Bf. Stolberg-Hammer im Wandel der Zeit

Eine Fotoserie über den seit 1881 bestehenden Bahnhof am Rand der Stolberger Altstadt Unter den Stolberger Bahnhöfen dürfte der 1881 errichtete Bahnhof Stolberg-Hammer wohl das meiste Lokalkolorit haben. Im Schatten der Burg, nah bei der Altstadt und dicht an der Stolberger Industrie, dazu mit Blick auf die Brauerei des einstmals beliebten „Ketschenburg“-Bieres, vereinigte er so viel für Stolberg typische Dinge wie kein anderer Bahnhof.
Am 9. März 1974, immerhin mehr als 10 Jahre nach Einstellung des Personenverkehrs zwischen Stolberg Hbf und Walheim, bot sich am Bahnhofsgebäude immer noch dieser Ausblick. Alles sah so aus, als würde gleich der Personenzug einfahren……
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Auch in der Gegenrichtung waren 1974 die Bahnsteige noch vollständig vorhanden. Rechts am Bildrand ist auch das kurze Anschlussgleis der an das Bahnhofsgebäude angebauten kleinen Güterhalle zu sehen.

Auf diesem Bild vom 2. September 1974 rangiert 051 565 vor dem imposanten Turm der Dalli-Werke

Am 29. Juli 1979 stand der Abriss des Bahnhofsgebäudes kurz bevor. Zur Erinnerung habe ich seinerzeit diese Fotos aufgenommen:

Um 1900 zeigte sich der Bahnhof Stolberg-Hammer recht jugendlich. Die Stolberger Talbahn war da noch eingleisig. Der zweigleisige Ausbau fand erst zwischen 1907 und 1909 statt. Auf dem Foto ist der 7,5 to-Lastkran gut zu erkennen. Daneben gehörte ferner eine 15 to-Gleiswaage zur Bahnhofsausstattung:

Gleichwohl – das Umfeld des Bahnhofs war schon sehr stark industriell geprägt

Aus dem Jahre 1915 stammt diese Ansicht des Gleisanschlusses der Firma Mäurer & Wirtz. Heute überquert ungefähr an dieser Stelle die Straße „Finkensief“ auf einer Brücke die Gleisanlagen des Bahnhofs Stolberg Hammer

Wie es am Bahnübergang der Aachener Straße in dieser Zeit zugegangen ist, zeigt dieses Foto, dass „vor 1908“ aufgenommen worden sein soll. Auch hier ist die Eingleisigkeit eindeutig erkennbar

Um 1930 hat sich dieser Ort deutlich verändert

Auf einer Postkarte, die Mitte der 1960erJahre in Stolberg verkauft wurde,  wurde  der Bahnhof Stolberg-Hammer so abgebildet:

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Oberhalb der Aachener Straße, vermutlich an der Straße „Rotsch“, stand der Fotograf dieser drei Bilder im September 1961. Als er seine Aufnahmen anfertigte, rangierte gerade ein Dampflok der BR 50 im Bahnhof

Aus der Luft zeigte sich der nördliche Teil des Bahnhofs Stolberg-Hammer in den 1960er Jahren so:

Der südliche Teil des Bf. Stolberg-Hammer sah im Luftbild so aus:

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Wer in dieser Zeit von der Stolberger Burg zum Bahnhof hinübersah, der hatte diesen Anblick vor Augen:

Die Zufahrtstraße zum Bahnhof Stolberg-Hammer hieß nicht etwa Bahnhofstraße, sondern Brauereistraße. Von dort aus fotografierte ich am 9. März 1974 quer über den Bahnhof zu der von der Zweifaller Straße aus erreichbaren Güterabfertigung

Vom Bahnhof Stolberg-Hammer aus wurde u.a. die Kabelfabrik „Kerpen“ per Strassenroller bedient. Auf diesem Foto ist links vom Signal die kleine mobile Auffahrrampe zu erkennen, mit deren Hilfe beim Beladen die Lücke zwischen dem Gleis und dem Strassenroller überbrückt wurde

Am 2. September 1974 schaute ich bei den alltäglichen Rangierarbeiten zu und nahm diese Motive auf:

Die freundlichen Stolberger Eisenbahner boten mir auch die Gelegenheit, den Bahnhof Stolberg-Hammer einmal aus der Sicht eines Lokführers aufzunehmen

Die Kalkwaggons im Bahnhof waren für die Firma „Westdeutsche Kalkwerke“ bestimmt, die im Bereich „Rüst“ das größte Kalkwerk im Stolberger Raum betrieb. Dieses Kalkwerk war über den im Jahre 1898 erbauten Anschluss „Zur Mühlen“ (benannt nach dem Büsbacher Unternehmer Fritz zur Mühlen, der hier 1896 die ersten Kalköfen errichtete) an das Schienennetz angebunden. Das seit 1911 von den „Westdeutschen Kalkwerken“ betriebene Werk ist Mitte 1975 geschlossen worden. Kurz vorher entstand dort dieses Foto

