Unterwegs zwischen Köln und Stolberg im Jahre 1982

Wer als Berufspendler zwischen Stolberg und Köln unterwegs ist, der wird „seine“ Strecke kennen wie seine Westentasche. Wenn man während der Zugfahrt kurz einnickt und wieder wach wird, weiß man beim Blick aus dem Fenster sogleich, wo sich der Zug gerade befindet. Gleichgültig ob man in Fahrtrichtung rechts oder links sitzt oder ob man in Fahrtrichtung oder gegen die Fahrtrichtung sitzt – man  ist einfach streckenkundig. Beim täglichen immer gleichen Anblick der Bahnhöfe und der Umgebung entlang der Strecke verblasst jedoch gerne die Erinnerung, wie es früher einmal war und wie stark sich die Bahnstrecke und der Bahnbetrieb verändert haben. Blicken wir einmal zurück in das Jahr 1982. Vor 35 Jahren waren noch Waggons im Einsatz, bei denen man die Fenster öffnen konnte und die gute Möglichkeiten boten, am geöffneten Fenster stehend aus dem fahrenden Zug heraus die Bahnstrecke fotografisch zu dokumentieren.
Damals hatte ich noch keine Kamera mit „Winder“, zwischen den einzelnen Fotos musste man die Kamera vom Auge absetzen, den Filmtransporthebel bedienen und das Motiv wieder neu fokussieren. Manche Fotos aus dieser Zeit sind deshalb in der Hektik vielleicht etwas verkantet – aber das nicht mehr wiederholbare Motiv rechtfertigt es, diese Fotos dennoch in ihrem ursprünglichen Zustand zu belassen.

Das Bild des Kölner Hauptbahnhof war 1982 einerseits noch geprägt von den Gepäckkarren des Expressgut- und Reisegepäckdienstes. Eines der Markenzeichen des Intercity-Verkehrs war demgegenüber gerade das Fehlen des Ladegeschäftes am seinerzeit im Fernverkehr noch obligatorischen Packwagen (von IC-Kuriergut, das durch ein Zugfenster ausgetauscht wurde, abgesehen). Man achte auch einmal darauf, wie aufgeräumt und frei nutzbar die Bahnsteige noch sind.

211 083 im Gleisvorfeld des Kölner Hauptbahnhofs. Im „Kölner Dieselnetz“ wurden die Züge überwiegend mit bewährten Loks der BR 211, 212 und 215 und alltagstauglichen Umbauwagen oder Silberlingen gebildet.

Im Rangierdienst ist die „V 60“ in Köln Bbf bis heute ein unverzichtbares Arbeitsgerät geblieben. Mittlerweile gehört diese Baureihe zu den ältesten Fahrzeugtypen der DB-AG.
Wegen des dichten Verkehrs rund um Köln Hbf wurden dort schon in den frühen 50er Jahren Lichtsignale aufgestellt, die teilweise auch – wie hier noch an dem Signalausleger zu sehen – in Sonderbauformen ausgeführt waren.

Köln-Ehrenfeld war 1982 noch ein stark industriell geprägter Stadtteil – mit vielen vom Güterverkehr geprägten Gleisanlagen. In Köln-Ehrenfeld konnte man eine große Güterabfertigung, Laderampen und Ladestraßen mit diversen Kränen beobachten. Im Kölner Stadtgebiet und ins nahe Umland wurden viele Übergabefahrten mit Dieselloks gefahren.

Wo sich in Köln-Ehrenfeld heute eine riesige Brachfläche erstreckt, war 1982 noch ein belebter Güterbahnhof vorhanden (oben und unten).

Neben der Köln-Bonner-Eisenbahn und der Kölner Hafenbahn gehörte auch die Köln-Frechen-Benzelrather-Eisenbahn (KFBE) zu den Nichtbundeseigenen Eisenbahnen, die neben der Deutschen Bundesbahn den Güterverkehr prägten. Passend für ein Bahnunternehmen aus der Region war die V 76 der KFBE eine Lok aus der Fertigung von Klöckner-Humboldt-Deutz (oben und unten).

