Bf. Breinig

Bei der Planung der Vennbahn-Zweigstrecke von Stolberg-Hammer nach Walheim war von Anfang an ein Bahnhof für die Gemeinde Breinig vorgesehen worden.

Der Bahnhof Breinig um 1898, als die Strecke von Stolberg nach Walheim nur eingleisig war. Das Bahnhofsgebäude befindet sich noch in seinem ursprünglichen Bauzustand ohne spätere Erweiterungen oder Anbauten.


Ansicht des Bahnhofs Breinig auf einer Ansichtskarte aus den 1920er Jahren. An der östlichen (linken) Gebäudeseite ist die 1906 angebaute  Wartehalle zu sehen.

Der Bahnhof Breinig wurde beim Streckenkilometer 8,94 angelegt. Er war ein Bahnhof der Klasse 4.


Auszug aus dem amtlichen Bahnhofsverzeichnis der Deutschen Reichsbahn aus dem Jahre 1938

Die Höhenlage des Ortes Breinigs ist ca. 280 m über dem Meeresspiegel. Die Höhenlage des Bahnhofs Breinig wird bahnamtlich mit 275,718 m über NN angegeben. Der Bahnhof liegt auf einem Scheitelpunkt, der von beiden Seiten mit Steigungen von jeweils 1:60 erklommen wird. Mit der Streckeneröffnung am 21. Dezember 1889 wurde auch der neu erbaute Bahnhof Breinig in Betrieb genommen.

Ausschnitt aus einem Streckenprofil (Zeichnung aus dem Jahre 1927)

Ein Gleisplan aus der Entstehungszeit oder aus der Zeit des zweigleisigen Streckenausbaus liegt mir nicht vor. Da es in Breinig seinerzeit bereits einen Erzbergbau gab, der durch den Bahnbau neue Impulse erhalten sollte, kann aber angenommen werden, dass derBahnhof Breinig mindestens über ein Ladegleis und ein Ausweichgleis verfügte. Der Bahnhof Breinig scheint sich aber gut entwickelt zu haben, denn schon im Jahre 1900, also rd. 7 Jahre vor dem zweigleisigen Streckenausbau, wurde dort schon ein Stellwerksgebäude errichtet.
1906 erhält das Bahnhofsgebäude einen Anbau mit einer rd. 60 m² großen, zur Gleisseite hin offenen Wartehalle.

Daneben erhielt der Bahnhof Breinig eine Anbindung an das Aachener Straßenbahnnetz, als am 28. März 1913 die 3,1 km lange Straßenbahnlinie von Kornelimünster nach Breinig eröffnet wurde. Diese Straßenbahnstrecke folgte von Kornelimünster aus zunächst der Inde, kreuzte an der Falkenbachbrücke die Strecke Stolberg – Walheim und überwand dann parallel zur Reichsbahnstrecke den Höhenunterschied nach Breinig.  Sie endete in Breinig vor dem Bahnhofsgebäude.

Vom Bahnhof Breinig aus wurden monatlich durchschnittlich 80 Waggonladungen Erz aus der Erzgrube Cornelia bzw. aus dem Gebiet „Breiniger Heide“ an das Eisenwerk Rothe Erde versandt. Zwischen der Erzgrube und einer Erzverladeanlage auf dem Bahnhof Breinig wurde das Erz mit einer Feldbahn transportiert. Im Jahre 1922 wurde die Erzgrube Cornelia wegen Erschöpfung der Vorräte stillgelegt. Das Anschlussgleis der Grube Cornelia findet sich allerdings noch in den Gleisplänen aus dem Jahre 1940 und 1952.
In der Reichsbahn-Zeit erhält ferner das Bahnhofsgebäude von Breinig einen Vorbau für den Fahrdienstleiter.


Gleisplan des Bahnhofs Breinig aus dem Jahre 1940

Im September 1939 wird der Bahnhof Breinig zur Ausladestelle für die gesamte Ausrüstung der 225. Infanterie-Divison der Deutschen Wehrmacht, die sich hier bis zum Überfall auf Belgien und Frankreich im April 1940 aufhält.

Durch Sprengkommandos der sich auf dem Rückzug befindlichen deutschen Wehrmacht wurden große Schäden an den Gleisanlagen angerichtet, um den Einmarsch der gegnerischen Truppen zu erschweren. Durch diese Sprengkommandos wurden am 11. September 1944 unter anderem der Falkenbachviadukt und der Rüstbachviadukt gesprengt, so dass auf der Strecke Stolberg – Walheim – und damit auch zum Bahnhof Breinig – kein Zugbetrieb mehr möglich war. Erst nachdem amerikanische Pioniere diese beiden Viadukte provisorisch befahrbar gemacht haben, war ab Anfang Februar 1945  wieder Schienenverkehr zum Bahnhof Breinig möglich. Zunächst fand nur ein militärischer Zugbetrieb der US-Army statt. Die Deutsche Reichsbahn konnte im Sommer 1945 wieder einen zivilen Verkehr aufnehmen.