Aus dem Jahre 1929 stammt dieses Foto aus dem Bereich Rüst, das das Werk 1 der Westdeutschen Kalkwerke zeigt. Interessant ist auf dem Bild vor allem auch das Stellwerk, bei es sich um das dritte, westlichste Stellwerk des Bahnhofs Stolberg-Hammer handelt

Wegen des einstmals lebhaften Verkehrs im Bahnhof Stolberg-Hammer war die Bahnschranke an der Aachener Straße häufig und während der Rangierarbeiten mitunter auch für längere Zeit geschlossen. Für Fußgänger gab es deshalb nahe beim Stellwerk „Shf“ eine Unterführung. Schon auf Fotos aus der Zeit um 1900 ist sie nachweisbar. Auf meinem Foto vom 29. Juli 1979 ist sie wohl noch vorhanden, wegen des vernachlässigten Zustandes wurde sie aber kaum mehr genutzt

Die Deutsche Bundesbahn beendete den Dampflokeinsatz beim Bahnbetriebswerk Stolberg im Jahre 1976.  Aber auch mit Dieselloks wurde in den 1980er Jahren ein umfangreicher Bahnbetrieb mit häufigen Rangierarbeiten abgewickelt. Im September 1985 fotografiert ich dabei die Lok 290 372 auf dem Bahnübergang Aachener Straße

Auf der gegenüberliegenden, südlichen Bahnhofsseite überquert ebenfalls eine Straße die Bahnhofsgleise. Allerdings nutzt die Finkensiefstraße dazu eine Brücke. Von dort aus entstand am 18. November 1984 dieses Foto eines Rottenkraftwagens bei der Einfahrt in den Bahnhof Stolberg-Hammer. Über das linke Gleis sind die Firmen „Prym“ und „Berzelius“ (Bleihütte) angeschlossen. Nur die Bleihütte nutzt diesen Bahnanschluss aber noch.

Aus dem Zug heraus bot sich am 12. Juli 1981 dieser Blick auf die Gleisanschlüsse  der Firmen „Prym“ (links) und „Berzelius“ Bleihütte (Hg.)

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Der Gleisanschluss der Bleihütte zeigte sich am 4. Januar 1985 im Winterkleid. Im Hintergrund ist auch die Werklok der Bleihütte zu sehen. Bis etwa 1967 diente diese Lok der „Heinrichshütte“, der zum gleichen Konzern gehörenden Zinkhütte im Stolberger Stadtteil Münsterbusch, als Werklok.

In den 1990er Jahren wurde die Vennbahn intensiv touristisch genutzt und war häufig das Ziel von Sonderzügen. So kam es, dass der Bahnhof Stolberg-Hammer auch wieder von Dampfloks eingeräuchert wurde. Bei starkem Regen passieren hier beispielsweise die bei der belgischen „Vennbahn V.o.E.“ in Raeren stationierte Lok 50 3666 und die aus Oberhausen angereiste Lok 41 360 auf dem Weg nach Sourbrodt den Bahnhof Stolberg-Hammer. Zu dieser Zeit erfolgte gerade die Untertunnelung des Bahnhofs im Zuge des Neubaus der L 238 (Europastraße)

Die Jahrtausenwende brachte tiefgreifende Änderungen in der Bahnlandschaft. So trennte sich die Deutsche Bahn AG von dieser Strecke. Neuer Eigentümer ist die Firma „EVS“ geworden.
Im Jahre 2001 wurde der Bahnhof Stolberg-Hammer umbenannt in „Stolberg-Altstadt“. Gleichzeitig erlebte er im Juni 2001 die Wiedergeburt des Reisezugverkehrs, als die „Euregiobahn“ von dort den Verkehr über Aachen nach Heerlen aufnahm. Der im Jahre 2001 auf der Nordseite umgebaute Bahnhof präsentiert sich seitdem als moderne Haltestelle. Der neue Bahnsteig liegt jetzt aber gegenüber dem Standort des ehemaligen Bahnhofsgebäudes. Im September 2007 fotografierte ich im Bahnhof „Altstadt“ einen der Euregiobahn-Talenttriebwagen der Baureihe 643.2 .

Obwohl diese Aufnahmen noch jung sind, sind sie doch schon wieder historisch. Im Oktober 2008 wurde das dicht am Bahnsteig und dem dortigen Gleis errichtete Gebäude eines Verbrauchermarktes eröffnet, der nun die Bahnhofsansicht verändert hat.

Zwar hat sich in den vergangenen Jahres vieles verändert am Bahnhof Stolberg-Altstadt. Dennoch bietet er durch die im dichten Taktverkehr fahrenden Euregiobahnen und den immer noch sehr umfangreichen Güterverkehr einen abwechslungsreichen Bahnbetrieb.

Mit diesem Bild vom Oktober 2008, das den Bogen von den alten Bäumen, die einst das Bahnhofsgebäude an der Brauereistraße umsäumten, bis zum neuen Bahnsteig und der jüngsten Veränderung der Bahnlandschaft schlägt, endet der Blick auf den Bahnhof im Wandel der Zeit:

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