Noch ein Blick zurück auf die großflächigen Gleisanlagen in Köln-Ehrenfeld.

Auch der Bahnhof Horrem als Verkehrsknoten des Erftkreises verfügte über  großflächige Gleisanlagen für den Güterverkehr. Wer hätte 1982 gedacht, dass dieses Areal 35 Jahre später zu einem großen Parkplatz mutiert ist (oben und unten). Im Hintergrund sind die seinerzeit für die Bahnhöfe Horrem und Quadrath-Ichendorf typischen Waggons für den Transport von Quarzsand zu sehen.

Die Ostseite des Bf. Horrem im Zustand von 1982. Heute ist hier alles verändert.

Blick aus dem Zugfenster hinüber zum Bahnsteig, wo die Züge von Horrem nach Bedburg abfuhren. Eine ähnliche, aber auf ein einziges Gleis zurückgebaute Situation gibt es auch heute noch. Der ebenerdige Verbindungsweg für die Gepäckkarren, der in Begleitung von Bahnmitarbeitern auch als behindertengerechter Zugang genutzt werden konnte, ist heute jedoch ebenso verschwunden wie die elektrische Fahrleitung, die einstmals bis Quadrath-Ichendorf vorhanden war (oben und unten).

Der Bf. Düren bot 1982 noch Verbindungen nach Düsseldorf, Euskirchen, Jülich und Heimbach. Wo sich heute eine Brachfläche mit Wildwuchs erstreckt, befanden sich gepflegte Bahnsteige. Mit den Akkumulatortriebwagen war bei der Deutschen Bundesbahn auch auf den nichtelektrifizierten Strecken eine bewährte und bahntaugliche Form von „Elektromobilität“ eine alltägliche Selbstverständlichkeit (oben und unten).

Auch das war typischer Nebenbahnbetrieb bei der Deutschen Bundesbahn des Jahres 1982: während der Zug aus Köln gerade in Düren einfährt, verlässt der Zug nach Bedburg und Düsseldorf schon den Bahnhof. Solche nicht aufeinander abgestimmten Anschlüsse wurden gerne genutzt, um die vermeintlich unrentablen Nebenstrecken unattraktiv zu machen. Welches Potenzial gerade in den von Düren ausgehenden Nebenstrecken steckte, hat die Dürener Kreisbahn bzw. die Rurtalbahn zwischenzeitlich deutlich gemacht.

Die westliche Ausfahrt des Bahnhofs Langerwehe im Zustand von 1982. Der Bildausschnitt lässt erkennen, dass der Zug hier auf Ersatzsignal gefahren ist (oben und unten).

Beim Halt in Eschweiler Hbf ergab sich aus dem Zug heraus dieser Blick zum Gleisanschluss der Fa. Neuman und die dortige Werklok. Hinter dem Gleis 4 befanden sich 1982 noch drei weitere Gleise auf dem Bahnhofsgelände.

Stolberg Hbf ist erreicht. Das Stellwerk „Sr“ ist heute noch vorhanden, allerdings nur noch als Gebäudehülle. Von den einstmals rd. 60 km Gleisanlagen in Stolberg Hbf betrachtete die Deutsche Bahn AG lediglich die beiden Durchfahrtgleise und ein Ausweichgleis für sich als betriebsnotwendig. Alle anderen Gleisanlagen – soweit noch vorhanden – gehören heute zum Bestand des Infrastrukturunternehmens „Euregio Verkehrsschienennetz GmbH“, das sein Netz von einem zentralen elektronischen Stellwerk aus steuert.