Aus dem Jahre 1952 ist dieser, hier in drei Teilen wiedergegebene Gleisplan erhalten:

der westliche Teil des Bf. Breinig, rechts die Ausfahrt in Richtung Walheim


der mittlere Teil mit dem Bahnhofsgebäude


der östliche Bahnhofsteil, links die Ausfahrt in Richtung Bf. Stolberg-Hammer

1947 siedelte sich nahe dem Bahnhof Breinig die Firma „Feuser“ an, die Baustoffe herstellte und für ein stetiges Frachtaufkommen auf dem Bahnhof Breinig sorgte, bis die Anlagen 1953 von einer Gießerei übernommen wurden.


Der Winterfahrplan 1954/55 spiegelt den in der  Wirtschaftswunderzeit erreichten Höhepunkt des Schienenpersonenverkehrs wieder (oben und unten):

Mit Beginn des Winterfahrplans 1954/55 werden auf der Strecke Stolberg – Walheim erstmals Schienenbusse der Baureihe VT 95  eingesetzt.  Der im Fahrplan ausgebrachte Hinweis auf die fehlende Gepäckbeförderungsmöglichkeit läßt vermuten, dass diese Schienenbusse ohne Beiwagen verkehrten. Der Zug 2153 verkehrte dabei durchgehend von Schmithof bis nach Jülich. Interessant sind auch die Züge Nrn. 1731 und 1733, die nur zwischen Walheim und Breinig verkehrten. Zudem enthielt dieser Fahrplan zwei Zugpaare, bei denen Schienenbusse von Aachen über Eilendorf nach Stolberg und von dort nach Walheim verkehrten – ganz ähnlich dem heutigen, allerdings nur bis Stolberg-Altstadt gehenden Euregiobahnbetrieb.

Am 03. November 1957 wurde der Straßenbahnverkehr auf der Linie von Kornelimünster nach Breinig eingestellt.

1958 siedelte sich in Breinig das Zirkusunternehmen „Althoff“ an und richtete hier sein ständiges Winterquartier ein. Der „Zirkus Althoff“ bzw. seit 1976 der „Zirkus Williams-Althoff“ nutzte für seine Logistik bis Ende der 1970er Jahre die Deutsche Bundesbahn. Immer, wenn der Zirkus in sein Winterquartier einkehrte oder von dort aus wieder aufbrach, sorgten die Zirkuszüge im Bahnhof Breinig für Hochbetrieb und umfangreichen Rangierbetrieb.

Am 31. März 1959 wurde in Breinig am Streckenkilometer 9,300 beim Bahnübergang „Stockemer Straße“ die erste automatische Blinklichtanlage der Strecke Stolberg – Walheim in Betrieb genommen. Im Jahre 1958 war der Bahnhof Breinig andererseits noch mit einem Fahrdienstleiter besetzt und mit Einfahrsignalen ausgestattet. Als Einfahrsignal F (aus Richtung Walheim) war zu dieser Zeit ein einflügeliges Formsignal aufgestellt.

Mit dem Sommerfahrplan 1960 wurde dann der Verkehr zwischen Stolberg und Walheim auf ein werktägliches GmP-Paar reduziert, das als “Alibizug” bis zur Einstellung des Reisezugverkehrs am 31. Dezember 1961 verkehrte.


Der Dokumentation von Bauarbeiten ist dieses zwischen Juni 1965 und   Juli 1966 entstandene Bild des Bahnhofs Breinig zu verdanken. Hier ist das Ausweichgleis offenbar schon nicht mehr vorhanden.

Im Juli 1967 wird der Bf. Breinig in eine unbesetzte Ladestelle umgewandelt. Dabei war er vermutlich bereits bis auf ein Ladegleis zurückgebaut worden, das im Wesentlichen auch nur noch von dem Zirkusunternehmen genutzt wurde.

Am 28. August 1975 wird der Schrankenwärterposten am Bahnübergang „Auf der Heide“ beim Streckenkilometer 8,878 (östlich des Bahnhofs Breinig) durch eine automatische Blinklichtanlage mit Halbschranken ersetzt.

Dieses Foto aus dem Jahre 1973 zeigt den Bahnübergang vor dem Umbau,

und so ging es während des Aufbaus der Blinklichtanlage zu:

Gleichzeitig wird auch die automatische Blinklichtanlage am Bahnübergang „Stockemer Straße“ westlich des Bahnhofs Breinig mit einer automatischen Halbschranke nachgerüstet.

Am 03. Mai 1977 zeigte sich der Bahnhof Breinig in diesem Erscheinungsbild:

Mitte der 1970er Jahre war der Bahnhof Breinig bereits bis auf ein Ladegleis zurückgebaut worden, das im Wesentlichen auch nur noch von dem Zirkusunternehmen genutzt wurde. Etwa Mitte der 1980er verlegte der Zirkus, der seine Logistik zwischenzeitlich auf LKWs umgestellt hatte, sein Winterquartier nach Düren. Zwischen 1982 und 1986 wurde auch das letzte Ladegleis des Bahnhofs Breinig entfernt.


