellen….
Für das Interesse an dieser Homepage und die Mitwirkung bzw. Unterstützung bei der Erstellung von Beiträgen und Berichten gibt es als „Dankeschön“ bei  www.eisenbahn-stolberg.de wie schon in den vorangegangenen Jahren  auch für das Jahr 2020 einen Fotokalender.

Der Kalender für das Jahr 2020 enthält  13 Motive vom Stolberger Bahnbetrieb im zurückliegenden Jahr. Der Blick richtet sich auf den alltäglichen  Eisenbahnbetrieb, wie er 2019 erlebt werden konnte und wohl auch im Jahre 2020 zu sehen sein dürfte. Das Bild der Eisenbahn rund um Stolberg ist jedoch einem stetigen Wandel unterworfen.  Was uns heute noch alltäglich erscheint, kann sich ändern und bald schon Geschichte werden. Die häßliche Behelfsbrücke zum Mittelbahnsteig des Stolberger Hauptbahnhofs ist durch eine ebenso unbequeme Überführung in solider Stahlbauweise ersetzt worden, die im Laufe des Jahres 2020 durch eine Aufzuganlage möglicherweise auch noch barrierefreie werden könnte. Die Sanierung der EVS-Strecke zwischen Stolberg-Altstadt und Breinig  oder dem Ausbau des Stolberger Hauptbahnhofs zu einem regionalen Güterverkehrszentrum („Euregio Railport“) werden auch im Jahre 2020 Zukunftsprojekte sein, die zeigen, dass Veränderungen absehbar sind. Die anstehende Umstellung der Regionalbahnlinie 1 (ebenso wie der RE 4) auf RRX-Material, der neue Flixtrain und der ab Mitte Januar 2020 zu erwartende Einsatz eines ÖBB-Nachtzuges nach Brüssel werden neue Impulse im Zugverkehr bringen. Möglicherweise werden die Fahrgäste in absehbarer Zeit auch wieder von den unsäglichen DB-Regio-Elektrotriebwagen der BR 442 erlöst werden….
Deshalb sollte gerade auch das, was heute alltäglich und deshalb belanglos erscheint, immer wieder ein Foto wert sein.

Vielleicht kann der Fotokalender für das Jahr 2020 nebenbei den einen oder anderen Denkanstoß zur Eisenbahnsituation in Stolberg, zur Beschäftigung mit dem Hobby oder zum Umgang mit Erinnerungen und zur Bewahrung von Zeugnissen der Eisenbahngeschichte liefern. Vielleicht vermag auch mancher Berufseisenbahner zu erkennen, dass die Fotografen am Schienenstrang nichts Böses im Schilde führen, sondern nur die immer noch spürbare Faszination des Eisenbahnbetriebes bildlich darstellen und ihren Mitmenschen vermitteln wollen.

Der Kalender wird hier als pdf-Datei mit einer Größe von rd. 3,2 MB zum download angeboten, so dass jeder Eisenbahnfreund die Vorlage  zu einem gedruckten Kalender mit Spiralheftung oder in anderer Form eigenhändig oder mit der Hilfe des Grafikshops seines Vertrauens weiterverarbeiten kann.

Hier geht es zum download:

pdf_VorlageKalender_2020

Ich wünsche viel Spaß beim Anschauen – möge der Kalender einmal mehr ein gerne gesehener Begleiter durch das Jahr 2020 sein….

Roland Keller

Kurztrip ins Vogtland und ins westliche Erzgebirge im Dezember 2019

Nachdem schon beim „Frühschoppen für Eisenbahnfreunde“  am 15. Dezember 2019 u.a. über eine sächsische Schmalspurbahn im Vogtland berichtet wurde,  gab es in den vergangenen Tagen Gelegenheit, bei einer Reise ins Vogtland einige Eindrücke vom aktuellen normalspurigen Bahnbetrieb in dieser Region zu sammeln.

Bei der Anreise gelangen im Bereich des Frankfurter Flughafens von der Autobahn aus Schnappschüsse von einem in Richtung Köln sausenden ICE (oben) und von dem eigenwilligen Fraport-Transportmittel für den Personentransport im Bereich der Terminals (unten).