Stolberg Hbf ist auch 2017 noch einer der großen Bahnhöfe in der Region. Gegenüber den Bahnhöfen in Köln-Ehrenfeld, Horrem oder Düren hat sich in Stolberg noch ein relativ umfangreicher Güterverkehr erhalten. In 2016 wurden an verschiedenen Tagen noch 45 bis 50 Waggons vom Knotenbahnhof Stolberg Hbf an den zuständigen Rangierbahnhof in Köln übergeben. Und auch die Loks der BR 140 konnten vor zwei oder drei Jahren in Stolberg Hbf noch angetroffen werden.

Blickt man heute auf die Strecke Köln – Aachen und vergleicht die Motive von 1982 mit der heutigen Situation, so stellt man fest, dass sich durch den Bau der S-Bahn von Köln nach Düren und die Einführung des Taktverkehrs und der Doppelstockwagenparks gravierende Verbesserungen vor allem bei dem aus öffentlichen Mitteln finanzierten Regionalverkehr ergeben haben.

Einst und jetzt am Beispiel Alsdorf

Es gibt Orte, die einen nicht mehr loslassen. Für viele Eisenbahnfreunde dürfte der Bereich um das alte Stellwerk und den Güterschuppen am Bahnhof Alsdorf solch ein Ort sein. Wo sich heute der sterile Bahnhof Alsdorf-Annapark befindet, gab es bis 1992 eine Kombination von Eisenbahn und Bergbau mit Gänsehaut-Feeling…

Am 5. Februar 2017 war ich dort wieder einmal vorbeigekommen und fotografierte den von Herzogenrath nach Stolberg Hbf fahrenden Euregiobahn-Triebwagen 643 222 (oben). In der Erinnerung verbindet sich dieser Anblick gerne mit jenem Nachmittag am 22. März 1978, als ich dort vor der Kulisse der „dampfenden Anna“ einen rasant vorbeiknatternden Schienenbus aufgenommen hatte (unten).

Ein beliebter Platz war seinerzeit auch der Güterschuppen mit seiner Verladerampe, die einen guten Blick über die Anlagen des Grubenbahnhofs geboten hatte. Heute eine verkommene Gegend mit einem Blick auf klägliche Reste des einstigen pulsierenden Herzes der Stadt Alsdorf (oben). Am 15. September 1988 entstand wenige Meter links von dieser Stelle das Foto der Diesellok 290 392 vor den gewaltigen Dampfwolken, die etwa alle 10 Minuten durch das Kokslöschen  erzeugt wurden (unten).
Am 2. Mai 1980 konnte der Eisenbahnfreund dort die Grubenbahnlok „Anna 8“ und die Bundesbahnlok 290 306 antreffen, die sich beide vor schweren Zügen abplagen mussten.

Vom 6. Mai 1980 stammt die Aufnahme dieser Betriebsszene mit der Diesellok 290 164, dem nach Herzogenrath sausenden Akkutriebwagen 515 578 und den beiden Grubenbahnloks „Anna 2“ (links) und „Anna 8“ (rechts).

Man kann die Erinnerung bewahren und durch Fotos wachhalten. Aber man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Wie es einmal war, so wird es nicht wieder sein. So kann man es auch verschmerzen, wenn mit dem Abtransport der Lok „Anna 9“ wieder ein Stück Alsdorfer Kulturgut verschwindet oder im fluffigen Energeticon die Grubenbahnlok „Anna 8“ mehr schlecht als recht die Zeit überdauert und sich die Räder plattsteht. Sie sind ohnehin nur noch Aschereste einer verloschenen Zeit. Fossile einer abgeschlossenen industriellen Epoche, die gar nicht mehr widerspiegeln können, was einmal ihre Arbeitswelt war. Die Stätten, an denen Generationen von Menschen tausendfach schwer geschuftet haben und durch die die Stadt groß geworden ist, waren es nicht wert, erhalten zu werden. Sie fanden zuletzt kaum mehr Wertschätzung. Ein Trend, der bis heute anhält. Kohlekraftwerke und Kohlebergbau ganz allgemein sind heute schon regelrecht verpönt und in der Politik „Schmuddelkinder“, mit denen keiner mehr spielen will….

