Straßenbahnrelikte in Stolberg

Straßenbahn in Stolberg? Jüngere Menschen werden vielleicht ungläubig stutzen. Aber in Stolberg hat es tatsächlich bis 1969 Straßenbahnen gegeben!

Die erste Straßenbahnlinie wurde bereits im Jahre 1881 zwischen dem Rheinischen Bahnhof und Oberstolberg eröffnet. Zu Anfang wurde sie als normalspurige Pferdebahn betrieben.

Im Stadtarchiv Stolberg gibt es u.a. dieses Foto aus dem ehemaligen Pferdebahndepot an der Rhenaniastraße

Schon wenige Jahre später hatte sich aus den Pferdebahnen in Aachen und um Aachen herum ein kleines Netz meterspuriger und elektrisch betriebener Kleinbahnen entwickelt. Am 11. September 1897 wurde auch in Stolberg der elektrische Betrieb eingeführt, nachdem die Stolberger Strecke zuvor umgespurt worden war.

Einstmals war man in Stolberg stolz darauf, eine Straßenbahn in der Stadt zu haben. Auf älteren Postkarten aus Stolberg wurde sie gerne mit in das Bild genommen. Aus der Zeit um die Jahrhundertwende stammt beispielsweise dieses Postkartenmotiv aus dem Steinweg – natürlich mit der Straßenbahn…

Die Existenz der Straßenbahn kann man selbst heute an verschiedenen „handfesten“ Relikte  im Stolberger Stadtgebiet noch unzweifelhaft beweisen.

Die deutlichsten Spuren der Straßenbahn findet man in der Galmeistraße in Büsbach. Hier verkehrten bis zum 08. Januar 1967 die Straßenbahnen der Linie 25 von Brand nach Oberstolberg-Markt. Dort trifft man auch mehr als 40 Jahre (!) nach der Stillegung immer noch Gleisreste an. Hier blieb bis heute ein rd. 150 m langes Streckenstück deutlich sichtbar erhalten.


Das letzte Stück Straßenbahnstrecke in der Galmeistraße in Büsbach, aufgenommen am 05. März 2010

Besonders dort, wo die Straßenbahn auf eigenem Bahnkörper verkehrte, sind ihre Trassen immer noch gut sichtbar. So werden die Trassen der ehemaligen Strecke Eilendorf (ab Bayerhaus) – Atsch-Dreieck oder zwischen Vicht – Dreieck und dem Ortseingang Vicht als Fuß- und Radwege genutzt. Daneben blieben die Spuren der Straßenbahn auch an den ehemaligen Knotenpunkten Atsch-Dreieck und Vicht-Dreieck gut sichtbar.


Die Trasse der Linie 22 nahe des Friedhofs Atsch, aufgenommen am 27. Februar 2010. Der Blick geht nach Osten in Richtung Atsch-Dreieck. Im Vordergrund das Fundament eines Fahrleitungsmastes.


Solche Mastfundamente findet man auf dem Streckenabschnitt zwischen der Sebastianusstraße und der ehemaligen Haltestelle Friedhof noch häufiger.


Hier befand sich bis 1969 die Haltestelle Atsch-Friedhof. Die Straße links führt zum Atscher Sportplatz und nach Buschmühle. Der ansteigende Fußweg verbindet die Stadtteile Atsch und Kohlbusch und führt auch zum Friedhof.

Auf dem weiteren Weg nach Atsch-Dreieck verlief die Straßenbahntrasse über längere Abschnitte rechts der Hammstraße. Auch heute noch läßt sich der Trassenverlauf dort gut erkennen.


Nahe der Einmündung der Pastor-Keller-Straße überquerte die Straßenbahn die Hammstraße und kürzte den Bogenverlauf der Straße ab. Diese Abkürzung ist heute als Fußweg ausgebaut.


Hier der Blick auf die Straßenbahntrasse von der Haltestelle Atsch-Dreieck in Richtung Eilendorf.


Der ehemalige Bahnsteig der Straßenbahn an der Haltestelle Atsch-Dreieck

Im Verlauf der Sebastianusstraße kann man zwischen Bayerhaus und den ehemaligen Sandgruben noch den ehemaligen Bahnübergang der Straßenbahn sowie die als Fußweg genutzte Trasse der LinieEilendorf – Atsch-Dreieck sehen:


Der ehemalige, einstmals unbeschrankte Bahnübergang der Straßenbahn (Foto vom 10. Dezember 2011)


Blick von der Sebastianusstraße auf die Straßenbahntrasse in Richtung Eilendorf (oben) und nach Atsch-Dreieck hin (unten), aufgenommen am 10. Dezember 2011.

Der aufmerksame Beobachter kann ebenso an verschiedenen Stolberger Hausfassaden Reste von den Aufhängungen der Straßenbahn-Fahrleitungen finden.  So hat  beispielsweise am Haus Rhenaniastraße 29 ein Fahrdrahthalter die vergangenen 40 Jahre überdauert.

Nutzlos herumstehende Masten können ebenfalls „verdächtig“ sein. Dieser Mast am Bahnübergang Eisenbahnstraße war jedenfalls eindeutig einstmals ein Teil der Fahrdrahtaufhängung der Straßenbahn.

Und der aufmerksame Beobachter wird noch manches mehr entdecken können.

Im Bereich des Haltestellenschildes finden sich zwei weitere Fahrdrahthalter unterschiedlicher Bauform:

Solche Reste lassen sich gewiß noch an manchen anderen Stellen in Stolberg finden. Halten Sie die Auguen auf…

Ein Gedanke zu „Straßenbahnrelikte in Stolberg“

  1. Hallo!

    Ich habe an der Trasse Atsch Friedhof neben den Mastfundamenten noch ein gemauertes viereckiges Fundament (in das man wohl mal hinabsteigen konnte) sowie neben einer kleinen Treppe eine alte Laterne entdeckt.
    Hatte diese Relikte auch mal etwas mit der Straßenbahn zu tun?

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