Fragen zu Schicksalen von Stolberger Eisenbahnern im 2. Weltkrieg

Von Herrn Dr. Daniel Hörnemann (Eisenbahnmuseum „Alter Bahnhof Lette (Kreis Coesfeld)“ www.bahnhof-lette.de) erreichte mich folgende Anfrage:

Mit folgendem Anliegen möchte ich mich an Sie wenden.
Wir haben in unserem Museumsarchiv Unterlagen über ehemalige Stolberger Eisenbahner, die während des 2. Weltkrieges nach Coesfeld (Westf.) zum Bahnbetriebswerk (Bw) dienstverpflichtet wurden und als Lokführer oder Heizer hier
Dienst taten. Verschiedene Bedienstete sind bei Bombenangriffen hier gefallen und
auf Coesfelder Friedhöfen beerdigt. Dabei handelt es sich um:

Daniels, Wilhelm (Lokomotivführer; Bw Coesfeld)
[Grab auf Jacobi-Friedhof Coesfeld]
*19.10.1898
+25.02.1945
46 Jahre

Gefallen im 2. Weltkrieg. Heimatbw Stolberg/Rheinland.
Bei Fliegerangriff auf den leeren Militärzug Wz 91 702 bei Billerbeck-Lutum durch Bordwaffenbeschuß auf der Lok getötet (mit Heizer Helmut Hübner). Lokomotivführer Wilhelm Daniels erhielt am 26.11.1944 einige Verletzungen im Gesicht.  Daniels befand sich im Dienst auf der Lok und ist durch Bombenabwurf und Bordwaffenbeschuß verletzt worden. Er ist ab 28.11.1944 arbeitsunfähig krank.

Neffgen, Nikolaus (Aushilfs-Lokheizer; Bw Coesfeld)
*24.02.1909
+12.03.1945
36 Jahre
Gefallen im 2. Weltkrieg.  Heimatbw Stolberg/Rhld.
Bei Beförderung des Güterzuges 8342/7731 im Bf Dorsten durch Bombenangriff getötet (mit Lokomotivführer Heinrich Thewes).

Richter, Willi (Oberlokomotivführer; Bw Coesfeld)
[Grab auf dem Lamberti-Friedhof Coesfeld]
*01.10.1884
+18.10.1944
60 Jahre
Gefallen im 2. Weltkrieg.  Am 12.10.1944 abkommandiert vom Bw Stolberg. Auf der Lok zwischen Coesfeld und Lutum durch Bordwaffenbeschuß getötet.

Ferner bekannt geworden:
Die aus Stolberg/Rhld. nach Coesfeld dienstverpflichteten Lokführer Josef Hey und
Heizer Willi Linzenich führten am 07.10.1944 einen Bauzug, der durch Flieger
angegriffen wurde, beide blieben aber unverletzt.

Ferner aus Stolberg nach Coesfeld versetzte Eisenbahner: Plum, Josef und Reip, ?.
Sie waren bei Coesfelder Familien in der Bauernschaft Harle einquartiert.

Falls möglich, würden wir gerne mehr über die Eisenbahnerschicksale erfahren:
* Warum wurden so viele Stolberger nach Coesfeld versetzt? Frontnähe?
* Gibt es noch Verwandte der o.a. Eisenbahner, die vielleicht gar nicht wissen,
daß die Gräber in Coesfeld liegen und bis heute gepflegt werden?
* Gibt es bei Ihnen noch Fotomaterial bezüglich der Stolberger Eisenbahner?

Mit dem Stadtarchiv Stolberg hatte ich schon mal Kontakt, dort konnte man
aber keine Auskunft geben.