Rückblick: Winterreise in die Eifel vor 35 Jahren

Für den 16. Januar 1982 verkündete der Wetterbericht für die Eifel  seinerzeit sonniges Winterwetter. Auf der Eifelquerbahn gab es im Winterfahrplan 1981/82 noch bis in den Samstagnachmittag hinein Reisezugverkehr. Und mit meinem „Tramper-Monats-Ticket“ konnte ich damals nach Lust und Laune spontan über die Schienen der Deutschen Bundesbahn cruisen. Da ich in jenen Jahren außerdem gerade dabei war, die Eisenbahnen in der Eifel zu erkunden, nutzte ich jenen Samstag für eine Tour in die winterliche Eifel….

Der Eifeler ist es ja gewöhnt, sich im Winter zu behaupten. Da machten die Eisenbahner keine Ausnahme. Im Bw Gerolstein stand der Schneepflug an der Drehscheibe in Bereitschaft, um jederzeit kurzfristig eingesetzt zu werden. Am 16. Januar 1982 war es zwar knackig kalt, aber der Schneepflug musste nicht zum Einsatz kommen.

Nach der Anreise von Stolberg über Köln und Euskirchen stieg ich in Gerolstein um. Mit einem sechsteiligen Schienenbusverband ging es auf der eingleisigen Eifelquerbahn von Gerolstein zunächst bis Daun. Für die Fahrt durch die winterliche Vulkaneifel war der Schienenbus mit seinem Panoramablick natürlich wie geschaffen. Bei Rockeskyll bot sich dieser Blick auf die stetig ansteigende Strecke.

Da der Fahrplan für die Nebenbahntour genügend Zeitreserven bot und an fast jeder Station Reisende ein- und ausstiegen, hatte das freundliche Zugpersonal nichts dagegen, das während der planmäßigen Halte flott Fotos gemacht wurden. Wegen der Zugmeldung an den Bf. Daun blieb auch am Hp Rengen Zeit, um mit der gebotenen Vorsicht dieses Motiv aufzunehmen. Erst hier fiel auf, dass von der vorangegangenen Fahrt noch die Schlussscheiben vor den Lampen waren…

In Daun gab es einen längeren Halt, weil dort der Schienenbusverband in zwei Dreiteiler getrennt wurde. Während der eine Schienenbus wieder nach Daun zurückfuhr, wählte ich den anderen zur Weiterfahrt bis zum Bf. Mayen-Ost. Beim Aufenthalt in Daun bot sich die Gelegenheit, auch die 290 329 aufzunehmen, die mit einem Güterzug von Ehrang über Wengerohr und Wittlich auf der Mosel-Maare-Bahn bis nach Daun gekommen war. Hier wartete sie nach dem Abschluss ihrer Rangierarbeiten auf die Rückfahrt. Bis es soweit war, gab es für die Eisenbahner im Büro des Fahrdienstleiters aber noch einen warmen Pott Kaffee…

Auf der Weiterreise von Daun nach Mayen kreuzten sich im Bf. Darscheid zwei Schienenbusse.

Halt im 520 m über NN gelegenen Bf. Uersfeld/Eifel. Auch hier wurde die Zeit, die der Zugführer für die Zugmeldung benötigte, für ein Foto vom Halt des Schienenbusses genutzt. Die gepflegten Bahnanlagen und der vorbildliche Zustand des winterlichen Bahnhofs sind aus heutiger Sicht beachtenswert – damals war es das alltägliche Bild der Deutschen Bundesbahn.

Bei der Rückfahrt reichte im Bf. Darscheid die Zeit für ein Foto, weil auch dort wieder eine Zugmeldung an den Bf. Daun erforderlich war. Jetzt war anstelle des Schienenbusses aber ein Zug aus vier Umbauvierachserwaggons im Einsatz, der von 211 219 nach Gerolstein gezogen wurde.