Die Stadt Eibenstock besaß einige Jahrzehnte lang einen unteren und einen oberen Bahnhof, die durch eine steile Stichstrecke verbunden waren. Wegen eines Talsperrenbaus musste diese Strecke schon 1975 aufgegeben werden. Das Bahnhofsgebäude des ehemaligen oberen Bahnhofs ist bis heute erhalten geblieben und wird derzeit als Blumengeschäft und Wohnhaus genutzt (oben). Die Erinnerung an den einstigen Bahnanschluss wird heute im Eibenstocker Stickereimuseum  durch eine Modellbahn aufrechterhalten, auf der der obere Bahnhof im Maßstab 1:87 weiterlebt (unten).

Der untere Bahnhof von Eibenstock, bei dem von der Strecke Adorf – Aue die Stichbahn zum oberen Bahnhof abzweigte, ist seit 1975 von einer Talsperre überflutet. Auch er ist im Stickereimuseum von Eibenstock auf der Modellbahn nachgebaut worden.

Im Bf. Weischlitz trifft die Elstertalbahn von Gera über Plauen auf die Strecke Plauen – Adorf -Eger. Die Strecke aus Gera endet heute an einem Stumpfgleis. Dort wurde am 19. Dezember 2019 ein zwischen Gera und Weischlitz pendelnder Triebwagen der ODEG angetroffen (oben). Auf der anderen Seite des stattlichen Bahnhofsgebäude wurde kurz danach ein von Plauen in Richtung Adorf fahrender Triebwagen der Vogtlandbahn aufgenommen (unten).

Der einstige Zonengrenzbahnhof Gutenfürst ist heute nur noch ein unbedeutender Durchgangsbahnhof zwischen Hof und Plauen. Am Vormittag des 19. Dezember 2019 wurde dort 187 116 vor einem ostwärts fahrenden Güterzug gesichtet (oben).
Am kurzen Bahnsteig des Bf. Gutenfürst wartete zu dieser Zeit der VT 113 der Erfurter Bahn, der wenig später als Regionalbahn nach Hof abfuhr (unten).

VT 113 der Erfurter Bahn auf der Fahrt von Gutenfürst nach Hof nahe der ehemaligen Zonengrenze. Bei dem mit Betonplatten befestigten Weg im Vordergrund handelt es sich um einen einstigen Kontrollweg der am „anti-imperialistischen Schutzwall“ tätigen Grenztruppen der DDR.

Dank des ehrenamtlichen Engagements der „Wisentatalbahn“ kann man am Bf. Mühltroff noch eine authentische Blicklichtanlage der Deutschen Reichsbahn antreffen, wie sie einstmals weit verbreitet war.

Auch der obere Bahnhof von Plauen/Vogtl. ist durch die Modernisierungen der Deutschen Bahn AG nicht schöner geworden. An der westlichen Bahnhofsausfahrt konnte am Nachmittag des 19. Dezember die ALEX-Lok 223 065 gesichtet werden (oben). Plauen oberer Bahnhof ist auch der Endpunkt einer Linie der Plauener Straßenbahn. Dort wurde der Triebwagen 203 angetroffen (unten), der zu den aussterbenden Restbeständen von Triebwagen aus der DDR-Zeit gehört. Dass ausgerechnet auf einer Straßenbahn Werbung für den Kauf von Autos gemacht wird, ist in Plauen kein Einzelfall…

Von dem in Plauen-Stöckigt gelegenen Aussichtsturm „Kemmler“ gelang am Vormittag des 20. Dezember 2019 über eine Entfernung von 9 km hinweg das Foto eines Triebwagens der Vogtlandbahn bei der Überquerung der Elstertalbrücke.

Im weiteren Verlauf des 20. Dezember 2019 wurde die Elstertalbrücke dann auch „aus der Nähe“ besichtigt. Beim Bf. Barthmühle (Strecke Gera – Plauen – Weischlitz) konnte die Elstertalbrücke mit zwei Triebwagen der Vogtlandbahn fotografiert werden (oben und unten).

Auf einer Autofahrt von Hof nach Bayreuth konnte im Bereich der Ausfahrt Marktschorgast auf der legendären „Schiefen Ebene“ ein in Richtung Neuenmarkt-Wirsberg fahrender Triebwagen von DB-Regio gesichtet werden. Auch wenn dabei ein netter Schnappschuss gelungen ist, will dennoch keine rechte Freude über das Foto aufkommen, weil der ältere Eisenbahnfreund mit dieser Fotostelle ganz andere, spektakulärere Motive assoziiert…

Ende

Bundesbahn-Nostalgie in Linz/Rhein

Bei einem Ausflug nach Linz am Rhein konnte der Eisenbahnfreund Peter-Josef Otten eine bemerkenswerte Vielfalt an Schienenfahrzeugen aus der Zeit der Deutschen Bundesbahn erleben.