Vielen Dank für eine Rückmeldung!
Freundliche Grüße

P. Dr. Daniel Hörnemann

Abtei Gerleve 1
48727 Billerbeck
02541/800-0 / dhgerleve@web.de

Eisenbahnmuseum „Alter Bahnhof Lette (Kr Coesfeld)“ www.bahnhof-lette.de

Zu den Kriegsereignissen in Stolberg und dem Einsatz Stolberger Lokführer in Coesfeld habe ich folgende Vermutung:

Die Alliierten Truppen erreichten Anfang bis Mitte September 1944 bei Aachen bzw. Roetgen die Reichsgrenze.  Am 8. und 9. September 1944 wurden die Bahnhöfe
Stolberg-Hammer und Stolberg-Mühle von Tieffliegern angegriffen. Zwischen dem 10. und 15. September 1944 wurden vom Stolberger Hauptbahnhof aus Züge zur Evakuierung der Zivilbevölkerung eingesetzt.
Die Stadt Stolberg erstreckt sich über eine Länge von 4 Kilometern in Nord-Süd-Richtung entlang des Tales des kleinen Flusses „Vicht“.  Da die Alliierten ihren
Angriff zunächst auf die Stadt Aachen richteten und diese einkesselten, war die nordwestliche Talseite und die südliche Stolberger Altstadt mehrere Wochen lang von US-Truppen besetzt, während die nordwestliche Talseite und das nördliche Stadtgebiet mit dem Hauptbahnhof zunächst noch von deutschen Truppen gehalten wurden. Am 16. Oktober 1944 wurde der Ring um Aachen bei Würselen geschlossen, am 21. Oktober 1944 kapitulierten die in Aachen eingeschlossenen Truppen. Das Gebiet des Stolberger Hauptbahnhofs wurde Anfang bis Mitte November 1944 von den US-Truppen eingenommen.
Mitte November 1944 wurden die Städte Düren und Jülich Opfer von verheerenden Bombenangriffen mit weitgehender Zerstörung. Bei dieser Lage dürfte es meines Erachtens für die Stolberger Eisenbahner ab Mitte September 1944 / Anfang Oktober 1944 nicht mehr möglich gewesen sein, beim Bw Stolberg Dienst zu verrichten. Alle bis dahin vom Bw Stolberg befahrenen Strecken und auch benachbarte Dienststellen lagen in Frontnähe bzw. waren schon unterbrochen oder zerstört.

Die Zivilbevölkerung wurde seinerzeit nach Westfalen evakuiert. Von einigen Stolbergern weiß ich, dass sie im Bereich Herford/Bünde das Kriegsende verbrachten. Ich vermute deshalb, dass die Eisenbahner in ähnlicher Weise evakuiert worden sind und so den Dienststellen wie bspw. Bw Coesfeld (evtl. auch anderen?)  zugeteilt worden sind.

Falls jemand etwas zum Schicksal von Stolberger Eisenbahnern in dieser Zeit beisteuern kann, scheuen Sie nicht, mit Ihren Auskünften und Informationen weiterzuhelfen!

3 Gedanken zu „Fragen zu Schicksalen von Stolberger Eisenbahnern im 2. Weltkrieg“

  1. Der Lokführer Josef Hey wurde , wie mir sein Sohn Wilhelm mitgeteilt hat beim Sprung von der Lok durch Glassplitter am Hinterkopf verletzt,

  2. Hallo,
    mich würde interessieren, wer in dem Stolbergerhauptbahnhofsgebäude, also in einer dieser Dienstwohnungen zuletzt gewohnt hat, oder ob dort mal ein altes Pärchen gelebt hat.
    Mir ist dieses Thema sehr wichtig und freue mich, wenn meine Frage beantwortet werden könnte, sofern dies möglich ist.
    Danke im vorraus.

    1. Hallo Meike,
      da muss ich persönlich leider passen.
      Soweit ich weiß, gab es aber sowohl im I. OG des langgestreckten Gebäudeteils entlang des Gleises 43 als auch im Obergeschoss des Seitenflügels am Gleis 27 mehrere Dienstwohnungen, die bis etwa 2005 bewohnt waren.
      Aber vielleicht gibt es hier Leser/-innen, die weiterhelfen können…

      Viele Grüße

      Roland Keller

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