Halt im Bf. Dockweiler-Dreis, der mit 561 m über NN der höchstgelegene Bahnhof der von Gerolstein (381 m) über Daun (405 m) nach Mayen-Ost (271 m) verlaufenden Eifelquerbahn ist.  Weil es von hier aus nur noch bergab ging, hatte der Lokführer der 211 219 keine Einwände, auch hier noch das Fotografieren zu ermöglichen.

Wer Lust bekommen hat, noch mehr Fotos von dieser stimmungsvollen Winterfahrt in die Eifel zu sehen, ist herzlich eingeladen, zum Frühschoppen für Eisenbahnfreunde zu kommen, der am 19. Februar 2017 ab 10:30 Uhr im Servicepunkt des Stolberger Hauptbahnhofs stattfindet. Dort besteht Gelegenheit, diese Fahrt über die winterliche Eifelquerbahn virtuell noch einmal  zu unternehmen.

Rückblick auf das Bahnjahr 2016 aus Stolberger Sicht

Die Jahreswende 2016/2017 ist ein Anlass, inne zu halten, auf die Geschehnisse des  Jahres 2016 zurückzublicken und den Blick nach vorne zu richten. Was wird das Jahr 2017 uns bringen, was streben wir an, was wird es uns in Sachen Eisenbahn bringen?

Wer heute den Stolberger Hauptbahnhof ansteuert, wird bemerken, dass ein Teilstück der Rhenaniastraße bereits neuzeitlich gestaltet wurde und der Bau des neuen P&R-Parkhauses begonnen wurde. Für die Bahnpendler hat die EVS während der Bauzeit und dem Baustellen-bedingten Wegfall der Parkflächen auf der Trassenfläche der Verbindungsbahn an der Probsteistraße eine kundenfreundliche Übergangslösung geschaffen.
Der Servicepunkt im Stolberger Hauptbahnhof kann mit seinem vielfältigen Angebot und seinen gastronomischen Qualitäten eine beständige Kundenfrequenz verzeichnen. Auch die Besucher des mittlerweile regelmäßig stattfindenden „Frühschoppen für Eisenbahnfreunde“ lassen sich an jedem dritten Sonntag im Monat hier gerne bewirten.
Der Bau des Parkhauses soll vsl. bis Juni 2017 fertiggestellt werden. Vielleicht wird auch die DB-AG im Jahre 2017 mit der Sanierung ihrer Bahnhofsanlagen (Mittelbahnsteig und Zugang) beginnen.

Der Bahnverkehr in der Region war im Jahre 2016 glücklicherweise nicht von größeren Unfällen betroffen. Kleinere Ereignisse wie umgestürzte Bäume u.ä. konnten zumeist rasch bewältigt werden.
Für das euregionale Schienennetz der EVS hat es im Laufe des Jahres 2016 viele positive Signale gegeben, die hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lassen. So soll die Elektrifizierung der Euregiobahn im neuen ÖPNV-Bedarfsplan „indisponibel vorgesehen“ sein. Allerdings stehe das Projekt (noch) unter einem Finanzierungsvorbehalt, der im Hinblick auf angestrebte Änderungen der Finanzverteilung für die Länder überwunden werden könnte. Der Sonderverkehr zwischen Stolberg-Altstadt und Breinig wurde erstmals anläßlich der „Kupferstädter Weihnachtstage“ zusätzlich an vier Adventswochenenden durchgeführt. Auch das Projekt eines regionalen Güterverteilzentrums auf Flächen des Stolberger Hauptbahnhofs erfuhr im Laufe des Jahres mehrfach politische „good-will-Erklärungen“.