Mit einem Gesellschaftssonderzug von Aachen über Stolberg und Raeren nach Kalterherberg passierte 215 117 am 12. September 1986 den ehemaligen Bahnhof Breinig.


Typischer war in den 1980er Jahren jedoch dieser Anblick des unbelebten Bahnhofes.

Auf der Gleisseite des Bahnhofsgebäudes blieb bis Ende der1980er Jahre eine Bahnsteigkante erhalten, so dass auf dem Bahnhof Breinig stets Sonderzüge halten konnten

Nach dem Verkauf und der Umgestaltung des Bahnhofsgebäudes wurde der Bahnsteig auf die gegenüberliegende Seite verlegt, wo er sich auch heute noch befindet.

Von 1994 bis 1998 war Breinig ein planmäßiger Halt für den von Stolberg nach Monschau verkehrenden Panorama-Schienenbus des deutschen Vennbahnvereins.

Die Euregiobahn führte erstmals im Juli bzw. September 2001 anläßlich der Stolberger Stadtkirmes und des Stolberger Stadtfestes an dem betreffenden Wochenende stündliche Pendelfahrten nach Breinig durch. Von 2002 bis 2004 fuhren zunächst keine weiteren Sonderzüge nach Breinig. Erst nachdem die EVS ein marodes Streckenstück ausgebessert hatte und die IG „SPNV auf der Vennbahn“ den ersten Freischnitt organisiert hatte, konnten ab 2004 die regelmäßigen Sonderfahrten zwischen Stolberg-Altstadt und Breinig stattfinden, die seitdem zu einer jährlichen Tradition geworden sind.


Obwohl die Euregiobahn erst am 10. Juni 2001 ihren fahrplanmäßigen Verkehr zwischen Stolberg Hbf und Stolberg-Altstadt eröffnete, unternahm die EVS schon am 01. Juli 2001 erstmals stündliche Pendelfahrten zwischen den Bahnhöfen Stolberg-Altstadt und Breinig. Hier steht der dreiteilige Talenttriebwagen 644 044 am 01. Juli 2001 am Bahnsteig in Breinig (oben und unten)

Eine Verlängerung der regulären Euregiobahnzüge über Stolberg-Altstadt hinaus nach Breinig wird zwar schon seit vielen Jahren diskutiert. Für einen fahrplanmäßigen alltäglichen Schienenverkehr hat sich indes noch kein Besteller gefunden.


Euregiobahn-Triebwagen 643 201 anläßlich des Stolberger Stadtfestes am 18. September 2010 am Bahnhof Breinig


Am Bahnhof Breinig endet heute die befahrbare Vennbahnstrecke in Richtung Raeren.  Am 18. September 2010 stand u.a. 643 201 im Rahmen von Pendelfahrten anläßlich des Stolberger Stadtfestes hier vor der Sh2-Tafel.

Seit 2008 bemüht sich der Verein „Eisenbahnfreunde Grenzland e.V.„, der als Teil des Vereins „Freunde des Bw Aachen-West e.V.“ entstanden ist, um den Erhalt und die Wiederinbetriebnahme der Vennbahnstrecke von Stolberg über Walheim nach Eupen. Wenn die  „Eisenbahnfreunde Grenzland e.V.“ auch schon beachtliche Erfolge erzielen konnten und Dank ihres Engagements große Teile des deutschen Streckenabschnitts praktisch wieder befahrbar sind, so verhindert der bauliche Zustand der zur Zeit für den Bahnverkehr gesperrten Falkenbachbrücke, dass der Bf. Breinig wieder von touristischen Zügen angefahren werden kann.


Die „Eisenbahnfreunde Grenzland“  am 02. Oktober 2010 bei Freischneidearbeiten im Bereich westlich des Breiniger Bahnhofsgebäudes. Mittlerweile sind Teile des ehemaligen Bahnhofsareals als Wohnbauland genutzt worden und die Wohnhäuser dicht an die Bahnstrecke herangerückt.


historisches Vennbahngleis am Bahnhof Breinig…

Ein Gedanke zu „Bf. Breinig“

  1. Anläßlich des bevorstehenden Stolberger Stadtfestes 2011 las ich mir die sehr interessante Seite über den Breiniger Bahnhof durch. Ich habe vor, von Breinig aus zum Stadtfest in Stolberg zu fahren. Ich bin begeistert von dem historischen Bildmaterial, das ich hier einsehen kann. Immer wieder herzlichen Dank für so eine ästhetische und spannende Art, Eisenbahngeschichte und Aktuelle Entwicklungen dem Leser zu ermöglichen und so detailreich nahezubringen, sowohl als Nachschlagewerk wie als fortlaufende Berichterstattung.
    MfG
    A. Lustfeld

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