Bahnhof Stolberg-Atsch (AI)

Im Jahre 1875 errichtete die 1873 als Aachener Industriebahngesellschaft gegründete und später umbenannte Aachen-Jülicher Eisenbahn-Gesellschaft eine Eisenbahnstrecke von Würselen nach Stolberg. Diese Bahnlinie unterquerte die Strecke Köln – Aachen der Rheinischen Eisenbahn und endete südwestlich des Rheinischen Bahnhofs bei der Ortslage Atsch in einem Kopfbahnhof. Das Empfangsgebäude für den Personenverkehr befand sich an der Steinbachstraße.

Auf dieser Karte aus dem Jahre 1925 sind die Gleisanlagen des ehemaligen Bahnhofs Stolberg-Atsch deutlich zu erkennen:

Obwohl Atsch seinerzeit noch ein Teil der Gemeinde Eilendorf war, erhielt der Bahnhof den offiziellen Namen Stolberg-Atsch bzw. Stolberg A.J. . Der 1875 eröffnete Bahnhof in Atsch diente von Anfang an dem Personen- und Güterverkehr. Der Ort Atsch war schon 1875 stark industrialisiert und u.a. Standort von Chemischer Industrie. 1876 erhielt die „Chemische Fabrik Rhenania“ an der Ostseite des Bahnhofs Atsch einen Gleisanschluss. Mit der Expansion der Chemischen Fabrik entwickelte sich aus dem Gleisanschluss eine stattliche Werksbahn. Einen Gleisplan aus dem Jahre 1922 gibt es hier zu sehen (bis zu den Seiten 5 und 9 scrollen).  Das rasch wachsende Verkehrsaufkommen führte schnell zum Bau eines Rangierbahnhofs der AJ und erforderte die Errichtung eines Stellwerks (zuletzt Stw „Sif“).

Das von der Aachener Industriebahn errichtete Stellwerk war bis 1986 als Stellwerk „Sif“ in Betrieb. Dieses Foto zeigt den Zustand vom 16. Februar 1974:

Nachdem der preußische Staat schon 1886 die Rheinischen Eisenbahngesellschaft mit deren Stolberger Bahnhof übernommen hatte, wurde 1887 auch die Aachen-Jülicher Eisenbahn-Gesellschaft und deren Bahnhof Stolberg-Atsch A.J. verstaatlicht.

Unmittelbar anschließend wurden die Gleisanlagen beider Bahnhöfe zusammengeführt und gingen in dem 1888 eröffneten neuen Zentralbahnhof der preußischen Staatsbahn, dem heutigen Stolberger Hauptbahnhof, auf.  Zudem wurde die Einfädelung der Strecke Stolberg – Alsdorf (– Herzogenrath) in den neuen Zentralbahnhof geändert. Das von Alsdorf kommende Gleis wurde im Bereich des Propsteier Waldes an die von Würselen kommende Strecke angeschlossen und mit dieser gemeinsam in den Stolberger Hauptbahnhof eingeführt. Das ehemalige Bahnhofsgebäude der Aachener Industriebahn wurde aufgegeben. Die auf den Strecken nach Alsdorf und Würselen verkehrenden Züge durchfuhren den ehemaligen Bahnhof Atsch fortan Halt.

Auf einem Plan des Stolberger Hauptbahnhofs aus dem Jahre 1926 ist der Bahnhof „Stolberg A.I.“  immer noch vermerkt. Möglicherweise lassen auch die dort dargestellten Gleisanlagen Rückschlüsse auf die Anlagen der ehemaligen Aachener Industriebahn zu:

Zur besseren Erreichbarkeit der östlich gelegenen Bahnhofsteile wurde außerdem die sog. „Verbindungsbahn“ angelegt. Aus dem ehemaligen Bahnhof Atsch und nördlich anschließenden Erweiterungen der Gleisanlagen entwickelte sich der Bezirk V des Stolberger Hauptbahnhofs. Den Zustand der Gleisanlagen im Bereich des ehemaligen Bahnhofes Stolberg-Atsch lässt dieses Luftbild aus dem Jahre 1933 gut erkennen. Gegenüber dem Kartenbild von 1925 (vgl. oben) sind hier u.a. umfangreiche Erweiterungen der Gleisanlagen im Bezirk V sowie die Verlegung von Glücksburgweg und Steinbachstraße zu erkennen.

Das Bahnhofsgebäude der Station Stolberg-Atsch (AJ) diente bis 1968 als Eisenbahnerwohnhaus und wurde danach abgebrochen. Den letzten Zustand des ehemaligen Bahnhofsgebäudes zeigt dieses Bild aus dem Jahre 1959.

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