Im Bereich des Güterverkehrs hat der Stolberger Hauptbahnhof insbesondere in der zweiten Jahreshälfte ein hohes Wagenaufkommen erlebt. An einzelnen Tagen wurden über 50 Waggons gezählt, die hier als Abgang Stolberg Hbf verließen. Als positive Entwicklung im Güterverkehr ist zudem der Ersatz der Loks der BR 294 durch moderne Gravita-Loks (BR 261 und 265) zu werten.
Dennoch gibt es im Güterverkehr auch schlechte Nachrichten. So ist die Firma Steil in Eschweiler-Aue wegen Betriebsschließung in der ersten Jahreshälfte als Bahnkunde weggefallen. Im Rahmen eines Konzentrationsprozesses beabsichtigt die Güterverkehrssparte der DB-AG außerdem, die Bedienung des Gleises zum ehemaligen Bf. Aachen-Nord aufzugeben und keine Frachten mehr für die Firmen „Talbot-Services GmbH“ und „Reuschling“ zu fahren. Mit der Schließung der Firma Steil in Eschweiler-Aue hat die Region Aachen zugleich wieder den Verlust eines Werklok-Betreibers hinzunehmen.

Im regionalen Bahnverkehr waren über das gesamte Jahr 2016 hinweg vor allem bei RE1-Zügen, die von Düsseldorf und Köln kommend in Richtung Aachen verkehrten, immer noch erhebliche Verspätungen zu verzeichnen. Die vsl. im März 2017 beginnenden Ausbauarbeiten für das Rhein-Ruhr-Express-Streckennetz im Bereich von Köln lassen wenig Hoffnung auf eine Verbesserung der Pünktlichkeit im Jahre 2017 aufkeimen. Wegen der Vergabe des RRX-Verkehrs an „National Express“ und „Abellio“ werden mancherorts Sorgen um die Zukunft des DB-Regio-Werks Aachen gehegt. Welche Rolle wird der Standort Aachen beim Einsatz der vsl. 82 neu zu beschaffenden RRX-Doppelstock-Triebwagenzüge künftig (u.a. für DB-Regio) noch spielen.  Zumindest soll der Betrieb der RB 33-Züge ab 2020 weiterhin von DB-Regio durchgeführt werden.
Als Angebotsverbesserung wurden zum Fahrplanwechsel ab dem 11. Dezember 2016 durch geringfügige Fahrzeitanpassungen verbesserte Anschlüsse zwischen den Euregiobahnzügen in Stolberg Hbf erreicht, die sich insbesondere für die Fahrten von und nach Alsdorf positiv auswirken.

Auch auf dem Sektor des musealen bzw. touristischen Verkehrs gab es 2016 Licht und Schatten. So sah sich die Stadt Alsdorf gezwungen, die im dortigen Tierpark stehende „Spielplatzlok“ Anna 9 von ihrem Standort zu verbannen und einem Verkauf in entfernte Gefilde zuzustimmen. Bei den „Eisenbahnfreunde Grenzland e.V.“ ist man insbesondere durch die Beschaffung von 4 „Umbau-Dreiachsern“ und einem historischen Dieseltriebwagen auf dem Weg zu einem touristischen Bahnbetrieb ein gutes Stück vorwärts gekommen. Diese Fahrzeuge müssen zwar allesamt noch mühevoll aufgearbeitet werden, aber auch dafür konnte man bei den EFG die Bedingungen spürbar verbessern.

Das Jahr 2016 konnte mit einigen denkwürdigen Jubiläen und Geburtstagen aufwarten. Herausragendes Ereignis war dabei das 175-jährige Bestehen des Schienenweges von Köln nach Aachen, das von den Medien, vielen Kommunen, Geschichtsvereinen und Verbänden gewürdigt worden ist. Bedauerlicherweise fand es bei der Deutschen Bahn AG jedoch keinen Widerhall. Diesbezügliche Bahnhofsfeste oder Sonderfahrten der DB-AG: Fehlanzeige! Als Wermutstropfen für die Jubiläumsstrecke wurde beim Beschluss des Bundesverkehrswegeplan 2030 der Bau des dritten Gleises zwischen Düren und Aachen herausgestrichen. Zum Fahrplanwechsel wurde ab dem 11. Dezember 2016 immerhin die Zahl der zwischen Frankfurt/M. und Brüssel verkehrenden ICE-Zugpaare von vier auf sechs erhöht.