Blick auf das Gelände des ehemaligen Bw Linz mit einem stattlichen Aufgebot an Fahrzeugen aus der Bundesbahnzeit.

Der Bahnhof Linz liegt an der rechten Rheinstrecke und ist Ausgangspunkt einer erst im Jahre 1912 eröffneten rd. 35 km langen eingleisigen Nebenbahn, die ursprünglich nach  Flammersfeld (Strecke Altenkirchen – Siershahn) verlief. Der Höhenunterschied zwischen Linz am Rhein und dem auf den Höhen des Westerwaldes gelegenen Kalenborn beträgt rund 300 m. Auf dieser Strecke waren zwei Zahnradbahn-Abschnitte mit zusammen 5.080 m Länge zu bewältigen, die größte Steigung beträgt 5,7 %. Diese Verbindung ist damit  eine der steilsten Strecken Deutschlands. Ab 1924 setzte die Deutsche Reichsbahn hier Tenderloks der Baureihe 94.5 (pr. T 16.1) mit Gegendruckbremse ein. Der Zahnradbetrieb wurde aber erst 1931 aufgegeben. Den Personenverkehr stellte die DB bereits 1960 ein. Bis 1995 gab es Güterverkehr zur Bedienung eines Basaltsteinbruches in Kalenborn, der zuletzt mit Dieselloks der BR 213 durchgeführt wurde. Nachdem die Deutsche Bahn AG  1997 die Strecke stilllegte, übernahm die private „Eifelbahn Verkehrsgesellschaft“ (EVG) 1998 die Strecke. Schon  1999 wurde zwischen Linz und Kalenborn ein touristischer Verkehr mit einem steilstreckentauglichen historischen Uerdinger Schienenbus (VT  98) aufgenommen, der bis heute floriert. Im ehemaligen Bahnbetriebswerk Linz hat die EVG einen Stützpunkt aufgebaut, von dem aus mittlerweile nicht nur die Fahrzeuge der „Kasbachtalbahn“ eingesetzt werden.
Am 24. November 2019 bot sich dort folgendes Bild:

Ausfahrt der Schienenbusse 798 752-2 und 798 729-0 von Linz in Richtung Kalenborn mit Blick auf die Burg von Ockenfels.

Blick aus dem Schienenbus auf die aus dem Rheintal auf die Höhen des Westerwaldes abzweigende Kasbachtalbahn. Linkerhand verlaufen die Gleise der rechten Rheinstrecke.

Am Ende der Steilstrecke liegt die Ortschaft Kalenborn. An der Bahnhofseinfahrt von Kalenborn wurden 798 752-2 und 798 729-0 am Ziel ihrer anstrengenden Bergfahrt aufgenommen.

Auf dem Bf. Linz traf Peter-Josef Otten u.a. die EVG-Lok 215 086-0 an, die u.a. für den Betrieb auf der Steilstrecke zugelassen ist (oben und unten).

Auch die EVG-Lok 212 309-9 präsentiert sich im klassischen roten Farbkleid der Deutschen Bundesbahn.

Auf den Gleisen der EVG konnte Peter-Josef Otten zusätzlich auch zwei Rangierlok-Klassiker der Deutschen Bundesbahn antreffen, die die EVG in ihrem traditionellen Farbkleid betreibt: 260 109-4 (oben) und 332 901-8 (unten).

Für die Bildspenden von seinem Ausflug nach Linz am Rhein danke ich Peter-Josef Otten an dieser Stelle ganz besonders herzlich. Mögen sie auch andere Eisenbahnfreunde animieren, einmal einen Ausflug mit dem Schienenbus von Linz nach Kalenborn zu unternehmen.
Wer gerne wandert, kann bspw. auch mit dem knatternden Schienenbus bergauf fahren und anschließend durch herrliche alte Laubwälder wieder ins Rheintal zurückwandern. Kurz vor Kasbach empfiehlt sich ggf. auch eine Einkehr bei der im Wald gelegenen Schänke der Steffes-Brauerei. In der Ortschaft Kasbach gibt es zusätzlich einen kleinen, fotogenen Viadukt und nahe des Friedhofes einen Aussichtspunkt, von dem aus man sowohl die Züge auf der rechten Rheinstrecke als auch die Schienenbusse auf der Steilstrecke gut fotografieren kann.