Die „Euregiobahn“ konnte auf 15 erfolgreiche Betriebsjahre zurückblicken. Als “Geburtstagsgeschenk“ wurde dazu am 10. Juni 2016 der „Ringschluss“ auf der traditionsreichen Strecke von Herzogenrath über Alsdorf bis nach Stolberg Hbf offiziell vollzogen. Nach langdauernden Bau- und Sanierungsarbeiten konnte das letzte Teilstück von Eschweiler-St. Jöris über Merzbrück nach Stolberg Hbf in Betrieb genommen werden. Ab dem 12. Juni 2016 kann nun wieder die gesamten Strecke von Stolberg Hbf über Alsdorf nach Herzogenrath, die volkstümlich mittlerweile „Ringbahn“ genannt wird, im Schienenpersonenverkehr befahren werden und Fahrgästen aus Alsdorf auf kürzerem Weg im Stundentakt ein Anschluss an die RE1-Züge in Richtung Köln angeboten werden. Ein passenderes Geburtstagsgeschenk ist kaum denkbar.

Mit „großem Bahnhof“ feierte auch der Eisenbahn-Amateur-Klub Jülich (EAKJ) am Sonntag, dem 17. April 2016, im (Kultur-)Bahnhof Jülich sein 40-jähriges Bestehen. Bei einem „Tag der offenen Tür“ bot der u.a. für seine vorbildliche Jugendarbeit bekannte Verein in der ehemaligen Wartehalle und in seinen an der Gleisseite gelegenen Clubräumen viele Attraktionen.

Das Dampflokabschiedsfest der Bundesbahndirektion Köln, das am 3. und 4. April 1976 in Stolberg veranstaltet wurde und als eine der größten Veranstaltungen dieser Art seinerzeit rd. 80.000 Besucher anlockte, wurde im Rahmen eines „Frühschoppens für Eisenbahnfreunde“ nach 40 Jahren noch einmal in Erinnerung gerufen.

Was das Jahr 2017 „eisenbahnmäßig“ bringt? – Lassen wir uns überraschen…

 

 

 

 

Fotokalender 2017 zur „Eisenbahn in Stolberg“

Wie in den vorangegangenen Jahren gibt es bei  www.eisenbahn-stolberg.de   als „Dankeschön“ für das Interesse an dieser Homepage und die Mitwirkung bzw. Unterstützung bei der Erstellung von Beiträgen und Berichten wieder einen Fotokalender zur Eisenbahn rund um Stolberg.

Der Kalender für das Jahr 2017 enthält erneut insgesamt 13 Motive vom Stolberger Bahnbetrieb. Diesmal richtet sich der Blick auf den alltäglichen Eisenbahnbetrieb, wie er 2016 erlebt werden konnte und auch im Jahre 2017 zu sehen sein dürfte. Aber auch das, was uns heute alltäglich erscheint, kann sich plötzlich ändern und bald schon Geschichte werden. Deshalb sollte gerade auch das, was eher belanglos erscheint, immer wieder ein Foto wert sein.

Vielleicht kann der Fotokalender für das Jahr 2017 nebenbei den einen oder anderen Denkanstoß zur Eisenbahnsituation in Stolberg, zur Beschäftigung mit dem Hobby oder zum Umgang mit Erinnerungen und zur Bewahrung von Zeugnissen der Eisenbahngeschichte liefern…

Der Kalender wird hier als pdf-Datei mit einer Größe von rd. 8 MB zum download angeboten, so dass jeder Eisenbahnfreund die Vorlage  zu einem gedruckten Kalender mit Spiralheftung oder in anderer Form eigenhändig oder mit Hilfe der Dienste eines Grafikshops weiterverarbeiten kann.

Hier geht es zum download:

Kalender 2017

 

Ich wünsche viel Spaß beim Anschauen – möge der Kalender einmal mehr ein gerne gesehener Begleiter durch das Jahr 2017 sein….

 

Roland Keller